Integration "Aus der Ukraine kommen Menschen, die was draufhaben"

Geflüchtete aus der Ukraine können schnell in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden, sagt Handwerks­präsident Hans Peter Wollseifer. Beschäftigungspotenzial sieht er etwa im Lebensmittelhandwerk.

Verkäuferinnen in Bäckereien und Fleischereien werden händeringend gesucht. Geflüchtete aus der Ukraine könnten diese Lücken füllen, meint Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. - © Виктория Котлярчук - stock.adobe.com

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer geht davon aus, dass viele aus der Ukraine geflüchtete Menschen schnell in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden können. "Aus der Ukraine kommen Menschen, die was draufhaben. Und die können wir gut gebrauchen", sagte Wollseifer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Nach den bisherigen Erfahrungen mit bereits in Deutschland tätigen Ukrainern sei das Ausbildungsniveau "sehr gut". "Wo etwas fehlt, können wir in unseren 600 handwerklichen Bildungszentren nachqualifizieren", sagte Wollseifer. Arbeit sei ein zentraler Bestandteil von Integration. "Und das Handwerk steht bereit, zu helfen."

"Derzeit kommen vor allem Frauen, und auch die bekommen wir sehr schnell in den Arbeitsmarkt integriert, wenn die Kinder in Kitas und Schulen gehen", sagte Wollseifer. "Ich denke an unsere Lebensmittelhandwerke, wo Verkäuferinnen in Bäckereien und Fleischereien händeringend gesucht werden. Und auch in anderen Branchen fehlt Personal."

Gewerkschaft warnt vor prekärer Beschäftigung

Gewerkschafter warnen indes vor schlechten Arbeitsbedingungen für aus der Ukraine geflüchtete Menschen im deutschen Arbeitsmarkt. "Wichtig ist, dass die Geflüchteten mit Blick auf ihre Qualifikation nicht automatisch in prekärer Beschäftigung landen", sagte Anja Piel, Vorstandsmitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund ebenfalls dem RND. "Keinesfalls dürfen sie dort Lückenbüßer werden, wo wegen schlechter Bedingungen keine inländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten wollen."

DGB: "Abschlüsse und Qualifikationen zügig anerkennen"

Auf seiner Website listet der DGB Fragen und Antworten zur Integration von geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern in den deutschen Arbeitsmarkt auf. Darin heißt es: "Denn Lücken gibt es vor allem dort, wo die Löhne niedrig und die Arbeitsbedingungen schlecht sind, beispielsweise in der Pflege und der Gastronomie."

Zudem fordert der Gewerkschaftsbund darin, dass die Bundesregierung den Zugang zu Sprachkursen gewährleisten müsse. Auch sollten berufliche Abschlüsse und Qualifikationen zügig und unkompliziert anerkannt werden.

Initiativen, um Geflüchtete und Arbeitgeber zusammenzubringen

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat zusammen mit anderen Spitzenverbänden die Initiative #WirtschaftHilft an den Start gebracht. Unter www.WirtschaftHilft.info informieren die Verbände unter anderem darüber, wie Geflüchtete gut in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten. Dabei geht es etwa um Informationen zum Aufenthalts- und Arbeitsrecht, zur Arbeitsvermittlung oder zum Sozialversicherungsrechts sowie zu Förderinstrumenten.

Darüber hinaus haben sich mehrere Initiativen gebildet, die Geflüchtete aus der Ukraine und Arbeitgeber kostenlos zusammenbringen wollen. Eine davon ist "Job Aid Ukraine". Betriebe können auf der Webseite vorhandene und neue Stellenangebote einstellen. Das Portal präsentiert diese sortiert nach Regionen und Kenntnissen in ukrainischer Sprache. Geflüchtete ihrerseits können ihre Vita und Unterlagen hinterlegen und die für sie in Frage kommenden Jobangebote auswählen. dpa/fre