Praxistipps Anstellung von Familienmitgliedern: Diese Steuervorteile greifen

Unternehmer, die den Ehegatten, Kinder oder Eltern im Handwerksbetrieb anstellen, haben viele Vorteile. In der Regel sind Familienmitglieder zeitlich flexibler einsetzbar und zum anderen stellen die Zahlungen abziehbare Betriebsausgaben dar, die den Gewinn und damit die Steuerlast drücken.

Formulare und Taschenrechner auf einem Tisch
Um keine Probleme mit dem Finanzamt zu bekommen, empfiehlt es sich, Aufzeichnungen zu führen, welche Aufgaben von den Familienmitgliedern an welchen Tagen in welcher Zeit erfüllt wurden. - © RomanR - stock.adobe.com

Einfachste Form der Anstellung: Minijob

Besonders unkompliziert ist die Anstellung der Familienmitglieder als Minijobber. Das Gehalt darf monatlich maximal 450 Euro betragen (ab 1. Oktober voraussichtlich 520 Euro). Der selbständige Handwerker als Minijobber muss pauschale Abgaben an die Minijobzentrale abführen. Der steuerliche Clou am Minijob: Das Gehalt und die Pauschalen sind als gewinnmindernde Betriebsausgaben zu berücksichtigen. Der Minijobber muss sein Minijobgehalt aber nicht versteuern, weil bereits der Arbeitgeber pauschal zwei Prozent Lohnsteuer abgeführt hat.

Praxis-Tipp: Gute Nachricht: Die Bundesregierung hat die geplante Energiepauschale von 300 Euro für Erwerbstätige ins geplante Steuerentlastungsgesetz 2022 übernommen. Neben Erwerbstätigen mit Lohnsteuerklasse 1 bis 5 und neben Selbstständigen sollen nun neuerdings auch Minijobber von dieser einmaligen Energiepauschale profitieren. Das dürfte jedoch nur für Minijobber gelten, die keinem Hauptberuf nachgehen.

Anstellung mit Lohnsteuerabzug

Ehegatten, Kindern oder andere Familienmitglieder dürfen natürlich auch normal mit Lohnsteuerabzug angestellt werden. Bei Betriebsausgabenabzug ändert sich nichts. Der selbstständige Handwerker darf die Gehälter und seinen Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung gewinnmindernd abziehen. Die angestellten Familienmitglieder müssen ihr Gehalt in der Steuererklärung angeben und versteuern.

Praxis-Tipp: Wird ein Familienmitglied nebenberuflich als Teilzeitkraft mit Lohnsteuerabzug angestellt (also neben einem Hauptberuf), gibt es die geplante Energiepauschale von 300 Euro leider nicht. Denn in diesem Fall hat das Familienmitglied die Lohnsteuerklasse 6. Begünstigt bei der Energiepauschale sind aber nur Angestellte mit Lohnsteuerklasse 1 bis 5.

Das Finanzamt schaut ganz genau hin

Bei Anstellung von Familienmitgliedern schauen die Sachbearbeiter und Prüfer des Finanzamts ganz genau hin. Denn nur, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind, wird das Anstellungsverhältnis mit Familienmitgliedern steuerlich anerkannt:

  • Das Vertragsverhältnis muss ernsthaft sein. Das bedeutet: Es darf nicht nur auf dem Papier existieren.
  • Die beiden Parteien, also der selbständige Handwerker und das angestellte Familienmitglied müssen sich penibel an die vertraglichen Vereinbarungen halten. Damit das Finanzamt das prüfen kann, empfiehlt sich stets der Abschluss eines schriftlichen Arbeitsvertrags.
  • Der vertraglichen Vereinbarungen muss dem Fremdvergleich standhalten. Es darf also nicht zu viel Gehalt bezahlt werden und die Vereinbarungen zu Urlaub, Weihnachtsgeld und Gehaltsextras müssen fremdüblich sein.

Praxis-Tipp: Um keine Probleme mit dem Finanzamt bei Anstellungsverhältnissen mit Familienangehörigen zu bekommen, empfiehlt es sich. Aufzeichnungen zu führen, welche Aufgaben von den Angehörigen an welchen Tagen in welcher Zeit erfüllt wurden. Das ist zwar zeitaufwändig, rettet im Zweifel aber den Betriebsausgabenabzug für die Lohnzahlungen.

Stolperfalle Gehaltsextras

Selbständige Handwerker dürfen ihren angestellten Familienmitgliedern auch Gehaltsextras wie Handyüberlassung, Tankgutschein bis 50 Euro im Monat oder die Überlassung eines Firmenfahrrads zuwenden. Doch bekommen die fremden Arbeitnehmer keine solchen Extras, kann das Finanzamt diese Zuwendungen als fremdunüblich einstufen.

Gut zu wissen: In diesem Fall wird aber nicht das ganze Anstellungsverhältnis in Frage gestellt. Nur die Ausgaben im Zusammenhang mit den nicht fremdüblichen Gehaltsextras werden nicht zum Betriebsausgabenabzug zugelassen.