Im Frühsommer müssen viele Betriebe die Bilanz des letzten Jahres sowie die aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung für das laufende Geschäftsjahr ihrer Bank vorlegen. Aus dieser "reinen Formsache" kann leicht reine Frustsache werden. Von Ingrid Sperber und Joachim Scholz
Anforderungen an Kreditwürdigkeit werden immer höher
Nicht wenige Betriebsinhaber fallen eines Tages aus allen Wolken, wenn ihre Bank ihnen mitteilt, den Kreditrahmen in bisheriger Höhe nicht mehr weitführen zu können. Grund: das Rating die Geschäftsziffern seien zu schlecht, bestimmte Daten wären nicht vorgelegt worden und das Eigenkapital sei zu gering. Zudem sei die Wirtschaftslage gerade in ihrer Branche nicht positiv zu beurteilen.
Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung und der zurückhaltenden Kreditvergabepraxis einiger Banken wird es immer schwieriger, den erhöhten Anforderungen an die Kreditwürdigkeit gerecht zu werden. Dies liegt in erster Linie am gesteigerten Sicherheitsdenken der Kreditinstitute. Zudem haben viele Großbanken immense Probleme, eine Refinanzierung für ihre Kreditausreichung zu erhalten, da auch ihre Bonität oft nicht gut beurteilt wird. Darunter leiden vor allem Mittelständler, die sich nicht vor Augen halten, dass die Bank nur aufgrund vorgelegter Zahlen und Unterlagen ihre Kreditentscheidungen trifft. Geschäftsziffern und vor allem die Veränderungen im Vergleich zu Vorjahren sagen wesentlich mehr über Unternehmen aus, als viele glauben.
Daher ist es ratsam:
- die aktuelle Bilanz mit den zwei vergangenen Jahren zu vergleichen,
- jede Position der Bilanz erklären zu können,
- sich stets zu vergegenwärtigen, welche Positionen sich verändert haben und warum; wie ein negativer Trend geändert werden kann; welche Maßnahmen schon ergriffen wurden, was sie bringen und kosten und vor allem, wann die Umkehr zu erkennen ist,
- auf positive Veränderungen aufmerksam zu machen,
- die BWA zu überprüfen, also wie sich die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr entwickelt,
- stets die aktuelle Summe der offenen Rechnungen zu kennen,
- zu wissen, wie viele Aufträge in den nächsten Monaten zu erledigen sind,
- die aktuelle Aufstellung der Verbindlichkeiten bei allen Gläubigern parat zu haben,
- und vor allem, kontinuierlich den Kontakt zum Bankbetreuer zu pflegen und mit diesem über die unternehmerischen Zukunftsperspektiven und Ziele zu sprechen. Unterlagen sollten persönlich in Kombination mit einem Gespräch übergeben werden, am besten in den eigenen Räumlichkeiten. Abweichende Punkte sollten sofort und fundiert erklärt werden. Denn ein Unternehmer, der sowohl im Tagesgeschäft als auch im kaufmännischen Bereich punktet, seine Vereinbarungen zuverlässig einhält, ist ein wertvoller Kunde für jede Bank.
Checkliste Banktermin:
- Bilanz des letzten Geschäftsjahres
- aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung mit Summen- und Saldenlisten
- aktuelle Aufstellung aller Verbindlichkeiten
- letzte Einkommensteuererklärung und Steuerbescheid
- stichpunktartige Argumentationsliste mit Gegenmaßnahmen für festgestellte Abweichungen