Kolumne Ausbilden mit Konzept: Der Führungsstil entscheidet

Wie Azubis mit ihren Ausbilderinnen und Ausbildern klarkommen, bestimmt mit über den Erfolg der Ausbildung. Dabei sollten die für die Azubis Verantwortlichen einen Führungsstil mit Konzept entwickeln. Besonders wichtig ist es, Vorbild zu sein, rät Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Kolumne.

Guter Führungsstil: Azubi mit Ausbilder
Die Führungsaufgabe der Ausbilderinnen und Ausbilder besteht in der Lehrzeit darin, den Lehrlingen respektvoll und mit Verständnis zu begegnen sowie gleichzeitig die Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten aus dem betrieblichen Ausbildungsplan zu vermitteln. - © jörn buchheim - stock.adobe.com

Für die Lehrlinge beginnt nach der Schulzeit eine völlig neue Lebenssituation. Bisher wurden sie, im Klassenverbund, von einem Alleinunterhalter oder einer Alleinunterhalterin betreut. Nun sollen sie, in einem Lehrbetrieb, unabhängig werden, auf den eigenen Füßen stehen und sich persönlich weiterentwickeln. Es ist davon auszugehen, dass sie ein starkes Interesse an ihrer Ausbildung haben.

Die Führungsaufgabe der Ausbilderinnen und Ausbilder besteht in der Lehrzeit darin, den Lehrlingen respektvoll und mit Verständnis zu begegnen sowie gleichzeitig die Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten aus dem betrieblichen Ausbildungsplan zu vermitteln. Im Verlauf der Lehrzeit sollten sie auf ein angemessenes Maß zwischen der Bindung an den Lehrbetrieb und ihrer Unabhängigkeit zu achten.

Ausbilden mit Konzept: Azubis reagieren auf Führungsfehler

Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, welches Beispiel im Betrieb, aus einer kleinen Auswahl häufiger Führungsfehler, auf die an der Ausbildung beteiligten Menschen zutrifft.

Die Lehrlinge …

  • haben keine Person für ein vertrauliches Gespräch.
  • erhalten keine Aufgaben, die zu ihrer Entwicklung beitragen.
  • sind zu häufig alleine gelassen.
  • bekommen den Sinn einer Tätigkeit nicht erklärt.
  • werden bei Meinungsverschiedenheiten nicht angehört.
  • können sich nicht an der Gestaltung der Lehre beteiligen.                                 
  • wissen, ohne klare Regeln und Verbindlichkeit, nicht wo es langgeht.
  • hoffen vergeblich auf Unterstützung und Hilfe.
  • werden immer sofort verdächtigt, wenn etwas schiefging.
  • sind ständig überwacht und ihre Leistungsfähigkeit wird unterschätzt.
  • verlieren den direkten Bezug und Kontakt zu anderen Beschäftigten.
  • werden nicht durch hilfreiche Rückmeldungen gefördert.
  • können sich nicht als Teil der Mannschaft fühlen.
  • werden nicht wertgeschätzt, weil gute Leistungen selbstverständlich sind.

Um diese Fehler zu vermeiden, liegt eine wichtige Eigenschaft der ausbildenden Person im Zuhören. Im Normalfall schätzen die Lehrlinge im Betrieb Menschen, an denen sie sich orientieren können. Daher gilt für die Ausbildungsverantwortlichen, dass sie einen klaren Standpunkt haben, ein offenes Wort pflegen, keine taktischen Spielchen treiben und sich die erforderliche Zeit nehmen. Der Vertrauensaufbau beginnt am ersten Tag der Lehrzeit.

Gegenseitiger Respekt für ein Ausbilden mit Konzept

Manchmal ist es erforderlich, dass die Führungskräfte sich den Respekt der Lehrlinge erarbeiten müssen. Hierfür sollten sie nicht nur fachlich glänzen, sondern vor allem die menschlichen Fähigkeiten, wie das Einfühlungsvermögen, die Kommunikationsfähigkeit und Motivationsfähigkeit einbringen. Des Weiteren sollten sie bereit sein, aus der Sicht der Jugendlichen, die Sachverhalte und Hintergründe zu erklären, damit den Tätigkeiten einen Sinn geben und sie an einem Verlauf, der zu einer Entscheidung führt, teilhaben lassen.

Im Verlauf der Lehrzeit ist viel Verantwortung zu tragen. Das klappt meist ganz gut, wenn bei der Führung ein paar Eckpunkte berücksichtigt werden. Gefragt sind hier vor allem Verständnis, Toleranz, Vertrauen, Fairness, Einfühlungsvermögen, Menschlichkeit, Motivation, Anerkennung von Leistungen, die Fähigkeit mit Konflikten umgehen zu können und Freude an der Arbeit mit jungen Menschen.

Respekt kommt nicht durch einen Titel

Wer Lehrlinge ausbildet muss, immer wieder in sich gehen und überlegen, was die Gründe für den mangelnden Respekt und das mangelnde Anerkennen von betrieblichen Hierarchien sein könnte, denn viele junge Menschen haben ein anderes Verständnis. Respekt vor einer Person zu haben, die diesen nur aufgrund eines Titels hat, wie zum Beispiel einem Meistertitel, das ist nicht erstrebenswert.

Es gilt, so manche lieb gewordene Gewohnheit oder Verhaltensweise abzuschütteln. Natürlich muss sich die Meisterin nicht nach der aktuellen Mode kleiden, mit der ihr weiblicher Lehrling am Morgen im Betrieb erscheint. Auch der Meister muss nicht dem Verein beitreten, in dem die neuste Trendsportart angeboten wird, für die sich sein Lehrling seit einigen Wochen begeistert. Für beide wäre aber sicher sinnvoll, diese Entwicklungen zu kennen, um die Bedürfnisse und Anforderungen der jungen Leute zu erkennen.

Das gilt zum Beispiel auch für das angemessene Verhältnis von Arbeitszeit und Freizeit oder die Flexibilität der betrieblichen Ausbildungszeiten.

Erfolgreicher Führungsstil: Azubis wieder motivieren können

Im Verlauf der Lehrzeit kann es passieren, dass bei den Lehrlingen ein gewisser Motivationsmangel erkennbar wird. Hier gilt es, mit dem Führungsverhalten und Feingefühl, die Motivation bis zum erfolgreichen Abschluss der Lehre aufrechtzuerhalten.

Wenn es im Verlauf der Lehrzeit zu Streitigkeiten kommt, wird diese Situation oft ein zum Prüfstein guter Führung. Gilt es hier doch häufig, die Ansprüche des Betriebes, der Kundschaft und der Lehrlinge abzuwägen. Fürsorge und Macht müssen in ein angemessenes Verhältnis gebracht werden.

Welchen Führungsstil man anwendet, hängt davon ab, was die Betreffenden unter Führung verstehen. Wer sich mit diesem Thema tiefer befasst wird eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Formen und Beschreibungen entdecken. Oft übernimmt das Ausbildungspersonal die Führungstechnik, die im Betrieb üblich ist. Management by-Konzepte beschreiben auf welche Weise Führung im Betrieb umgesetzt werden kann. Drei typische Führungstechniken sind:

  • Management by Objectives: Führen durch Zielvereinbarungen
  • Management by Exception: Führen nach dem Ausnahmeprinzip
  • Management by Delegation: Führen durch Übertragung von Kompetenzen

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.