Geldanlage Auf diese Kennzahlen sollten Sie bei Aktien achten

Bei jeder Aktie gibt es unterschiedliche Meinungen, ob und zu welchem Kurs sie gekauft oder verkauft werden sollte. Ein Grund sind die vielen Kennzahlen. Je nachdem, welche man auswählt, kann eine Aktien "teuer" oder "preiswert" sein. Die Kunst besteht darin, die irreführenden von den wirklich entscheidenden Kennzahlen zu trennen.

Die Kunst bei Aktien besteht darin, die irreführenden von den wirklich entscheidenden Kennzahlen zu trennen. - © Björn Wylezich - stock.adobe.com

Kennzahlen bei Aktien: KGV

Ein Beispiel für eine der bekanntesten und gleichzeitig oft irreführenden Kennzahlen ist das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis). Die Bewertung einer Aktie anhand des KGV erscheint überzeugend: Je niedriger das KGV, umso billiger ist eine Aktie. Der Pferdefuß dabei: Billig ist nicht gleich preiswert. Betrachtet man das KGV isoliert, ist seine Aussagekraft sehr begrenzt. So berücksichtigt das KGV keine Schulden, Pensionslasten und Aktienrückkäufe des Unternehmens. Das kann den Wert einer Firma sehr verzerren.Deshalb ist ein niedriges KGV ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Marktteilnehmer mehrheitlich davon ausgehen, dass der Gewinn des Unternehmens in den nächsten Jahren eher nicht wachsen wird.

Wir haben festgestellt, dass es beim Kurs-Gewinn Verhältnis sinnvoll ist, die KGVs auf Basis der Gewinne von drei bis vier Jahren zu betrachten. Manche Unternehmen, die heute noch teuer erscheinen, aber eine gute Firmenentwicklung erwarten lassen, können aufgrund der gestiegenen Gewinne in drei Jahren ausgesprochen günstig sein.

Kennzahlen bei Aktien: Dividendenrendite

Bei der Dividendenrendite gilt: Je höher die Dividende, desto mehr Ertrag erhalte ich für mein investiertes Geld. Deshalb suchen viele Privatanleger ganz gezielt Unternehmen heraus, die eine hohe Dividendenrendite aufweisen.

Auch hier ist Vorsicht geboten: Gerade bei Unternehmen, die eine besonders hohe Dividendenrendite aufweisen, ist diese oft nicht nachhaltig. Nicht selten muss das Unternehmen die Dividenden in den folgenden Jahren deutlich kürzen. Als Ergebnis bricht in solch einem Fall der Aktienkurs ein. Zudem kann eine Dividende aus der Substanz des Unternehmens ausgeschüttet werden.

Wenn man einen Aktienindex nach Dividendenrenditen sortiert und die Unternehmen in Zehnereinheiten unterteilt, ist häufig das dritte und vierte Zehntel am erfolgreichsten. Die Dividenden in diesem Bereich sind etwas niedriger, dafür häufig nachhaltiger.

Diese Kennzahlen sollten Anleger außerdem kennen:

Return on Capital Employed (ROCE): Die Kennzahl misst, wie effektiv ein Unternehmen sein Kapital einsetzt. Je höher die Rendite ist, desto besser geht das Unternehmen mit seinem Geld um.

EBITDA-Marge: Als Faustregel gilt: Eine EBITDA-Marge oberhalb von 25 Prozent ist ein Hinweis darauf, dass das Unternehmen sehr rentabel ist und die Marktmacht hat, die Preise durchzusetzen, die seine Erträge sichern.

Umsatz- und Gewinnwachstum der vergangenen zehn Jahre: Dieser Wert gibt an, ob das Unternehmen nachhaltig wachsen kann. Gut positionierte Unternehmen sollten in der Lage sein, jährlich mindestens zehn Prozent zu wachsen.

Zum Autor: Helge Müller ist Chief-Investment-Officer der Genève Invest in Genf und Luxemburg.