Aufmerksamkeit und Konzentration sind wichtige Fähigkeiten für eine erfolgreiche Ausbildung. Doch nicht alle Azubis bringen sie zum Start der Ausbildung mit. Tipps, wie man Aufmerksamkeit trainieren kann, gibt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Kolumne.

Die Aufmerksamkeit ist eine Fähigkeit der Lehrlinge, einen wichtigen Reiz zu erkennen, um sich dann darauf zu konzentrieren, alles umzusetzen, was damit im Zusammenhang steht. Diese Fähigkeit ist sehr wichtig und wird während der gesamten Lehrzeit stets gebraucht. Unter anderem müssen sie sich zum Beispiel bei einer Unterweisung auf eine Person konzentrieren oder über einen längeren Zeitraum auf eine Tätigkeit. Das müssen sie auch trotz einer Ablenkung können.
Möglicherweise wird die Aufmerksamkeit abwechselnd auf mehrere Reize gelenkt oder es werden unterschiedliche gleichzeitig wahrgenommen. Das kann mit dem richtigen Training gestärkt und verbessert werden. Die Ausbilderinnen oder Ausbilder versuchen, die Lehrlinge schrittweise an einen Punkt zu führen, von dem an sie sich immer länger konzentrieren können. Es ist zum Beispiel möglich, ohne Ablenkung einen Text zu lesen und mit der Zeit immer mehr Seiten und oder einer längeren Videoschulung aufmerksam zu folgen.
Um die Aufmerksamkeit zu steigern, sollten die Verantwortlichen auch darauf hinwirken, dass die Lehrlinge ausreichend Schlaf bekommen, sich ausgewogen ernähren und auf ihre geistige Gesundheit achten.
Aufmerksamkeit trainieren: Tipps für Ausbilder
Aufmerksames Handeln ist jedoch auch eine Fähigkeit, die von einem Ausbilder erwartet wird. Dies gilt sowohl für die Vermittlung der im betrieblichen Ausbildungsplan vorgesehenen Kenntnisse und Fertigkeiten als auch für die persönliche Entwicklung und das Wohlbefinden der Auszubildenden. Daher gehört zu den Pflichten der Ausbildenden dafür zu sorgen, dass die Lehrlinge charakterlich gefördert sowie sittlich und körperlich nicht gefährdet werden.
Hierzu ein kleines Beispiel: In einem großen Autohaus mit Kraftfahrzeugwerkstatt werden auch drei Kaufleute für Büromanagement ausgebildet. Sie führen unter anderem organisatorische und kaufmännisch-verwaltende Tätigkeiten aus, erledigen den Schriftverkehr, entwerfen Präsentationen, beschaffen Büromaterial, planen und überwachen Termine, bereiten Sitzungen vor oder kaufen externe Dienstleistungen ein. Zudem betreuen sie die Kundschaft, wirken an der Auftragsabwicklung mit, schreiben die Rechnungen und überwachen die Zahlungseingänge.
Die Büroleiterin ist gleichzeitig auch nebenberufliche Ausbilderin. Sie bildet die Lehrlinge direkt am Arbeitsplatz aus. Das umfasst auch die Vermittlung von Arbeitsplatzerfahrungen. Sie entwickelte sich im Verlauf der Jahre zu einer erfahrenen Ausbilderin. Für die Lehrlinge ist sie auch eine Vertrauensperson.
In letzter Zeit wird sie darauf aufmerksam, dass eine junge Frau aus der Lehrlingsgruppe immer öfter Kopf- und Magenschmerzen hat, niedergeschlagen wirkt und schon früh am Tag erschöpft ist. Bei ihr entwickelt sich eine abnehmende Leistungsfähigkeit.
Probleme mit der Konzentration: Stress oder Psyche als Ursache?
Die Ausbilderin hat den Verdacht, dass es sich vielleicht um seelische oder psychische Probleme handeln könnte. Dass Mobbing oder Stress im Betrieb die Ursache sein könnten, schließt sie aus. Sie informiert sich und findet eine Analyse der DAK, wonach junge Frauen häufiger wegen Depressionen oder anderen psychischen Leiden krankgeschrieben sind als ihre männlichen Kollegen. Auszubildende haben im Schnitt zwar mehr Krankheitsfälle wegen psychischer Erkrankungen als ihre älteren Kollegen zwischen 25 und 34 Jahren. Insgesamt sind sie wegen dieser Diagnosen aber kürzer krankgeschrieben.
Die Ausbildung ist ein wichtiger Zeitraum im Leben der jungen Menschen, in der sie neue Anforderungen meistern müssen. Außerdem sind sie noch in ihrer Entwicklung. Das ist für viele eine starke psychische Belastung. Empfohlen werden sportliche Aktivitäten, um besonders für die sitzenden Tätigkeiten einen Ausgleich zu schaffen. Auch eine gute Arbeitsorganisation ist hilfreich.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.