Schrittweiser Renteneintritt Altersteilzeit: Modelle, Voraussetzungen und Alternativen

Die Altersteilzeit bietet einen schrittweisen Übergang in den Ruhestand. Für wen sie wann und wie möglich ist – und welche Optionen bestehen, wenn es stattdessen die Frührente sein soll.

Altersteilzeit: Für viele ältere Arbeitnehmer reizvoll, doch ein Anspruch besteht nicht immer. - © Gina Sanders - stock.adobe.com

Arbeiten bis 67? Viele Beschäftigte möchten gerne früher in Rente gehen. Und das ist möglich, denn nicht jeder muss bis zum regulären Rentenalter arbeiten. Es gibt verschiedene Wege, die eine Frührente ermöglichen. Grundsätzlich ist es ratsam, sich bei Interesse ab Mitte 50 bei der Deutschen Rentenversicherung zu informieren. Mit allen Fakten sollten sich Arbeitnehmer in Ruhe überlegen, ob ein früherer Renteneintritt das richtige Modell ist und die finanziellen Einbußen zu verkraften sind.

Statt komplett in den vorgezogenen Ruhestand zu gehen, haben Arbeitnehmer ebenso die Möglichkeit, im Alter weniger zu arbeiten. Sie können in ihren letzten Berufsjahren Stunden reduzieren und in Altersteilzeit gehen.

Wie funktioniert das Modell Altersteilzeit?

Grundsätzlich kann fast jeder Arbeitnehmer Stunden reduzieren. Bei der Altersteilzeit reduziert der Arbeitnehmer mehrere Jahre vor dem regulären Renteneintritt die Arbeitszeit und das Gehalt, meist um die Hälfte (Blockmodell). In der Freistellungsphase, die sich direkt daran anschließt, arbeitet er gar nicht mehr, bekommt aber weiterhin den reduzierten Lohn. Andere Modelle sind die Halbtagsbeschäftigung, oder Arbeit und Freistellung im Wechsel.

Wichtig zu wissen: "Der Arbeitgeber stockt die Hälfte des Gehalts um mindestens 20 Prozent des Regelarbeitsentgelts auf", sagt Samuel Beuttler-Bohn, Referent für Alterssicherung und Unfallversicherung des Sozialverband VdK Deutschland. So schreibt es der Gesetzgeber in Paragraf 3 Altersteilzeitgesetz vor. Manche Tarifverträge oder Vereinbarungen sehen sogar eine höhere Aufstockung vor.

Zusätzlich bezahle der Arbeitgeber mindestens 80 Prozent der Rentenversicherungsbeiträge, brauche aber höchstens 90 Prozent der Beiträge einzuzahlen, die für das Regelarbeitsentgelt fällig wären. Max Schmutzer, Redakteur bei "Finanztest" rät: Genau durchrechnen, ob man mit dem geringeren Gehalt über mehrere Jahre auskommen kann. "Gerade in der aktuellen Situation mit regelmäßigen Preisanstiegen."

Wenn es keinen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung gibt, in der sie geregelt ist, besteht für Arbeitnehmer allerdings kein rechtlicher Anspruch auf Altersteilzeit – sie können im Streitfall nicht darauf bestehen oder die Altersteilzeit gar einklagen. Sie ist eine freiwillige Sache des Arbeitgebers. Eine finanzielle Förderung der Bundesagentur für Arbeit gibt es derzeit nicht mehr.

Für die Möglichkeit der Altersteilzeit müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. So müssen Arbeitnehmer das 55. Lebensjahr vollendet haben und innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der Altersteilzeit mindestens 1.080 Kalendertage versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein. Außerdem müssen Arbeitnehmer noch mindestens drei Jahre bis zur Rente haben.

Sobald ein Arbeitnehmer darüber nachdenkt, Altersteilzeit zu nutzen, sollte er das das Gespräch mit dem Arbeitgeber über die reduzierte Stundenzahl suchen, damit alles gut geplant werden kann.

Bis zu welchem Alter muss ich arbeiten, um die reguläre Altersrente zu erhalten?

Alle, die im Jahr 1964 oder später geboren sind, müssen eigentlich bis zum vollendeten 67. Lebensjahr arbeiten. Die Jahrgänge davor können früher aufhören, ihr Eintrittsalter ist gestaffelt. So gilt beispielsweise für den Jahrgang 1957 die Grenze von 65 Jahren und 11 Monaten. Menschen mit Geburtsjahr 1960 dürfen laut "Finanztest" (Ausgabe 07/2022) regulär mit 66 Jahren und vier Monaten in Rente gehen.

Welche Monate werden auf meine Rente angerechnet?

Das kommt darauf an, wann man die Rente beginnen möchte. Für eine vorgezogene Rente nach 35 Beitragsjahren werden viele Phasen im Leben angerechnet. "Das können neben Zeiten, in denen Arbeitnehmende sozialversichert beschäftigt waren oder freiwillig eingezahlt haben, auch Zeiten sein, in denen keine Beiträge gezahlt wurden", sagt "Finanztest"-Redakteur Schmutzer.

Dazu zählen zum Beispiel Studienphasen, Mutterschutz oder Zeiten, in denen jemand für seine Kinder zu Hause geblieben ist. Letzteres allerdings nur bis zum zehnten Lebensjahr des jüngsten Kindes.

Wer eine Frührente nach 45 Versicherungsjahren in Betracht zieht, kann ebenfalls neben Beitragsjahren Phasen der Kindererziehung und ehrenamtliche Pflege anrechnen lassen, so Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund. Weitere Beispiele sind Kurzarbeiter-, Kranken- oder Verletztengeld.

"Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II zählen aber nicht dazu", sagt von der Heide. Zwei Jahre vor Rentenbeginn werde auch Arbeitslosengeld I nur in Ausnahmefällen gewertet.

Frührente ohne Abschläge: Was muss ich wissen?

Wer es auf mindestens 45 Beitragsjahre bringt, kann abschlagsfrei - also ohne Rentenminderung - früher in Rente gehen. "Nach einer Versicherungszeit von 45 Jahren kann man grundsätzlich früher in Rente gehen", sagt Beuttler-Bohn. Das ist bis zu zwei Jahre vor dem regulären Renteneintrittsalter erlaubt, das nach Jahrgängen gestaffelt ist.

Was Interessierte dennoch beachten sollten: "Wer zwei Jahre früher Rente bezieht, zahlt dann auch keine Beiträge mehr an die Versicherung", sagt Schmutzer. Die Altersrente falle daher später geringer aus. Das sei in der Regel aber kein Problem. "Die zusätzlichen Rentenpunkte können die zwei Jahre früher ausgezahlte Rente kaum kompensieren."

Frührente mit Abschlägen: Was ist zu beachten?

Wer 35 Jahre Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hat, gilt als "langjährig versichert" und kann ebenfalls vorzeitig in Rente gehen. Allerdings fallen hier Abschläge an, und zwar 0,3 Prozent pro Monat.

Ein Beispiel: Ab dem Jahrgang 1964 liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren. "Wenn entsprechende Arbeitnehmer dann mit 63 Jahren in Rente gehen möchten, müssen sie Abschläge in Höhe von 14,4 Prozent auf ihre Rente in Kauf nehmen", sagt Beuttler-Bohn.

"Diese Abschläge können ab einem Alter von 50 Jahren durch Sonderzahlungen ganz oder teilweise ausgeglichen werden", sagt von der Heide. Er rechnet vor: "Bei einer Bruttorente von 1.200 Euro im Monat mindert sich bei einem um drei Jahre vorgezogenen Rentenbeginn die Monatsrente um 10,8 Prozent beziehungsweise um 130 Euro." Wer die Summe voll ausgleichen wolle, müsse insgesamt 29.200 Euro an Zusatzbeiträgen einplanen.

Wie hat des mit dem Lebensarbeitszeitkonto auf sich?

Ein Wertguthaben, auch Lebensarbeitszeitkonto oder ähnlich genannt, kann mit Arbeitgebern vereinbart werden. Einfließen können Teile des Gehalts, Einmalzahlungen, Überstunden oder nicht genommene Urlaubstage, so Samuel Beuttler-Bohn.

Arbeitnehmende können sich das Ersparte auch für eine vorzeitige Rente aufheben. Wer vorzeitig vom Arbeitgeber gekündigt wird, kann das Guthaben auf die Deutsche Rentenversicherung Bund übertragen lassen. Voraussetzung ist, dass der neue Arbeitgeber das Konto nicht weiterführt, sagt von der Heide. "Dafür muss das Wertguthaben aber mindestens 19.740 Euro in den alten Bundesländern und 18.900 Euro in den neuen betragen", so Beuttler-Bohn.

Und der Vorruhestand?

Vorruhestand wird von Unternehmen oft dann ins Spiel gebracht, wenn es um Stellenabbau geht. "Finanztest" weist darauf hin, dass das Ruhestandsgeld mindestens 65 Prozent des vorigen Gehaltes betragen muss.

"Natürlich klingt es verlockend, Gehalt ohne Arbeitsleistung zu kassieren", sagt Schmutzer. Aber es lande monatlich deutlich weniger Geld auf dem Konto. "Rechnen Sie durch, ob Sie Ihren gewünschten Lebensstandard mit geringeren Bezügen halten können." jtw/fre/dpa

3 Rechtsurteile zum Thema Altersteilzeit

1) Mitarbeiter dürfen Dienstwagen in der Altersteilzeit behalten

Arbeitnehmer müssen ihren Dienstwagen in der Freistellungsphase der Altersteilzeit nicht abgeben. Das gilt dann, wenn eine private Nutzung im Vertrag vereinbart ist.

Wer die Altersteilzeit im Blockmodell wählt, der arbeitet zunächst weiterhin Vollzeit und staut somit ein Zeitguthaben auf. In der Freistellungsphase ist der Mitarbeiter dank Zeitguthaben von der Arbeit freigestellt. Das bedeutet aber nicht, dass der Mitarbeiter in der Freistellungsphase auf den Dienstwagen verzichten muss. Darauf weist der Deutsche Anwaltverein hin. Er bezieht sich auf eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz (Az.: 5 Sa 565/14).

Vertrag gilt auch in Freistellungsphase 

In dem verhandelten Fall war ein Mitarbeiter seit 1977 für das Unternehmen tätig. Laut Arbeitsvertrag durfte er seinen Dienstwagen privat nutzen. 2009 schloss der Mitarbeiter mit seinem Arbeitgeber einen schriftlichen Altersteilzeitarbeitsvertrag. Regelungen zum Dienstwagen wurden dort nicht festgelegt. Die Arbeitsphase endete am 7. September 2012. In der Freistellungsphase durfte er den Pkw dann nur noch bis Ende 2012 privat nutzen, danach nicht mehr. Der Mann forderte nun eine Entschädigung für die entgangene Privatnutzung des Dienstwagens.

Dienstwagen verwehrt: Mitarbeiter erhält Entschädigung 

Mit Erfolg. Das Landesarbeitsgericht entschied, dass die Firma dem Mitarbeiter eine Entschädigung zahlen muss. Die Überlassung eines Dienstwagens zur privaten Nutzung sei ein Teil der Arbeitsvergütung: Solange der Arbeitgeber das Arbeitsentgelt zahlt, muss er auch die Leistung erbringen.

Dem Arbeitnehmer stand in der Aktivphase der Altersteilzeit der Dienstwagen in vollem Umfang zur Verfügung stand, obwohl ihm der Arbeitgeber während der Gesamtdauer der Altersteilzeit nur die Hälfte seiner Arbeitsvergütung schuldet. Daraus folge aber nicht, dass er den Dienstwagen in der Freistellungsphase nicht mehr nutzen darf.

2) Wer Altersteilzeit ablehnt, darf deswegen nicht gekündigt werden

Mitarbeiter, die das Angebot einer Altersteilzeit ablehnen, dürfen nicht gekündigt werden. Das gilt jedenfalls dann, wenn der Arbeitgeber sie auf einem Ersatzarbeitsplatz im Unternehmen beschäftigten könnte. Das entschied das Landesarbeitsgericht Berlin.

In dem Fall hatte der Arbeitgeber dem Kläger, einem Werksleiter mit Verantwortung für insgesamt drei Betriebsstätten, mitgeteilt, dass es in der neuen Unternehmensstruktur für ihn keine Aufgaben mehr gebe. Gleichzeitig forderte er den Mitarbeiter dazu auf, einen Altersteilzeitvertrag zu unterschreiben. Als dieser ablehnte, sprach der Arbeitgeber eine betriebsbedingte Kündigung aus.

Maßregelungsverbot

Die Richter befanden jedoch, dass der Arbeitgeber mit der Kündigung gegen das Maßregelungsverbot verstoßen habe. Er hätte nämlich auch eine Änderungskündigung aussprechen und den Kläger als Leiter eines einzelnen Standorts weiter beschäftigen können.

Der Arbeitgeber durfte sich dem Gericht zufolge auch nicht darauf berufen, dass diese "Degradierung" dem "altgedienten" Kläger nicht zugemutet werden konnte. Denn es sei allein Sache des Arbeitnehmers, ein Änderungsangebot anzunehmen oder als unzumutbar zurückzuweisen. (Aktenzeichen: Landesarbeitsgericht Berlin 15 Sa 1109/12)

3) Kürzung der Betriebsrente bei Altersteilzeit

Viele Arbeitnehmer wollen oder müssen mit zunehmendem Alter im Betrieb kürzer treten und wechseln in die Altersteilzeit. Das Bundesarbeitsgericht hatte zu klären, ob sie dennoch den gleichen Anspruch auf Betriebsrente haben wie ein durchgängig Vollzeitbeschäftigter.

Im konkreten Fall war der Kläger vom 1. Juli 1977 bis zum 31. Mai 2008 bei der Beklagten beschäftigt. In der Zeit vom 1. Juni 2002 bis zum 31. Mai 2008 nahm er Altersteilzeit in Anspruch und reduzierte seine Arbeitszeit auf 50 Prozent der regelmäßigen Arbeitszeit vergleichbarer vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer.

Die Klage richtete sich gegen die Höhe der Betriebsrente, die der Arbeitnehmer mit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen ab dem 1.Juni 2008 erhielt. Als Berechnungsgrundlage der Rente hatte der Arbeitgeber den Beschäftigungsgrad der vergangenen zehn Jahren hinzugezogen. Die Berechnung orientierte sich damit an der betriebsinternen Versorgungsordnung, die auch auf andere Arbeitnehmer angewendet wurde.

Verstoß gegen Teilzeitgesetz 

Da sich der Kläger in sechs der letzten zehn Beschäftigungsjahre in Altersteilzeit befand, minderte sich seine Betriebsrente deutlich gegenüber den Beschäftigten, die bis zum Renteneintritt in Vollzeit tätig waren. Während der Arbeitgeber begründete, seine Angestellten mit der Regelung motivieren zu wollen bis zuletzt in Vollzeit zu arbeiten, sieht das Bundesarbeitsgericht hierin einen Verstoß gegen das Teilzeitgesetz.

Die betriebsinterne Regelung verstößt gegen § 4 Absatz 1 Teilzeitgesetz. Sinngemäß ist dort festgehalten, dass Beschäftigte in Teilzeit ohne sachlichen Grund nicht schlechter gestellt werden dürfen als Vollzeitbeschäftigte. Im konkreten Fall lag nach Einschätzung des BAG kein sachlicher Grund vor. Deshalb muss sich die Betriebsrente des Klägers nach dem durchschnittlichen Beschäftigungsgrad während der gesamten Beschäftigungszeit beim Arbeitgeber berechnen. Die Absenkung der Betriebsrente des Klägers fällt damit deutlich geringer aus als nach der betriebsinternen Regelung.

Das Bundesarbeitsgericht erklärte weiter, dass Altersteilzeit grundsätzlich anders zu behandeln sei als die klassische Teilzeit. Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (3 AZR 280/10) können Sie im Wortlaut unter juris.bundesarbeitsgericht.de nachlesen. dpa/dhz