Kolumne Ausbilden mit Plan: So bringen Sie Struktur in die Ausbildung

„Eine klar strukturierte Ausbildung erleichtert es insbesondere den lernschwachen Auszubildenden ein hohes Maß an Aufmerksamkeit durchzuhalten“, schreibt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner aktuellen Kolumne – und erklärt, wie Ausbilder den roten Faden beibehalten.

Der rote Faden in der Ausbildung. - © beeboys - stock.adobe.com

Von Gastautor Peter Braune

Die wichtigsten Qualitätsmerkmale einer Berufsausbildung sind transparente Leistungserwartungen, eine sinnstiftende Kommunikation, die vorbereitete Umgebung, ein lernförderndes Klima, das individuelle Fördern, das intelligente Üben, die Methodenvielfalt, die echten Lernzeiten, die inhaltliche Klarheit und eine klare Strukturierung.

Die Ausbildung ist dann klar strukturiert, wenn im Handwerksbetrieb die Führung durch die Lehre reibungslos klappt und ein roter Faden durch die Ausbildungszeit führt. Er muss für alle Beteiligten gut erkennbar sein. Ich zitiere hier gerne unseren großen Goethe, der in den „Wahlverwandtschaften“ schreibt: „Wir hören von einer besonderen Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze hindurchgeht, den man nicht herauswinden kann ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören.“

Methode und Lernziel müssen zusammenpassen

Der rote Faden bezieht sich auf die methodisch-didaktische Linienführung. Zwischen den Lernzielen aus dem betrieblichen Ausbildungsplan, den geeigneten Tätigkeiten und den Methoden muss ein Zusammenhang bestehen. Die gewählte Methode und das Lernziel müssen zusammenpassen. Wer mit den Auszubildenden ein Projekt bei einem Kunden machen will, muss auch dafür sorgen, dass sie in der Gruppe arbeiten können. Es gibt gewisse Spielräume, aber keine Beliebigkeit. Am Ende der Ausbildungszeit müssen, so wie es im Berufsausbildungsvertrag vereinbart wurde, alle Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt sein. Die jungen Leute können dann selbstverständlich auch selbständig Planen, die Arbeit ausführen und das Ergebnis kontrollieren. Die Reihenfolge muss stimmen. Der zweite Schritt der Ausbildung ergibt sich aus dem ersten. Was dabei richtig oder falsch ist, das hängt von den Beteiligten und der Lernumgebung ab. Ein ganz wichtiger Punkt ist die Ergebnissicherung, die Lernerfolgskontrolle nach jedem Lernziel.

Aufgaben müssen klar sein

Die Aufgabenklarheit ist daran erkennbar, dass die Auszubildenden wissen was angesagt ist. Das können sie aber nur, wenn sie den Zusammenhang dem Lernziel, dem Arbeitsauftrag und der Methode verstehen. Sie kann dadurch gesichert werden, indem der Ausbilder die Auszubildenden an den persönlichen Überlegungen beteiligt.

Regeln müssen vereinbart werden

Die Regelklarheit sorgt für die Verlässlichkeit der Arbeitsbeziehungen. Die Ausbilderin und der Ausbilder tragen die Verantwortung dafür, dass die Regeln vereinbart und eingehalten werden. Das bedeutet nicht, dass sie für alles alleine die Verantwortung tragen. Die Gesamtverantwortung für das Ausbildungsverhältnis haben immer die Ausbildenden, die den Berufsausbildungsvertrag unterschrieben haben. Wünschenswert ist eine schrittweise Übernahme der Verantwortung durch die Auszubildenden.

Eine Rollenklarheit bedeutet, dass die im Verlauf einer Unterweisung notwendigen Rollen, durch die Beteiligten erkannt, eingehalten und durchgehalten werden. Das sind vor allem die traditionellen Rollen des Ausbilders und der Auszubildenden. Das kann auch die Moderatorenrolle, die Organisationsrolle oder die der kritischen Freunde in einem Fachgespräch sein.

Methodische Linienführung

Eine Lenkungslinie ist erkennbar, wenn die Schulung mit einem gewissen Übergewicht der vortragenden Person beginnt und mit der großen Beteiligung der Auszubildenden endet. Es kann auch umgekehrt von der Selbständigkeit eines Auszubildenden ausgehen und zur Ergebnissicherung durch den Ausbilder führen. Bei der Vertrautheitslinie führen die Ausbilder vom Vertrauten zum Fremden oder umgekehrt.

Die Gefühlslinie kann von einer ganzheitlichen Einbindung der Auszubildenden in ein Thema zu einer begrifflichen Klärung voranschreiten oder umgekehrt. Bei der Abstraktionslinie führt der Weg vom Abstrakten zum Konkreten oder umgekehrt. In der Komplexitätslinie verläuft die Linienführung vom Einfachen zum Konkreten oder umgekehrt.

Eine Rollenunklarheit entsteht vor allem dann, wenn der Ausbilder eine Aktivität entfaltet, die nicht zu dem Lernziel und der gewählten Unterweisungsmethode passt. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn wiederholt in eine Gruppenarbeit eingegriffen wird oder wenn eine Unterweisung immer wieder in einen Vortag wechselt.

Diese Merkmale sprechen für eine strukturierte Ausbildung

Ob die Ausbildung klar strukturiert ist, kann an verschiedenen Merkmalen beobachtet werden. Alle Beteiligten sollten verständlich sprechen, die Rollen beachten, konsequent die Ankündigungen einhalten, eine klare Aufgabenstellung geben, die Ausbildungsschritte sicherstellen und die aktiven Lernzeiten sichern. Eine klare Linie kann bei den Auszubildenden mehrere Effekte auslösen. Sie sind jederzeit in der Lage zu erläutern, was sie tun und welches Ziel sie dabei verfolgen. Es fällt ihnen leicht, sich an die getroffenen Absprachen zu halten und die Grenzen sind bekannt. Sie sind bereit sich helfen zu lassen und gehen ein Bündnis mit dem Ausbilder ein. Der Umfang der Störungen ist gering. Der Anteil der echten Lernzeit ist hoch. Es geht ruhig zu und niemand wird hektisch. Es gibt nur wenige und sachlich erläuterte Planungskorrekturen. Eine klar strukturierte Ausbildung erleichtert es insbesondere den lernschwachen Auszubildenden ein hohes Maß an Aufmerksamkeit durchzuhalten.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.