Alle Berufskrankheiten im Überblick Berufskrankheiten: Liste wächst um drei Krankheiten

Die Liste der anerkannten Berufskrankheiten wächst. Künftig gelten drei weitere Krankheiten als Berufskrakheiten. Welche das sind, was sich damit ändert und was wichtig zum Thema Berufskrankheiten ist.

Die Liste der Berufskrankheiten ist lang. Seit Anfang 2015 können vier weitere Krankheiten anerkannt werden. - © vladans/Fotolia.com

Künftig zählt die Liste der Berufskrankheiten in Deutschland 80 Krankheiten. Nach der Empfehlung des Ärztliche Sachverständigenrats "Berufskrankheiten“ beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat der Bundesrat einer Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung zugestimmt und drei weitere Krankheiten in den Kanon aufgenommen.

Schon vorher Wie-Berufskrankheiten

  • Leukämie durch Butadien,
  • Harnblasenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und
  • fokale Dystonie. 
Außerdem wurden zwei bereits bestehende Berufskrankheiten um weitere Formen erweitert:
  • Die Berufskrankheit Nummer 4113 ( Lungenkrebs durch PAK) um die Erkrankung Kehlkopfkrebs und
  • Berufskrankheit Nummer 4104 ( Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs in Verbindung mit Asbest) um Eierstockkrebs.

Alle fünf Erkrankungen konnten aufgrund der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Begründungen des Ärztlichen Sachverständigenbeirats bereits vor der Änderung der Verordnung als so genannte Wie-Berufskrankheiten anerkannt werden.

Neue Berufskrankheiten betreffen unterschiedliche Berufsgruppen

Während mit dem Gas Butadien in erster Linie Chemiearbeiter zu tun haben, können Handwerker im Laufe ihres Berufslebens durchaus mit PAK in Kontakt kommen. Diese entstehen, wenn Kohlenstoffverbindungen unvollständig verbrannt werden. Aus dem Handwerk können also Schornsteinfeger oder Beschäftigte aus Metallbranchen betroffen sein. Damit die Krebserkrankungen als Berufskrankheit" anerkannt werden, ist eine bestimmte Dosis-Wirkung-Beziehung Voraussetzung.

Die fokale Dystonie betrifft ausschließlich Berufsmusiker, die über lange Jahre stereotype, feinmotorische Bewegungen ausgeführt haben.

Parallel zu den vier neuen Empfehlungen hat der Sachverständigenbeirat eine Stellungnahme zur Berufskrankheit Nr. 1301 "Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch aromatische Amine“ publiziert.

Von Interesse könnte dies für Friseure sein, die vor 1977 mit den Stoffen über permanente Haarfärbemittel in Kontakt kamen.

Beschäftigte, die den Verdacht haben, dass ihre Erkrankung auf eine arbeitsbedingte Ursache zurückgeht, sollten fachmedizinischen oder arbeitsmedizinischen Rat einholen. Wenn ein begründeter Verdacht für eine Berufskrankheit besteht, geht die Meldung an den zuständigen Unfallversicherungsträger.

Eine solche "Verdachtsanzeige" können auch der Arbeitgeber, die Krankenversicherung oder der Versicherte sel bst stellen.

Kausaler Zusammenhang zwischen Berufskrankheit und Arbeit

Handwerksberufe sind oft körperlich anstrengend und viele Handwerker haben ein höheres Risiko für bestimmte Krankheiten. Jedoch ist nicht jede Krankheit, von der man meint, sie komme von der Arbeit, automatisch eine Berufskrankrankheit.

Die Krankheiten müssen in der Berufskrankheitenliste offiziell genannt sein und es muss einen "kausalen Zusammenhang" geben zwischen der Erkrankung und der Arbeit des Betroffenen. In vielen Fällen - gerade bei Bandscheibenschäden - ist dieser Zusammenhang nur schwer nachzuweisen, weil auch Menschen in Bürojobs vergleichbare Rückenschäden aufweisen.

Welche Berufskrankheiten noch in der Liste stehen, haben wir im Folgenden zusammengestellt.

Durch chemische Entwicklungen verursachte Krankheiten

Metalle und Metalloide

  • Erkrankungen durch Blei oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Quecksilber oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Chrom oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Cadmium oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Mangan oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Thallium oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Vanadiumoder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Arsen oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Phosphor oder seine organischen Verbindungen
  • Erkrankungen durch Beryllium oder seine Verbindungen

Erstickungsgase

  • Erkrankungen durch Kohlenmonoxid
  • Erkrankungen durch Schwefelwasserstoff

Lösemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) und sonstige
chemische Stoffe

  • Schleimhautveränderung, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch aromatische Amine
  • Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe
  • Erkrankungen durch Benzol, seine Homologe oder durch Styrol
  • Erkrankungen durch Nitro- oder Aminoverbindungen des Benzols oder seiner Homologe oder ihrer Abkömmlinge
  • Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff
  • Erkrankungen durch Methlyalkohol (Methanol)
  • Erkrankungen durch organische Phosphorverbindungen
  • Erkrankungen durch Fluor oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen durch Salpetersäureester
  • Erkrankungen durch halogenierte Alkyl-, Aryl- oder Alkylaryloxide
  • Erkrankungen durch halogenierte Alkyl-, Aryl- oder Alkylarylsulfide
  • Erkrankungen der Zähne durch Säuren
  • Hornhautschädigungen des Auges durch Benzochinon
  • Erkrankungen durch para-tertiär-Butylphenol
  • Erkrankungen durch Isocyanate, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Erkrankungen der Leber durch Dimethylformamid
  • Polyneuropathie oder Enzephalopathie durch organische Lösungsmittel oder deren Gemische
  • Erkrankungen des Blutes, des blutbildenden und des lymphatischen Systems durch Benzol
  • Larynxkarzinom durch intensive und mehrjährige Exposition gegenüber schwefelsäurehaltigen Aerosolen

Zu den Nummern 1101 bis 1110, 1201 und 1202, 1303 bis 1309 und 1315: Ausgenommen sind Hauterkrankungen. Diese gelten als Krankheiten im Sinne dieser Anlage nur insoweit, als sie Erscheinungen einer Allgemeinerkrankung sind, die durch Aufnahme der schädigenden Stoffe in den Körper verursacht werden, oder gemäß Nummer 5101 zu entschädigen sind.

Durch physikalische Einwirkungen verursachte Krankheiten

Mechanische Einwirkungen

  • Erkrankungen der Sehnenscheiden oder des Sehnengleitgewebes sowie der Sehnen- oder Muskelansätze, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Meniskusschäden nach mehrjährigen andauernden oder häufig wiederkehrenden, die Kniegelenke überdurchschnittlich belastenden Tätigkeiten
  • Erkrankungen durch Erschütterung bei Arbeit mit Druckluftwerkzeugen oder gleichartig wirkenden Werkzeugen oder Maschinen
  • Vibrationsbedingte Durchblutungsstörungen an den Händen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Chronische Erkrankungen der Schleimbeutel durch ständigen Druck
  • Druckschädigung der Nerven
  • Abrißbrüche der Wirbelfortsätze
  • Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjähriges Heben oder Tragen schwerer Lasten oder durch langjährige Tätigkeiten in extremer Rumpfbeugehaltung, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Halswirbelsäule durch langjähriges Tragen schwerer Lasten auf der Schulter, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjährige, vorwiegend vertikale Einwirkung von Ganzkörperschwingungen im Sitzen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Erhöhte Zahnabrasionen durch mehrjährige quarzstaubbelastende Tätigkeit
  • Gonarthrose durch eine Tätigkeit im Knien oder vergleichbarer Kniebelastung mit einer kumulativen Einwirkungsdauer während des Arbeitslebens von mindestens 13 000 Stundenund einer Mindesteinwirkungsdauer von insgesamt einer Stunde pro Schicht
  • Druckschädigung des Nervus medianus im Carpaltunnel (Carpaltunnel- Syndrom) durch repetitive manuelle Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen
  • Gefäßschädigung der Hand durch stoßartige Krafteinwirkung (Hypothenar-Hammer-Syndrom und Thenar-Hammer-Syndrom)

Druckluft

  • Erkrankungen durch Arbeit in Druckluft

Lärm

  • Lärmschwerhörigkeit

Strahlen

  • Grauer Star durch Wärmestrahlunng
  • Erkrankungen durch ionisierende Strahlen

Durch Infektionserreger oder Parasiten verursachte Krankheiten sowie Tropenkrankheiten

  • Infektionskrankheiten, wenn der Versicherte im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war
  • Von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten
  • Wurmkrankheit der Bergleute, verursacht durch Ankylostoma duodenale oder Strongyloides stercoralis
  • Tropenkrankheiten, Fleckfieber

Erkrankungen der Atemwege und der Lungen, des Rippenfells und Bauchfells

Erkrankungen durch anorganische Stäube

  • Quarzstaublungenerkrankung (Silikose)
  • Quarzstaublungenerkrankung in Verbindung mit aktiver Lungentuberkulose (Siliko-Tuberkulose)
  • Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankungen der Pleura
  • Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs
in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose)
in Verbindung mit durch Asbeststaub verursachter Erkrankung der Pleura oder bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaub-Dosis am Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren {25 x 106 [(Fasern/m³) x Jahre]}
  • Durch Asbest verursachtes Mesotheliom des Rippenfells, des Bauchfells oder des Perikards
  • Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Aluminium oder seine Verbindungen
  • Erkrankungen an Lungenfibrose durch Metallstäube bei der Herstellung oder Verarbeitung von Hartmetallen
  • Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Thomasmehl (Thomasphosphat)
  • Bösartige Neubildungen der Atemwege und der Lungen durch Nickel oder seine Verbindungen
  • Bösartige Neubildungen der Atemwege und der Lungen durch Kokereirohgase
  • Chronische o bstruktive Bronchitis oder Emphysem von Bergleuten unter Tage im Steinkohlebergbau bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von in der Regel 100 Feinstaubjahren [(mg/m³) x Jahre]
  • Lungenkrebs durch die Einwirkung von kristallinem Siliziumdioxid (SiO2) bei nachgewiesener Quarzstaublungenerkrankung (Silikose oder Siliko-Tuberkulose)
  • Lungenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von mindestens 100 Benzo[a]pyren-Jahren [(µg/m³) x Jahre]
  • Lungenkrebs durch das Zusammenwirken von Asbestfaserstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis, die einer Verursachungswahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent nach der Anlage 2 entspricht 4115 Lungenfibrose durch extreme und langjährige Einwirkung von Schweißrauchen und Schweißgasen (Siderofibrose)

Erkrankungen durch organische Stäube

  • Exogen-allergische Alveolitis
  • Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Rohbaumwoll-, Rohflachs- oder Rohhanfstaub (Byssinose)
  • Adenokarzinome der Nasenhaupt- und Nasennebenhöhlen durch Stäube von Eichen- oder Buchenholz
  • O bstruktive Atemwegserkrankungen
  • Durch allergisierende Stoffe verursachte o bstruktive Atemwegserkrankungen (einschließlich Rhinopathie), die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe verursachte o bstruktive Atemwegserkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

Hautkrankheiten

  • Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können
  • Hautkrebs oder zur Krebsbildung neigende Hautveränderungen durch Ruß, Rohparaffin, Teer, Anthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe
  • Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung

Krankheiten sonstiger Ursache

  • Augenzittern der Bergleute

Seit Anfang 2015 stehen vier Krankheiten neu auf der Liste. Mehr dazu auf Seite 2.

1. Heller Hautkrebs

Welche Berufsgruppen sind gefährdet?

Handwerker, die im Freien arbeiten, sind besonders gefährdet an hellem Hautkrebs zu erkranken. Hierzu zählen zum Beispiel Dachdecker, Zimmerleute, Bauarbeiter und Maurer. Da der helle Hautkrebs erst nach vielen Jahren auftritt, sind in der Regel eher ältere Menschen betroffen, oft Rentner. Schützen müssen sich jedoch auch junge Handwerker, die viel in der Sonne arbeiten.

Ursachen und Symptome des hellen Hautkrebses

Die Hauptursache für hellen Hautkrebs ist UV-Strahlung . Im Gegensatz zum schwarzen Hautkrebs, entsteht er nicht primär durch einen Sonnenbrand, sondern erst nach vielen Jahren Arbeit im Freien.

Heller Hautkrebs tritt in der Regel auf den sogenannten "Sonnenterassen" auf: Kopf, Hals, Dekolleté, Arme, Handrücken und Unterlippe. Er zeigt sich durch rötliche oder braune, raue, schuppende Hautveränderungen. Die Flecken werden einen Millimeter bis zwei Zentimeter groß.

Als Berufskrankheit zählt der helle Hautkrebs, wenn es sich um sogenannte Plattenepithelkarzinome handelt oder wenn Vorstufen, die aktinischen Keratosen, zahlreich oder flächig auftreten. Der behandelnde Hautarztwird die Erkrankung dem zuständigen Unfallversicherungsträger melden, wenn er eine Berufskrankheit vermutet.

Wie kann man hellem Hautkrebs vorbeugen?

Wer an hellem Hautkrebs erkrankt, hat sehr gute Heilungschancen. Die Krankheit verläuft in der Regel nicht tödlich. Trotzdem sollte man sich schützen.

"Bei der Prävention ist erstmal wichtig, die Gefährdung durch die UV-Strahlung und die Entstehung des hellen Hautkrebses an die Unternehmer und die Mitarbeiter zu kommunizieren", sagt Gerald Wanka, Experte für Gesundheitsschutz bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Viele kennen diese Krankheit nicht und ihnen sei nicht bewusst, dass nicht nur ein Sonnenbrand gefährlich ist, so Wanka.

Der Experte hat mehrere Tipps parat, wie sich Handwerker bei der Arbeit im Freien verhalten sollten.

  1. Technische Schutzmaßnahmen: künstlich Schatten erzeugen; wenn möglich nicht direkt in der Sonne arbeiten
  2. Organisatorische Schutzmaßnahmen: Die UV-Strahlung ist in der Mittagszeit am größten. Daher sollten Arbeitszeiten im Freien, wenn möglich, auf früh morgens oder spät abends verlegt werden
  3. Persönlich Schutzmaßnahmen: Sonnenbrille, Kopfschutz und langärmelige Shirts und Hosen verwenden; Sonnencreme sollte nur für Gesicht, Hals und Hände nötig sein

2. Kehlkopfkrebs

Welche Berufsgruppen sind gefährdet?

Von der Berufskrankheit Kehlkopfkrebs durch schwefelsäurehaltige Aerosole können Mitarbeiter betroffen sein, die langjährig mit Schwefelsäure gearbeitet haben. Die Säurewird zum Beispiel bei der Herstellung von Ethanol, zum Beizen von Metallen und für Bleiakkumulatoren benötigt und findet in der Far bstoff, Kunststoff und Sprengindustrie Verwendung. Besonders gefährdet sind Handwerker, die in der Metalloberflächenbehandlung (z.B. Handgalvanik) tätig sind.

Ursachen und Symptome des Kehlkopfkrebses

Kehlkopfkrebs betrifft ein bis zwei Prozent aller bösartigen Tumore in Deutschland. Männer erkranken häufiger daran als Frauen. Er macht sich zum Beispiel durch anhaltende Heiserkeit, Kratzen im Hals, Atembeschwerden oder Schluckstörungen bemerkbar machen. Die Symptome sind unterschiedlich, je nachdem, wo sich der Tumor genau befindet.

Als Ursachen für Kehlkopfkrebs gelten Zigarettenrauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und bestimmte Schadstoffe. Zu ihnen gehören neben Asbeststäuben auch schwefelsäurehaltige Dämpfe. Neu als Berufskrankheit anerkannt werden kann Kehlkopfkrebs, der entsteht, wenn Mitarbeiter mehr als fünf Jahre einer erhöhten Konzentration dieser Dämpfe ausgesetzt sind.

Wie kann man dem Kehlkopfkrebs durch Schwefelsäuredämpfe vorbeugen?

Eine gute Nachricht ist, dass Mitarbeiter nicht gefährdet sind, wenn der gesetzliche Arbeitsplatzgrenzwert für Schwefelsäure in der Luft eingehaltenwird. In jedem Betrieb muss eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen werden. Das heißt, wenn Schwefelsäure nicht durch andere Stoffe ersetzt werden kann, muss geschaut werden, wo im Betrieb schwefelsäurehaltige Dämpfe entstehen und wie die Mitarbeiter geschützt werden können.

Die Schutzmaßnahmen werden aber gerade in kleinen Betrieben oft nicht richtig umgesetzt, darauf weist Dr. Daniela Pucknat, vom Präventionsdienst der Berufsgenossenschaft Holz und Metall hin.

Wichtig sei es, dass die Rangfolge der Schutzmaßnahmen eingehaltenwird. Die technischen Maßnahmen haben Vorrang vor den organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen.

  1. Technische Schutzmaßnahmen: Dazu gehören zum Beispiel geschlossene Anlagen; das „Einhausen“ von Arbeitsbereichen, damit Dämpfe nicht in die Produktionshalle gelangen; das Abdecken von Becken und die Installation einer Absaugung, dort wo die Dämpfe entstehen.
  2. Organisatorische Schutzmaßnahmen schließen z.B. die Unterweisung der Mitarbeiter und das Aushängen einer Betriebsanweisung ein, worin informiertwird, welche Gefährdungen von dem Arbeitsplatz ausgehen und welche Schutzmaßnahmen eingehalten werden müssen.
  3. Persönliche Schutzmaßnahmen wie Schutzkleidung, Handschuhe und Schutzbrillen sind aufgrund der ätzenden Wirkung der Säure notwendig, schützen aber nicht die Atemwege. Atemschutzmasken müssen getragen werden, wenn die Grenzwerte für Schwefelsäure in der Luft überschritten werden. Diese sind aber nur für einen kurzen Zeitraum gedacht und kein Ersatz für eine Absaugung.

Die Mitarbeiter, so Pucknat, können auch durch ihr Verhalten dazu beitragen, dass sie möglichst wenig Schwefelsäuredämpfe einatmen. Beispielsweise sollte darauf geachtet werden, dass die Absaugung eingeschaltet ist, keine unnötigen Schwefelsäureaerosole erzeugt werden (z. B. bei Reinigungsarbeiten) oder sich der Atembereich nicht unmittelbar über der Entstehungsstelle befindet.

3. Carpaltunnel-Syndrom

Welche Berufsgruppen sind gefährdet?

Gefährdet am Carpaltunnel-Syndrom (CTS) zu erkranken sind Arbeiter, die mit ihren Händen täglich über einen langen Zeitraum dieselbe Tätigkeit ausüben. Dies sind zum Beispiel Maurer beim Steine setzen, Fliesenleger, Dachdecker, Gerüstbauer, Bäcker beim Teigkneten oder Friseure. Das Alter spielt nur eine untergeordnete Rolle. Sowohl junge ungeübte Arbeiter können durch die ungewohnten Tätigkeiten überbeansprucht werden, als auch ältere Menschen durch altersbedingte Gewebeveränderungen anfällig werden.

Ursachen und Symptome des Carpaltunnel-Syndroms

Das CTS ist mit A bstand das häufigste Nervenengpasssyndrom. Es entsteht, wenn Nerven der Hand und der Finger im Bereich des Handgelenks durch kurzzeitige oder lang andauernde mechanische Druckeinwirkung geschädigt werden. Als Auslöser der Krankheit gelten drei Tätigkeiten:

  1. sich wiederholende Arbeitsschritte, bei denen der Arbeiter immer wieder seine Hände beugen und strecken muss
  2. erhöhter Kraftaufwand der Hände, z.B. wiederholtes kraftvolles Greifen
  3. Arbeit mit handgeführten vibrierenden Maschinen, Instrumenten

Die Krankheit zeigt sich in der Regel durch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern. Oft schlafen die Finger vom Daumen bis zum Ringfinger ein. Schmerzen treten insbesondere nachts und in Ruhe auf. Wer etwa vier Stunden am Tag dieselbe belastende Handbewegung ausführt und dies über einen Zeitraum von einem Jahr, ist besonders gefährdet an dem Syndrom zu erkranken.

Wie kann man dem Carpaltunnel-Syndrom vorbeugen?

Da es viele Auslöser für das CTS gibt, gibt es auch unterschiedliche Präventionsmaßnahmen. Ulrike Hoehne-Hückstädt, Expertin von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, rät zu einer durchdachten Arbeitsorganisation: "Arbeiter sollten regelmäßige Tätigkeitswechsel planen und zum Beispiel die Pausenzeiten so gestalten, dass keine Überlastung entsteht." Als weitere Tipps empfiehlt sie vibrationsgedämpfte Maschinen mit vibrationsgedämpften Handgriffen, ergonomisch gutes Werkzeug und sorgfältige Auswahl geeigneter, notwendiger Handschuhe.

4. Hypothenar-Hammer-Syndrom und Thenar-Hammer-Syndrom

Welche Berufsgruppen sind gefährdet?

Das Syndrom kann in allen Handwerksberufen auftreten. Gefährdet sind zum Beispiel Dachdecker und Zimmerleute, die ihre Hand als Schlagwerkzeug benutzen, Kfz-Mechaniker, die durch Schläge mit ihrer Hand festsitzende Muttern lösen, Radkappen montieren oder Karosserieteile ausbeulen, Installateure, Schreiner, Fußbodenverleger, Mechaniker und Elektriker.

Ursachen und Symptome des Hypothenar-Hammer-Syndroms und Thenar-Hammer-Syndroms

Das Hypothenar-Hammer-Syndrom und das Thenar-Hammer-Syndrom sind Gefäßschädigungen der Hand durch stoßartige Krafteinwirkung. Da die Symptome erst Monate oder Jahre nach der auslösenden Einwirkung auftreten können, ist es oft schwierig nachzuweisen, welche Tätigkeit genau dafür verantwortlich war. Vor allem zwei Tätigkeiten gelten als Ursache:

  1. wenn die Hand , Handkante oder der Kleinfingerballen als Schlagwerkzeug verwendet wird
  2. bei direkter mechanischer Gewalteinwirkung, zum Beispiel beim Rückstoß einer handgeführten Maschine

Der Verdacht auf eines dieser Syndrome liegt nahe, wenn der Arbeiter nach einem kräftigen Schlag mit der Hand gegen einen Schraubenschlüssel Schmerzen, zunehmendes Kältegefühl und eine Blaufärbung am Ringfinger hat.

Wie kann man den Syndromen vorbeugen?

Die einfachste Präventivmaßnahme ist, laut Hoehne-Hückstädt, seine Hand nicht als "Ersatz-Hammer" einzusetzen , sondern richtiges Werkzeug zu verwenden. Aber auch hier helfen Maschinen mit ergonomischen, weichen Handgriffen und Handschuhe beim Benutzen von Maschinen. jb/sg / bst

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 17. Juli 2017.