Ein Autounfall 2006 warf Schreinermeister Michael Bauer aus der Bahn – und brachte seinen damals siebenjährigen Sohn Anton dazu, aus ein paar Brettern und Infrarotlichtern eine Sauna für den Vater zu zimmern. Die Idee ließ Anton und seine Brüder Ludwig und Simon nicht los – heute produziert ihr Familienbetrieb bis zu 100 Saunen pro Monat. Was die drei auf diesem Weg gelernt haben – über Wachstum, Betriebsübernahme und juristische Fallstricke.

Er hatte immer alles im Griff. Alleinverdiener, Vater von neun Kindern, mit seiner Schreinerei in Dorfen in Bayern hatte sich Michael Bauer längst einen Namen gemacht. Mit drei Mitarbeitern baute er Terrassen, Türen und Tische. Hochwertiger Innenausbau im exklusiven Bereich. Dann der Schlag in die Magengrube. Bauers Familie erinnert sich noch genau an den Tag, als sie die Nachricht von dem Unfall erreichte. "Auf einmal war alles anders."
2006 warf Michael Bauer ein Autounfall aus der Bahn. Die Energie, die der Schreinermeister einst in seine Arbeit gesteckt hatte, schwand, und sein Betrieb geriet in Schieflage.
Einer seiner fünf Jungs hatte eine Idee, wie er dem Papa helfen konnte. "In einem kleinen Separee hat der Anton die Sauna zamzimmert", erinnert sich Simon Bauer an den Versuch seines damals siebenjährigen kleinen Bruders, aus ein paar Brettern und Infrarotlichtern ein Wellnessprodukt zu bauen. "Unser Vater hatte keine Perspektive mehr", sagt der 34-jährige gelernte Schreiner. "Jetzt hat er wieder Ziele. Er hat wieder Bock auf Bergsteigen mit den Kindern und den Enkeln. Bock aufs Leben." Sein älterer Bruder Ludwig Bauer nickt ihm zu: "Auf einmal war die Idee vom Anton die Substanz des Ganzen."
Eine kindliche Idee wird zum Geschäftsmodell
Jahre vergingen, und Ludwig, Simon und Anton ließ die Idee mit der Sauna nicht los. "Sicher zehn Jahre Recherchemodus", erinnert sich Ludwig an die Zeit, die geprägt war von Gesprächen mit Ärzten und Gesundheitsexperten. Neues Wissen ließ aus dem kindlichen Wunsch, dem Papa zu helfen, ein Geschäftsmodell entstehen. Aus einem Brett mit Infrarotlichtern entwickelten sie eine Infrarotkabine mit mehreren integrierten Therapiemaßnahmen, darunter Salz-, Klang- oder Aromatherapie.
Heute sitzen die Brüder im holzverkleideten Pausenraum ihrer eigenen Werkstatt in Erding. Maschinensurren und Schleifgeräusche dröhnen aus dem Produktions- und Bankraum am Rand der altbayerischen Herzogstadt, in denen die Mitarbeiter am Freitag noch bis zum Mittag biegen, schrauben und schleifen. Dort produzieren heute zehn Schreiner und zwei Elektrotechniker ein Produkt, das nicht nur den Vater regenerierte, sondern einen ganzen Betrieb.
Zwölf Jahre sollte es dauern, bis die erste fertige Sauna für Papa Michael stand. Zwölf Jahre, in denen sich die Brüder eine Frage stellten: Was machen die Reichen und Schönen für ihre Gesundheit? Gemeinsamer Nenner: die Sauna. "Im Kern geht es darum, das Energielevel zu steigern", sagt Anton. Stress reduzieren, die Schlafqualität erhöhen. Beim Saunieren schwitze der Körper die Giftstoffe aus, die über die Haut aus der Umwelt in ihn gelangt seien. "Dem Körper das wegnehmen, was ihm schadet und ihm das geben, was er braucht", sagt Ludwig.
Das Ursprungsmodell für den Vater, eine eierförmige Fasssauna für zwei Personen, verkaufen die Brüder heute als "Classic Sauna". Sie entwickelten sie immer weiter, bis mit der Zeit die "Genesis Sauna" zu ihrem Flaggschiffprodukt wurde. Mit App-Steuerung, sieben Therapiemaßnahmen und ohne Aufheizzeit. "Du schaltest ein und der Spaß geht los", sagt Simon. Ein erster Prototyp steht noch in der Produktionshalle, provisorisch bekleidet mit Pressspanplatten, wo sonst bayerische Fichte, Zirbe oder Mondholz verwendet wird. Eine fertige Version dieser Sauna steht in einem Münchener Headquarter, wo die Brüder auf rund 600 Quadratmetern Kunden betreuen und ihr Produkt weiterentwickeln.

Betriebsübergabe zwischen Zahlen und Emotionen
Doch während die Sauna Form annahm, verlor der Betrieb von Papa Michael an Kraft. Die Schreinerei lief bis 2018 noch nebenher, aber gleichzeitig wurde den Brüdern klar: Mit der Sauna ließ sich ein echtes Geschäft aufbauen. 2022 meldeten sie ein Patent an. Und standen damit vor der entscheidenden Frage: alte Wände sanieren oder ein neues Haus bauen? Simon sieht zuerst Anton an, der ihm gegenübersitzt, dann Ludwig: "Unser Dad hat alles für uns gegeben." Anton setzt sich aufrecht hin: "Wir wollten sein Lebenswerk weitertragen."
Doch vorgefertigte Strukturen, Kredite und alte Verträge machten es den Brüdern zuerst nicht leicht. "So eine Übernahme ist ein enormes Ding", sagt Simon. Ein Jahr habe es gebraucht, bis die Brüder den Betrieb des Vaters voll verstanden haben. "Und das mit professioneller Begleitung", sagt Ludwig. "Der ganze bürokratische Bums." Simon schaltet sich ein, da war noch etwas: "Die Zahlen sind das eine. Was man aber auch mitnehmen muss, ist das Gefühl. Das Menschliche. Ein Gründer gibt sein Lebenswerk ab." Anton setzt nach: "20 Jahre Lebensgeschichte." Ein Jahr lang begleitete eine Testamentsvollstreckerin ihre Eltern durch diesen emotionalen Prozess. "Ich glaub, von denen gibt es keine zehn auf der Welt. Sie war wie ein professionelles Seelencoaching."
"Wir haben trotzdem alles einmal auf links gedreht", sagt Anton. "Für mi ist es jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis die Halleluja Sauna in den Köpfen der ganzen Welt ist." Das Ziel: "Wir wollen die beste Sauna der Welt bauen", sagt Simon.
Der Erfolg zeigt sich schon jetzt: "Allein im letzten Jahr haben wir uns in allem verzehnfacht", überschlägt Ludwig Umsatz und Mitarbeiterzahl. Mit dem Kauf einer CNC-Maschine erhöhten sie die Kapazität von 35 auf 100 Saunen pro Monat. Die Werkstatt in Dorfen wurde zu klein, deshalb zogen die Jungs Anfang des Jahres mit ihr an den Stadtrand von Erding. Bestellungen kommen sogar aus dem Ausland, neben dem Hauptgeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz gingen Produkte nach Dubai oder Paraguay und zu ihren Kunden zählen die Brüder inzwischen Profisportler aus dem Eishockey oder Fußball.
Mitarbeiter Sepp ist seit 1999 dabei
Während Ludwig, ursprünglich gelernter Spengler, heute im Marketing mitwirkt, übernehmen die beiden ehemaligen Schreiner Simon und Anton die Produktentwicklung, den Verkauf und das Personalmanagement. Sogar zwei weitere Brüder verdienen mit im Betrieb, einer in der Forschung und Entwicklung, der andere im Vertrieb. Wer seit Anfang blieb, ist Sepp, der seit 1999 für den Vater Michael arbeitete, und bis heute in der Schreinerei anpackt.
Wachsendes Geschäft, wachsende Verantwortung
Aber je steiler es nach oben geht, sagt Ludwig, desto mehr sinkt die Lebensqualität. "Weil die Verantwortung so rapide steigt", sagt Anton. Simon richtet sich auf und erzählt von einem Kunden, der mit der Sauna seine Neurodermitis in den Griff bekam. Die Brüder veröffentlichten ein Reel darüber. Doch das hatte Folgen: "Enorme, negative Berichterstattung", sagt Ludwig. "Da haben wir viel gelernt", sagt Simon wieder. "Wir können halt nicht hergehen und sagen: Kauf dir eine Sauna und dann wachst dir a zwoat’s Hirn. Wir waren frech, wir waren begeistert und haben eins zu eins die Erfolgsgeschichten unserer Kunden weitererzählt. Ohne zu prüfen, ob man das juristisch überhaupt darf."
Keine Kompromisse beim Holz
Ob die Idee mit der Sauna Michael Bauer gleich gefiel? "Ne!", rufen die Brüder im Chor und lachen laut los. "Das hat sich entwickelt", sagt Simon. Bis dahin, dass er heute auf Veranstaltungen von seinen eigenen Erfahrungen mit der Halleluja-Sauna berichtet. Und davon, was sie inzwischen für sein Leben bedeutet: eine tägliche Erholungsroutine.
Wenn er heute wöchentlich durch die Werkstatt wandert, genießt Michael Bauer den warmen, süßen Duft der naturbelassenen Bretter, die sich zwischen Schraubzwingen und Schleifpapierbögen stapeln. So unbehandelt wie möglich soll das Holz sein – und genauso belassen werden. Unnötige oder fragwürdige Klebstoffe: tabu. Lasierungen und Öle kommen nur naturbelassen zum Einsatz. "Wir kaufen ausschließlich und immer das beste Holz ein", betont Anton. "Vom Perfekten das Extreme", sagt Ludwig. "Unser Vater war immerhin selbst Holzchirurg", wirft Simon ein, alle drei lachen.
Geschäftlich kann er nicht mehr mitmischen, sagt Anton. "Wenn du unserem Dad sagst: Papa, wir brauchen eine Webseite, sagt er: Nee, wir müssen in die Schreinerei fahren und etwas produzieren", sagt Simon. Hat er aber Einwände, wissen die Jungs: "Der Dad kommt immer mit Erfahrung. Egal wie alt du bist oder wie viel Umsatz du machst."
14 Uhr, zwei Monteure kommen von ihrer zweitägigen Tour durch die Schweiz und Österreich zurück. Für Kunden sind sie die eigentlichen Helden, sagt Simon, wenn sie nach zwei, vier oder auch mal sechs Monaten anrücken und die bestellte Sauna aufbauen.
"Halleluja" ist in Bayern ursprünglich ein Jubelschrei, mittlerweile dient er den Brüdern als Markenname für ihren Betrieb. "Man ist mit der Gesamtsituation zufrieden", fasst Anton die Bedeutung des Ausrufs zusammen, und die Brüder lachen. Für Simon das Gefühl nach dem Saunagang: "Halleluja, i fühl mi wie neu geboren!"