Kolumne Ausbildung: Wie setzt sich der Prüfungsausschuss zusammen?

Die Ausbildung im Handwerk endet mit einer Abschlussprüfung. Abgenommen wird die vom Prüfungsausschuss. Arbeitgeber, Ausbilder, Lehrkraft an der Berufsschule – wer darf Teil des Prüfungsausschusses sein und wie werden die Mitglieder gewählt? Ausbildungsberater Peter Braune gibt Antworten.

Sind die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten ausreichend oder nicht? Darüber entscheidet bei der Abschlussprüfung des Auszubildenden der Prüfungsausschuss. - © oatawa - stock.adobe.com

"Ich habe nicht versagt, die Prüferinnen und Prüfer kannten nur meine Antworten nicht." Soweit die Theorie von einigen Lehrlingen, aber ganz schnell zur Praxis:

Für die Abnahme der Abschlussprüfung errichtet die Handwerkskammer die nötige Anzahl an Prüfungsausschüssen. Sie sind als Organe in das Organisationsgefüge eingebunden und an alle rechtlichen Grundlagen gebunden. Zu beachten sind insbesondere die Handwerksordnung, Prüfungsordnung, Anforderungen aus der Ausbildungsordnung und der Gleichbehandlungsgrundsatz.

Wer sind die Mitglieder des Prüfungsausschusses?

Die Mitglieder der Prüfungsausschüsse sind sachkundig und für die Mitwirkung im Prüfungswesen geeignet. Sachkundig ist in der Regel, wer die beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse besitzt und die Leistung der Prüflinge über die Breite des Berufsbildes beurteilen kann. Im Regelfall sind die Mitglieder auch Ausbilderinnen und Ausbilder in einem Handwerksbetrieb. Prüfen dürfen nur berufene Personen.

Dem Prüfungsausschuss gehören als Mitglieder bestimmte Personengruppen an. Das sind, in gleicher Zahl, für die zulassungspflichtigen Handwerke die Arbeitgeber oder Betriebsleitungen und die Arbeitnehmer sowie für die zulassungsfreien Handwerke oder handwerksähnlichen Gewerbe die Beauftragten der Arbeitgeber und Beschäftigten. Hinzu kommt mindestens eine Lehrkraft einer berufsbildenden Schule. Mindestens zwei Drittel der Gesamtzahl gehört einem zulassungspflichtigen oder zulassungsfreien Handwerk an. Die Mitglieder haben eine Stellvertretung. Die Personen werden längstens für fünf Jahre berufen oder gewählt.

Wer wählt die Mitglieder?

Die Mitglieder werden von der Handwerkskammer berufen. Die Arbeitnehmer und die Beauftragten der Beschäftigten werden auf Vorschlag der Mehrheit der Gesellenvertretung berufen. Das geschieht in der Vollversammlung der Handwerkskammer. Die Vorschläge der Gewerkschaften werden in der Regel berücksichtigt. Die Lehrkräfte der berufsbildenden Schulen sind im Einvernehmen mit der Schulaufsichtsbehörde oder der von ihr bestimmten Stelle berufen.

Ohne Prüfer keine Berufsausbildung, das wäre sonst wie ein Fußballspiel ohne einen Schiedsrichter. Die Prüferinnen und Prüfer ermitteln und bewerten die Prüfungsleistungen und entscheiden verbindlich über die Prüfungsergebnisse. Der Prüfungsausschuss ist bei der Bewertung der Prüfungsleistung fachlich unabhängig und nur an Recht und Gesetz gebunden. Die Geschäftsführung ist ihm gegenüber nicht weisungsbefugt.

Welche Fähigkeiten muss ein Prüfer mitbringen?

Die duale Berufsausbildung stellt die Versorgung der Volkswirtschaft mit dringend benötigten Fachkräften sicher, die über theoretisches Wissen und betriebspraktische Erfahrung verfügen. Doch ohne die Prüfungsausschüsse können die nötigen Prüfungen nicht abgenommen werden. Die Meisterin oder der Meister sollte sich der Verantwortung für die Ausbildung der Lehrlinge bewusst sein. Dazu gehört auch, den ehrenamtlichen Einsatz möglich zu machen.

Berufen wird, wer sich für diese Aufgabe berufen fühlt und dafür auch geeignet ist. Die fachkundigen Menschen gewährleisten, dass die Qualitätsstandards eingehalten und alle Anforderungen an den Beruf praxisgerecht geprüft werden. Hier ist praktisches Wissen aus dem Berufsalltag und theoretischer Background gefragt.

Um die Aufgaben erfüllen zu können, bedarf es neben fachlichen auch sozialen Kompetenzen, zum Beispiel Urteilsvermögen, der Fähigkeit, sich in andere Menschen hinein zu versetzen, menschlicher Reife und pädagogisches Gespür. Prüfungsausschussmitglieder werden auf ihre Tätigkeit gut vorbereitet.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.