Flüchtlinge ausbilden und beschäftigen -

Fördermittel und Unterstützung Ausbildung von Geflüchteten: Jede Hilfe ist willkommen

Geringe Sprachkenntnisse und fehlende Qualifikationen sind die größten Hürden in der Beschäftigung oder Ausbildung von Geflüchteten. Sie ganz ohne Hilfe von Außen in die deutsche Arbeitswelt zu integrieren, ist schwierig. Unternehmer können aber auf finanzielle und organisatorische Hilfen zurückgreifen. Ein Wegweiser durch den Förderdschungel.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Flüchtlinge ausbilden und beschäftigen

Die Sprache ist die größte Hürde auf dem Weg zur Integration von Geflüchteten in die Arbeit. Fehlende oder nicht verwertbare Qualifikationen, Betreuungspflichten gegenüber Kindern und Angehörigen sowie die Unkenntnis von Rollenvorstellungen, Sitten und Gebräuchen in Deutschland verhindern ebenfalls einen reibungslosen Übergang in die hiesige Arbeitswelt. Das zeigen die Einschätzungen von rund 1.000 Beschäftigten in Arbeitsagenturen und Jobcentern, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für eine Studie online befragt hat.

Förderprogramme für die Integration

Es gibt zahlreiche Förderprogramme und Initiativen, die dabei helfen, Geflüchtete auf die Arbeitswelt in Deutschland vorzubereiten und sie und ihre Arbeitgeber auf dem Weg zu begleiten.

Sämtliche Programme des Bundes und der Länder sind auf der Plattform "überaus“ gelistet. Auch bei der Bundesagentur für Arbeit sind nützliche Informationen hinterlegt. Die hier folgende Liste greift wichtige Programme auf, ist aber nicht abschließend.

Sprachförderung

Prüfungsvorbereitung für Flüchtlinge

Die betriebliche Ausbildung läuft gut, aber ob der Azubi die Prüfungen bestehen wird, ist noch nicht klar? Viele Unternehmer machen in der Ausbildung Geflüchteter diese Erfahrung.

Das Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge bietet ein kostenloses Webinar zur Frage, worauf Unternehmer bei der Prüfungsvorbereitung von Azubis mit Fluchthintergrund zu achten haben. Seminartermin ist Montag, der 16. September 2019 von 11.30 bis 12.30 Uhr. Das Webinar wird aber aufgezeichnet und kann auch nachträglich angesehen werden. Zur Teilnahme wie zum nachträglichen Ansehen müssen sich Interessenten als Teilnehmer im Netzwerk (kostenlos) registrieren.
 
Neben einem Input zum Erkennen von Stolpersteinen in den Prüfungen soll es beim Webinar weitere Tipps und Erfahrungen aus dem Netzwerk und um das Thema Prüfungsvorbereitung geben. Rainer Kuntz, Leiter des Bildungszentrums der Freudenburg Service KG, begleitet das Seminar.
 
Informationen und Anmeldung beim Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge.

Berufsorientierung und -vorbereitung

  • Berufsorientierung für Flüchtlinge (BOF): Bundesbildungsministerium, Bundesagentur für Arbeit und Zentralverband des Deutschen Handwerks unterstützen Geflüchtete bei der Orientierung und Vorbereitung auf eine Arbeit
  • PerjuF-H: Das bis zu sechsmonatige Programm der Bundesagentur für Arbeit (BA) "Perspektiven für junge Flüchtlinge im Handwerk“ informiert über Handwerksberufe und vermittelt berufsbezogene Deutschkenntnisse.
  • BvB: Die berufsvorbereitenden Maßnahmen der BA bereiten 18- bis 24-Jährige auf die Arbeitswelt mit verschiedenen Praktika und Unterricht vor.
  • EQ: Während der bis zu zwölf Monate langen Einstiegsqualifizierung können junge Menschen, die noch nicht reif für eine Ausbildung sind, im betrieblichen Praktikum zur Ausbildungsreife geführt werden, finanziell und durch Nachhilfe gefördert von der BA.

Förderung während der Ausbildung

  • Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH): Das Programm der BA gibt jungen Menschen einzeln oder in Gruppen Nachhilfe und sozialpädagogische Begleitung, wenn sie ohne dies ihre Ausbildung nicht vollenden könnten.
  • Assistierte Ausbildung (AsA): Das Programm geht mit seiner individuellen Förderung weiter als die abH und unterstützt direkt den Betrieb.
  • VerA – Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen: Die Senior-Experten begleiten ehrenamtlich junge Menschen mit Schwierigkeiten in ihrer Ausbildung.
  • Berufsausbildungsbeihilfe (BAB): Diesen Zuschuss zu den Lebenshaltungskosten können Geflüchtete bekommen, wenn es sich um die erste Ausbildung in Deutschland handelt.

Netzwerke und juristische Helfer

  • Refugee Law Clinics Deutschland: Studenten der Rechtswissenschaften sind über diese Plattform in Flüchtlings- und Ausländerrecht geschult und begleiten ehrenamtlich zu Behörden.
  • Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge: Unter dem Dach des Deutschen Industrie- und Handelskammertags gibt es umfassende Infos und die Möglichkeit, Erfahrungen mit Betrieben aller Größen und Branchen auszutauschen.
  • Bleiberecht für Arbeit: Die Initiative von Unternehmern aus Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, dass gut integrierte Geflüchtete mit Arbeit ein Bleiberecht bekommen und hat dafür eine Online-Petition eingerichtet.
  • Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung KOFA wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert und bietet einen eigenen Themenbereich zum Thema Flüchtlinge integrieren. Darin finden Leser gut aufbereitete Hintergrundinformationen und Links zu weiteren Ansprechpartnern.

Gesundheit

  • Trauma: Viele Geflüchtete haben in ihrer Heimat oder auf der Flucht Grausames erlebt und sind davon traumatisiert. Die Broschüre "Wenn das Vergessen nicht gelingt" des Bayerischen Roten Kreuzes informiert über die Posttraumatische Belastungsstörung und nennt Adressen, an die sich Betroffene wenden können.

Berufsanerkennung

  • Menschen, die ihre berufliche Qualifikation im Ausland erworben haben und in Deutschland in ihrem Beruf arbeiten möchten, können ein Anerkennungsverfahren durchlaufen. Hierfür gibt es unter bestimmten Umständen einen Anerkennungszuschuss.
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