Wettbewerb "Erfolgsfaktor Familie 2012" Auf Montage und Zeit für die Familie

Es geht auch anders: Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, erfordert zwar ein Umdenken sowohl bei den Arbeitgebern als auch bei den Arbeitnehmern. Durch flexiblere Arbeitszeitmodelle lassen sich jedoch viele Probleme umgehen. Ein Handwerksbetrieb hat das nun vorgemacht und dafür von Kanzlerin Merkel einen Sonderpreis des Wettbewerbs "Erfolgsfaktor Familie 2012" bekommen.

Jana Tashina Wörrle

Das Bauunternehmen Krieger + Schramm aus Dingelstädt hat den Sonderpreis "Familienbewusste Arbeitszeiten" in der Kategorie "Kleine Unternehmen" gewonnen. Bei der Preisverleihung waren auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks dabei. Matthias Krieger, Geschäftsführer des Bauunternehmens nahm den Preis entgegen. - © Ingo Heine

Frauen und Männer, Beruf und Familie, Karriere und Kinder – Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Politik und Gesellschaft streiten über das eine richtige Lebensmodell für jeden Einzelnen. Doch im Ausschlussverfahren kommt man dabei nicht weiter. Wenn sich alle ein wenig umstellen und die festgefahrenen Denkmuster einmal links liegen lassen, ist Platz für neue Wege und flexible Modelle, die ein Arbeits- und Familienleben miteinander vereinbaren lassen. Und dabei bleiben familienfreundliche Arbeitsmodelle nicht den großen Unternehmen vorbehalten.

Vereinbarkeit statt Ausschlussverfahren

Das Bauunternehmen Krieger und Schramm aus Thüringen hat nun vorgemacht, wie Beruf und Familie im Handwerk ganz einfach miteinander in eine "Balance" gebracht werden können, wie es Betriebsinhaber Matthias Krieger schwärmerisch bezeichnet. Bei ihm klappt es und deshalb wurde er gestern von Angela Merkel für sein besonderes Arbeitszeitkonzept mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

"Ich habe die Bitte, die gesamte Karriereplanung etwas flexibler zu sehen, als das bisher gemacht wird", sagte Merkel bei der Preisverleihung des Wettbewerbs "Erfolgsfaktor Familie 2012", bei dem sie als Schirmherrin jährlich besonders familienfreundliche Unternehmen auszeichnet. Dabei wies sie darauf hin, dass rechtliche Regelungen nicht immer der beste Weg zu mehr Familienfreundlichkeit seien. Stattdessen bedürfe es Unternehmen, die freiwillig mit gutem Beispiel vorangehen.

In der aktuellen Diskussion um das Betreuungsgeld, um fehlende Kinderbetreuungsplätze und einen immer stärker werdenden Fachkräftemangel ist es zwar schwer mit guter Familienpolitik zu punkten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist und bleibt aber ein Thema, was alle Gemüter bewegt.

"Dieses Herdgeld halte ich für Quatsch", sagt auch Matthias Krieger. "Wir haben doch so gute Kindergärten mit qualifizierten Leuten und außerdem kommen solche Zahlungen doch den Kindern selbst gar nicht zugute", erklärt der Inhaber einer Baufirma. Er setzt sich in seiner Firma deshalb selbst dafür ein, dass die Mitarbeiter einerseits genug Zeit für die Familie haben und andererseits übernimmt er für jedes Kind seiner Angestellten die Kinderbetreuungskosten.

Talente erkennen und richtig einsetzen

Den Sonderpreis des Wettbewerbs bekam er für sein besonders flexibles Arbeitszeitkonzept, dass er jedem seiner 70 Mitarbeiter – egal ob im Büro oder auf dem Bau – anbietet. "Wenn wir jemanden einstellen, dann sprechen wir erst einmal über seine eigenen Vorstellungen von der Arbeit und über seiner Talente", erklärt Krieger. "Wir schauen, wie viel er arbeiten und wie er die Zeit aufteilen möchte." So sei es möglich, dass manche 20 Wochenstunden, 30 Wochenstunden oder eben Vollzeit arbeiten. Und da viele seiner Mitarbeiter auf größeren Baustellen und deshalb viel unterwegs sind, können sich diese die Zeit auch so einteilen, dass sie alle Stunden in einer Vier-Tage-Woche unterbringen und dann ein langes Wochenende bei der Familie haben.

Das als besonders familienfeindlich geltende Prinzip der Montagearbeit wird so also sogar familienfreundlich umgestaltet. Doch für Matthias Krieger ist das alles nur eine "Selbstverständlichkeit". "Für mich gehört das zu einer Unternehmensstrategie dazu, die den Menschen in den Vordergrund stellt und damit auch große Erfolge hat", erzählt der 49-jährige Bauingenieur, der sich intensiv mit verschiedenen Personalführungskonzepten beschäftigt hat und so seine eigene Methode entwickelt hat, gemeinsam mit den Mitarbeitern Ziele zu entwickeln, die letztlich sowohl jedem einzelnen als auch dem Unternehmen selbst zugutekommen. Krieger hat darüber sogar ein Buch geschrieben, mit dem er seine Erfahrungen erfolgreich an Kollegen weitergibt und so noch auf anderem Weg zum Vorbild wird.

Familie, Freunde und die Firma

"Für mich ist es wichtig, dass alle Spaß bei der Arbeit haben, dass sie sich wohlfühlen und eben auch die Familie nicht zu kurz kommt", sagt er erst ganz uneigennützig. Doch natürlich zählen auch bei ihm in der Firma die Leistung und der Erfolg. "Wir sind ja hier nicht im Schlaraffenland", sagt Krieger und freut sich darüber, dass er mit seinem familienfreundlichen Konzept nicht nur die Jury des Wettbewerbs überzeugen konnte, sondern auch im eigenen Betrieb sehr erfolgreich ist. Von Fachkräftemangel, schlechten Umsätzen oder dem "großen Jammertal", das viele andere Firmen immer wieder durchleben würden, ist er nach eigenen Angaben weit entfernt.

Er nennt es die acht F's, die in einem Unternehmen übereinstimmen müssen, damit die Lebensbalance eines jeden Mitarbeiters so ausgerichtet sei, dass sowohl Mitarbeiter als auch Chef profitieren: Friede, Freude, Freunde, Familie, Firma, Finanzen, Fortbildung und Fitness.

Doch Krieger ist nicht der einzige, der für seine familienfreundlichen Leistungen von der Bundeskanzlerin ausgezeichnet wurde. Insgesamt 532 Bewerbungen sind in diesem Jahr beim Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie" eingegangen und wurden von der Fachjury bewertet. Gewonnen haben dabei unter anderem in der Kategorie "Große Unternehmen" die Robert Bosch GmbH aus Gerlingen, die Aareon AG aus Mainz in der Kategorie der mittleren Unternehmen und bei den kleinen Unternehmen die Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungssozietät Döcker Wigger Lührmann aus Rheine. Dazu gab es wie für Krieger und Schramm verschiedene Sonderpreise.

Präsenzkultur hemmt Familienplanung

"Familienfreundlichkeit ist Trumpf" benennt die Bundeskanzlerin das Motto, das von diesen guten Unternehmensvorbildern ausgeht. Die Familie dürfe in der Arbeitswelt nicht weiter "als Störfaktor gelten", sondern müsse als "Teil des Lebens anerkannt werden", mahnte Merkel. In der aktuellen Diskussion um das Betreuungsgeld wirbt sie jedoch nicht für die Arbeitswelt, sondern – genau wie Bundesfamilienministerin Schröder für mehr Wahlfreiheit. Das Betreuungsgeld ermögliche einer Familie, die staatliche Leistung Kinderbetreuung in Anspruch zu nehmen, oder mit Unterstützung des Staates daheim für kleine Kinder zu sorgen, betonte die CDU-Vorsitzende.

Schröder, die auch bei der Preisverleihung dabei war sprach sich ebenfalls für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und gegen die vorherrschende Präsenzkultur in den Unternehmen aus. Leistung dürfe "nicht nach Präsenz am Arbeitsplatz, sondern nach Erfolg beurteilt werden", sagte die Ministerin. Schröder kündigte an, die Elternzeit flexibler als bisher ausgestalten zu wollen. Danach soll es künftig möglich sein, diese in den ersten vierzehn Lebensjahren des Kindes zu nehmen und nach Wunsch aufzuteilen. Auch solle es künftig einen Anspruch für Eltern nach der Elternzeit auf die Wiederaufstockung auf Vollzeit geben.