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Bonus für Ausbildungsbetriebe Ausbildungsprämie nachgebessert: Welche Voraussetzungen jetzt gelten

Die Bundesregierung hat die Zugangsvoraussetzungen gelockert und das Programm verlängert. Welche Betriebe jetzt antragsberechtigt sind.

Nach einem verhaltenen Start hat die Bundesregierung ihr Programm "Ausbildungsplätze sichern", ausgeweitet und die Fördervoraussetzungen gelockert. Insgesamt sollen mehr Betriebe als bisher profitieren. "Vor allem sollen auch die gefördert werden, bei denen es erst im Herbst zu deutlichen Umsatzeinbrüchen kam oder bei denen geringere Einbußen sich über einen langen Zeitraum strecken", teilte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) mit. Bisher mussten die Betriebe starke Umsatzeinbrüche im April und Mai nachweisen, um in den Genuss der Prämie von bis zu 3.000 Euro pro Auszubildenden zu kommen. Wie Heil betonte, solle so auch ein Anreiz geschaffen werden, auch jetzt noch Auszubildende einzustellen. Die Änderungen gelten auch rückwirkend.

Übernahmeprämie auch für größere Betriebe

Wie Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) weiter mitteilte, gibt es auch Änderungen bei der Übernahmeprämie. "So können künftig alle Unternehmen eine Prämie erhalten, wenn sie Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen - unabhängig von der Betriebsgröße." Bisher galt dies nur, wenn beide Betriebe maximal 249 Beschäftigte hatten. Die Übernahmeprämie liegt bei 3.000 Euro pro Auszubildenden. Die Bundesregierung reagiert damit auf die anhaltende Corona-Krise und auf die bisher verhaltene Nachfrage.

ZDH-Präsident Hans-Peter Wollseifer begrüßt die Nachbesserungen: Sie bringen "deutliche Verbesserungen für unsere ausbildenden Handwerksbetriebe und geben damit ein wichtiges Signal der Wertschätzung des Ausbildungsengagements unter den durch Corona erschwerten Bedingungen", sagte er. Bisher seien die Fördervoraussetzungen sehr restriktiv gewesen, weshalb auch nur wenige Handwerksbetriebe von der Ausbildungsprämie Gebrauch machen konnten. "Richtigerweise ist der Zeitraum, in dem Umsatzeinbrüche geltend gemacht werden können, ausgeweitet worden", betonte er. Auch sei der förderrelevante Umsatzeinbruch niedriger angesetzt worden. "Das lässt erwarten, dass künftig mehr ausbildende Handwerksbetreibe diese so wichtige Unterstützung ihrer Ausbildungsleistung erhalten", fügte er hinzu. Hier die Änderungen im Einzelnen:

Zugangsvoraussetzungen gelockert: Umsatzschwellen niedriger

Künftig sollen kleine und mittlere Unternehmen mit einer Ausbildungsprämie beziehungsweise mit einer Ausbildungsprämie plus gefördert werden, wenn sie Umsatzeinbußen von durchschnittlich mindestens 50 Prozent innerhalb von zwei zusammenhängenden Monaten zwischen April und Dezember 2020 nachweisen können. Als alternatives Kriterium nennen die Ministerien Einbußen in fünf zusammenhängenden Monaten von durchschnittlich mindestens 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bisher war die Ausbildungsprämie nur für Betriebe vorgesehen, die in den Monaten April und Mai 2020 einen Umsatzeinbruch von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr nachweisen konnten. Wie bisher soll es eine Ausbildungsprämie von 2.000 Euro pro Lehrling geben, wenn ein von der Corona-Krise betroffener Betrieb Auszubildende im bisherigen Umfang einstellt. Für jeden zusätzlichen Lehrling (Ausbildungsprämie plus) gibt es 3.000 Euro.

Viele Fristen ausgedehnt

Antragsberechtig sollen daneben Unternehmen sein, in denen es im Laufe dieses Jahres mindestens in einem Monat Kurzarbeit gegeben hat. Bisher war diese Fördervoraussetzung auf das erste Halbjahr beschränkt. Darüber hinaus sollen jetzt auch Ausbildungen einbezogen werden, die vom 24. Juni bis zum 31. Juli 2020 begonnen haben. Bisher galt der 1. August als Stichtag. Auch bei Übernahmen aus insolventen Betrieben sollen jetzt bis 30. Juni 2021 gefördert werden. Bisher sollte dies nur bis zum Jahresende gelten. Daneben werden die Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung zur Vermeidung von Kurzarbeit – bei Auszubildenden und ihren Ausbildern – bis Juni 2021 bezahlt. Alle Anträge können innerhalb von drei Monaten nach erfolgreich bestandener Probezeit bei den Agenturen für Arbeit gestellt werden. Anträge, die bisher abgelehnt wurden, aber jetzt die Fördervoraussetzungen erfüllen, können nochmals gestellt werden, heißt es beim Handwerksverband.

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