Minusgrade im Winter Arbeitsrecht: Kältefrei im Büro oder auf dem Bau?

Hitzefrei kennt jeder, doch was ist mit kältefrei? Mancher Arbeitnehmer stellt sich bei den eiskalten Temperaturen die Frage, ob es eigentlich eine Regelung zur Arbeit bei Minusgraden gibt. Wir liefern die Antwort. Diese Vorschriften gelten im Büro sowie auf der Baustelle.

Hartmut Fischer

Ab wie viel Grad gibt es eigentlich kältefrei im Büro oder auf dem Bau? Der Gesetzesgeber hat hierfür klare Vorschriften. - © Kara - stock.adobe.com

Winter in Deutschland. Die Finger sind gefroren, der Wind bläst eisig und der Zwiebel-Look hat Hochsaison. Draußen möchte nun kaum einer sein. Doch was, wenn die Heizung im Büro ausgefallen ist? Oder der Arbeitsplatz im Freien ist? Handwerker und Büroangestellte stellen sich dieser Tage vermehrt die Frage: Gibt es eigentlich kältefrei im Büro oder auf dem Bau?

Die Antwort lautet: Ja. Ob der Chef kältefrei geben muss, hängt jedoch von der Tätigkeit und dem Arbeitsort des jeweiligen Mitarbeiters ab.

Kältefrei im Büro: Bei diesen Temperaturen dürfen Arbeitnehmer gehen

Wenn die Heizung nicht die volle Leistung bringt, kann es für die Mitarbeiter "kältefrei" geben. Die Räume müssen nach ASR AR 3.5 (Techn. Regel für Arbeitsstätten) entsprechend der Art der Tätigkeit angepasst werden. Diese Grenzwerte gelten:

Arbeit im Sitzen Arbeit im Stehen oder Gehen
Leichte Arbeit (leichte Bewegungen mit der Hand und den Armen vollführt) + 20 Grad + 19 Grad
Mittlere Arbeit (mittelschwere Arm- oder Beinarbeiten) + 19 Grad + 17 Grad
Schwere Arbeit (Schwere Beschäftigungen, die Hände, Arme, Beine oder Rumpf belasten) Keine Angaben + 12 Grad


Wenn Arbeitnehmer wegen der "streikenden Heizung" nach Hause gehen, geht das zu Lasten des Arbeitgebers.

Minusgrade im Winter: Das gilt bei Arbeiten im Freien

Arbeitnehmer, die im Freien tätig sind, haben keine Chance auf kältefrei. Sie müssen ihre Arbeit grundsätzlich bei jedem Wetter und bei jeder Temperatur verrichten. Das heißt aber nicht, dass der Arbeitgeber hier ganz aus der Verantwortung wäre. Er muss dafür sorgen, dass die Mitarbeiter arbeiten können, ohne dabei die eigene Gesundheit zu gefährden (§ 618 BGB in Verbindung mit § 3 Arbeitsstätten-Verordnung). Dazu gehört auch, dass der Arbeitgeber angemessene Schutzkleidung stellen muss. Hierzu gehören beispielsweise Mützen oder Ohrenschützer, Überziehjacken, Handschuhe und Schuhe oder Stiefel. Diese Regelung gilt für den gesetzlich definierten Winter, der vom 1.11. bis 31.03. geht.

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    Wenn das bunt gefärbte Laub unter den Füßen raschelt, schweben Herbstliebhaber auf Wolke 7. Die Blätterpracht birgt allerdings auch Gefahren. Denn: Sobald das Laub nass wird, verwandelt sich das Herbstambiente in ein Unfallrisiko, das nicht unterschätzt werden sollte. Gerade auf mit Laub bedeckten Treppen besteht für Arbeiter erhöhte Rutschgefahr. Dasselbe gilt für Eingangsbereiche, in die der Wind nasses Laub hineingetragen hat. Betriebsinhaber sollten daher versuchen, sowohl Betriebsgelände als auch angrenzende Wege so gut wie möglich vom Laub zu befreien.
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    Sobald die Temperaturen unter 0 Grad wandern, wird der Weg zur Arbeit eine Rutschpartie. Glatteis macht nicht nur Autofahrern sondern auch Fußgängern zu schaffen. Das gilt auch für Wege auf der Arbeit. Viele Unfälle im Herbst und Winter ereignen sich bereits auf dem Firmenparkplatz. Pfützen, die sich in Löchern und Kuhlen gebildet haben, gefrieren über Nacht zu Eis und verwandeln sich so zu einer potenziellen Unfallstelle. Gerade auf Schotterparkplätzen sollten Betriebsinhaber daher versuchen, Löcher zuzuschütten und den Untergrund möglichst eben zu halten.
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    Wer auf dem Weg zur Arbeit durch Regen oder Schnee stapft, trägt Matsch und Feuchtigkeit häufig auch mit ins Büro. Hier lauert im Herbst und Winter eine weitere Unfallgefahr. Denn durch das nasse Schuhwerk bilden sich Pfützen im Gebäude, die vor allem auf Treppen und glatten Böden zum Ausrutschen einladen. Schuhe sollten daher vor Betreten des Gebäudes immer ausreichend abgestreift und -geklopft werden. Gegebenenfalls sollten Mitarbeiter ihre Schuhe auch vor Ort wechseln. Betriebsinhaber sollten dafür sorgen, dass an allen Eingängen große Fußabtreter liegen.
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    Wer im Winter draußen arbeitet, ist erhöhter Unfallgefahr ausgesetzt. Besondere Vorsicht ist bei Arbeiten auf dem Gerüst geboten. Die glatten Bodenplatten verwandeln sich bei Schnee und Regen schnell zu einem rutschigen Untergrund. Arbeiter sollten sich daher äußerst vorsichtig bewegen und zusätzlich sichern. Zudem sollte auf rutschfestes Schuhwerk und passende Schutzausrüstung geachtet werden. Gerüste, Laufstege und Treppen müssen geräumt und gestreut und sichere Verkehrswege sollten nicht verlassen werden.
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    Der Winter wird nicht umsonst die dunkle Jahreszeit genannt. Eine ausreichende Beleuchtung auf dem Betriebsgelände sowie auf der Baustelle ist daher unerlässlich. Stolperfallen oder rutschige Stellen können ansonsten leicht übersehen werden und zu Unfällen führen. Verkehrswege müssen blendfrei mit mindestens 20 Lux ausgeleuchtet werden. Für Arbeitsplätze sind je nach Tätigkeit bis zu 500 Lux erforderlich. Vorhandene Lampen können im Winter schnell einmal verschmutzt oder von Schnee bedeckt sein. Chefs und Mitarbeiter sollten die Leuchtquellen daher regelmäßig prüfen und gegebenenfalls säubern. Steht morgens und abends kein Tageslicht zur Verfügung, ist zudem eine Sicherheitsbeleuchtung mit mindestens 1 Lux erforderlich.
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    Wer die falschen Schuhe trägt, setzt sich einem erhöhten Unfallrisiko aus. Das richtige Schuhwerk kann hingegen Unfälle auf der Arbeit vorbeugen. Gerade im Herbst und Winter ist der Untergrund vielerorts rutschig. Der Chef ist verpflichtet, seinen Mitarbeitern einen den Anforderungen entsprechenden Fußschutz mit rutschfester Sohle bereitzustellen. Je nach Schuhwerk kann sogar die Unfallgefahr durch Umknicken reduziert werden.
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    Keine Unfall-, dafür aber die häufigste Krankheitsursache bei Arbeiten im Freien: Die falsche Kleidung. Besonders im Winter drohen hartnäckige Erkältungen und chronische Krankheiten der Atemwege oder Gelenke. Im Winter ist die richtige Kombination aus Wetterschutzjacke und Hose ist entscheidend - beispielsweise aus Mikrofasern, abgestimmt mit geeigneter Unterkleidung. Die Kleidung soll einen optimalen Luft- und Wärmeaustausch zwischen Körper und Umgebung erlauben. Auch der nötige Kälteschutz für den Kopf ist wichtig, etwa durch einen Helm mit Winterauskleidung.
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    Neben der persönlichen Schutzausrüstung sollten die Unternehmer bei tiefen Temperaturen auch die Arbeit entsprechend organisieren und den Mitarbeitern beispielsweise heiße Getränke und einen Aufwärmraum für die Pausen anbieten. Gestärkt und aufgewärmt verringert sich das Erkältungsrisiko. In den Pausenräumen sollte es laut BG Bau mindestens 21 Grad Celsius warm sein.
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    Vor allem im Winter gilt: Das Betriebsgelände sowie angrenzende Wege sollten unbedingt von Eis und Schnee befreit werden. Damit Unfälle nicht bereits bei den Räumungsarbeiten passieren, gibt es überziehbare Spikes, die an den Schuhen sicher befestigt werden können. Auch auf Baustellen und in der Umgebung von Rohbauten muss der Baubetrieb dafür sorgen, dass gestreut und geräumt wird.

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