Zahl der Berufskrankheiten nimmt zu Arbeitssicherheit: Weniger Arbeitsunfälle, mehr Wegeunfälle

Arbeiten in Deutschland wird immer sicherer. Laut der Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ist die Zahl der Arbeitsunfälle 2015 gesunken, obwohl mehr Menschen in Arbeit waren. Weniger positiv ist die Bilanz für Wegeunfälle und Berufskrankheiten. Die genauen Zahlen.

Es ist schnell passiert: 2015 haben sich in Deutschland 866.056 meldepflichtige Arbeitsunfälle ereignet. Das sind 1,3 Prozent weniger als noch im Vorjahr. - © Waler/Fotolia.com

Insgesamt ist die Bilanz für das Jahr 2015 positiv, meldet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) angesichtsder Zahlen aus den Geschäfts- und Rechnungsergebnissender Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

Obwohl 2015 mehr gearbeitet wurde, nämlich 1,5 Prozent mehr Arbeitsstunden als 2014, ist die Zahlder meldepflichtigen Arbeitsunfälle pro einer Million Arbeitsstunden gesunken: um fast zwei Prozent auf 14, oder in Zahlen: 866.056 Arbeitsunfälle (2014: 869.817). Das sind rund 21,9 meldepflichtige Arbeitsunfälle je 1.000 Vollarbeiter, 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. 470 Menschen starben infolge eines Arbeitsunfalls, 13 weniger als im Vorjahr, allerdings 15 mehr als 2013. Der noch im April erwartete Negativrekord ist damit nicht geschafft.

Vor zwanzig Jahren doppelt so viele Arbeitsunfälle

Im Langzeitvergleich fällt die Bilanz trotzdem sehr gut aus: "Nur zum Vergleich: Vor zwanzig Jahren geschahen je Arbeitsstunde noch etwa doppelt so viele Unfälle wie heute. Dieser konstante Rückgang ist bemerkenswert", sagt Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführerder DGUV. "Die Arbeitsbedingungen in Deutschland werden immer sicherer. Dafür spricht auch die Tendenz, dass nicht nur die Zahlder meldepflichtigen, sondern auch dieder schweren Unfälle abnimmt."

Weniger positiv ist die Bilanz bei den Wegeunfällen. Auf dem Weg zur Arbeit oder von dort nach Hause kam es 2015 zu 179.181 Unfällen, ein Anstieg um 2,84 Prozent. 348 Menschen starben dabei, das sind 26 mehr als im Vorjahr.

Zunahme bei angezeigten Berufskrankheiten

Auch die Zahlder Berufskrankheiten hat 2015 zugenommen. Von den 76.991 Anzeigen (+ 7,4 Prozent) auf Verdacht auf eine Berufskrankheit bestätigte sich in 37.149 Fällen dieser Verdacht. 5.049 Betroffene bekamen einen neue Rente bewilligt. 2.409 Menschen starben infolge einer Berufskrankheit, 48 weniger als im Vorjahr.

Die Zunahme an Berufskrankheiten hängt auch mit neu aufgenommenen Krankheiten zusammen. Erst seit dem 1. Januar 2015 steht beispielsweiseder weiße Hautkrebs durch UV-Strahlung aufder Berufskrankheitenliste. Seither erhielten Berufsgenossenschaften und Unfallkassen bereits 5.531 Verdachtsanzeigen. "Volkskrankheiten wieder weiße Hautkrebs stellen uns vor besondere Herausforderungen", so Breuer. Weitere "neue" Berufskrankheiten sind:

  • das Carpaltunnel-Syndrom
  • das Hypothenar-Hammer-Syndrom
  • der Kehlkopfkrebs durch Exposition gegenüber Schwefelsäuredämpfen

Unfälle inder Schule

Zur Statistikder DGUV gehören auch die Schul- und Schulwegunfälle. Bei den Unfällen inder Schule sank die Zahl um 3,03 Prozent auf 1.244.577 Fälle. Auf dem Schulweg blieb die Zahlder Unfälle fast konstant: Sie stieg um 0,2 Prozent auf 110.200.

Insgesamt 61 Schüler kamen inder Bildungseinrichtung oder auf dem Weg dorthin ums Leben. Das sind 19 mehr als im Vorjahr. Zu ihnen zählen die 16 beim Absturzder Germanwings-Maschine Verunglückten.

Hintergrund: Meldepflicht von Unfällen

Inder allgemeinen Unfallversicherung sind Arbeits- und Wegeunfälle meldepflichtig, wenn sie zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder zum Tode führen. Inder Schüler-Unfallversicherung besteht Meldepflicht, wenn ein Schul- oder Schulwegunfall eine ärztliche Behandlung notwendig macht oder zum Tod führt. dhz / bir/bst