Der Arbeitsschutz ist in der Wirtschaftskrise kein Opfer des Rotstifts geworden. Dazu haben vor allem die in den letzten Jahren angehobenen Sicherheitsstandards in den Unternehmen beigetragen.
Arbeitsschutz festes Thema in deutschen Firmen
Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit seien auch international inzwischen vielfach Teil von Zertifizierungen, ohne die qualitätsbewusste Unternehmen heute keine Marktchancen mehr hätten, sagte der Präsident des Messebeirats, Gerd Zeisler, vor Beginn der Internationalen Fachmesse für Arbeitsschutz, Betriebssicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (A+A). Nicht nur vor diesem Hintergrund sei die Erkenntnis, dass etwa persönliche Schutzausrüstung nicht nur ein Kostenfaktor sei, sondern durch besseren Schutz der Mitarbeiter vor allem Kosten senken helfe, in den Betrieben angekommen. Allein in Deutschland sei das Marktvolumen für Schutzausrüstungen zwischen 2004 und 2008 um 16 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro gestiegen.
Die angehobenen Sicherheitsstandards in den Betrieben konnten so Zeisler zufolge die gesunkene Bedeutung der klassischen Arbeitsschutz-Wirtschaftszweige wie Bergbau, Schwer- und Bauindustrie in den vergangenen Jahren ausgleichen helfen. Aber auch die Angst vor den Auswirkungen von Pandemien, Naturkatastrophen oder terroristischen Anschlägen werde der Arbeitsschutz- und Sicherheitsbranche langfristig weitere Wachstumsimpulse bringen.
Doch war der deutliche Rückgang der Zahl der Arbeitsunfälle im ersten Halbjahr in Deutschland vor allem ein Spiegel der Wirtschaftskrise. "Kürzere Arbeitszeiten bedeuten weniger Zeit, in der man einen Unfall haben kann", erläuterte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Joachim Breuer. Nach deren Angaben gab es mit rund 430.000 zehn Prozent weniger meldepflichtige Arbeitsunfälle als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle sank um 43 auf 198.
Dass die volkswirtschaftlichen Folgen betriebsbedingter Arbeitsunfähigkeit in Deutschland weiter immens sind, macht auch die Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi) klar. Sie schätzt, dass rund die Hälfte der Frühverrentungskosten von jährlich 20 Milliarden Euro Folge von Belastungen aus der Arbeit seien. Mehr als 100.000 Personen scheiden pro Jahr aus medizinischen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben aus.
Auch weltweit sehen Arbeitsschutzexperten trotz der erreichten Erfolge noch viel Nachholbedarf. Schätzungen zufolge sind jährlich 270 Millionen Arbeitsunfälle, 160 Millionen Krankheitsfälle und zwei Millionen arbeitsbedingte Todesfälle zu beklagen. In der Folge gingen so rund vier Prozent der Bruttoinlandsprodukte verloren.
Auf der Arbeitsschutzmesse zeigen von Dienstag bis Freitag mehr als 1.500 Aussteller aus 60 Ländern das internationale Angebot an Schutzausrüstungen und Konzepten für mehr Betriebssicherheit. Erwartet werden mehr als 50.000 Fachbesucher. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre statt.
Frank Bretschneider/ddp