"Family, Friends and Fools" sind keine guten Kapitalgeber, warnt Unternehmensberater Franz Falk. Besser: der klassische Kredit. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung, die für kleine Betriebe womöglich besser geeignet sind.
Wenn Unternehmensberater Franz Falk in Sachen Finanzierung von etwas ganz bestimmt abraten wollte, dann sind es die drei F: Family, Friends und Fools. Auch wenn der Weg zur Bank zu kompliziert erscheint – Bekannte und Verwandte als Kapitalgeber einzuspannen, sei keine gute Idee. Obwohl Falk aus langjähriger Erfahrung weiß, dass diese Option gerade bei Kleinbetrieben gerne genutzt wird.
Das Thema Finanzierung treffe im Moment vor allem die kleinen, schwächeren Betriebe. Falk sieht in der derzeitigen konjunkturellen Lage die Unternehmen finanziell in zwei Lager geteilt. Es gibt jene, die in den vergangenen Jahren sehr gut verdient und ihr Eigenkapital kräftig aufgebaut haben. Das andere Lager gerate jetzt verstärkt in Schwierigkeiten, weil es ohne viel Eigenkapital aufgrund hoher Investitionen oder einem schwierigen Branchenumfeld auf Fremdfinanzierung angewiesen sei.
"Ich fürchte, viele von denen werden, wenn sie zu ihrer Bank gehen, gegen eine Wand laufen", sagt er. Vielfach scheitere es schon an der Bereitstellung notwendiger Daten zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit. Kleinbetriebe seien in Sachen Businessplan oder Investitionsplanung immer noch häufig überfordert. Ohne aktuelle Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Planrechnungen erhalte jedoch kein Betrieb weder einen Kredit noch auf andere Weise Kapital. Wer die Bonität mitbringt, hat neben dem Bankkredit immerhin ein paar weitere Finanzierungsoptionen.
Kredit/Darlehen
Klassische Form der Unternehmensfinanzierung, ideal zur langfristigen Finanzierung von langfristig benötigten Wirtschaftsgütern, hauptsächlich Anlagevermögen (Immobilien, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge), schont die Liquidität, wenn die Laufzeit möglichst lang ist.
Partner: Hausbanken, eventuell zweites Institut zur Risikostreuung
Zielgruppe: alle Unternehmen
Kontokorrentkredit
Ein kurzfristiger Kredit durch Inanspruchnahme des Geschäftskontos, nur für den kurzfristigen Kapitalbedarf, etwa zur Finanzierung von Außenständen und für den Wareneinkauf. Wegen der hohen Kosten nur auf das Nötigste zu reduzieren, um Finanzierungsspitzen abzudecken. Kreditrahmen hängt vom jeweiligen Finanzierungsbedarf und den Umsätzen ab.
Partner: Hausbank, weitere Kreditinstitute
Zielgruppe: alle Unternehmen
Leasing
Anfangs hauptsächlich für den Fuhrpark genutzt, inzwischen auch für Maschinen und IT-Geräte geeignet. Beim Abschluss eines Leasingvertrags gibt es meist weniger Probleme als beim Kreditvertrag. Etwas teurer als klassische Finanzierung, aber meist keine Kreditsicherheiten nötig. Für Wirtschaftsgüter, die individuell gefertigt und fest eingebaut sind, wie Ladentheken oder fest installierte Backöfen zum Beispiel werden schon mal Sicherheiten verlangt.
Partner: Leasinggesellschaften
Zielgruppe: vor allem junge, stark wachsende Betriebe ohne Kreditsicherheiten, Betriebe, die schnellen Kapitalumschlag wünschen
Factoring
Verkauf von Forderungen, erhöht kurzfristig die Liquidität im Unternehmen, umgeht lange Zahlungsziele der Kunden, Vorfinanzierung kann auf diese Weise stark reduziert werden, höhere Liquidität schont den Kontokorrentkredit.
Partner: Factoringgesellschaften
Zielgruppe: Durchaus auch kleinere Handwerksunternehmen. Der Jahresumsatz sollte jedoch mindestens 500.000 Euro betragen, damit sich der Ankauf von Forderungen für die Gesellschaften lohnt.
Finetrading
Finetrader finanzieren den Materialeinkauf für andere Unternehmen vor. Die Betriebe profitieren durch längere Zahlungsziele und durch bessere Konditionen des Finetraders, der große Mengen einkauft.
Partner: Finetrader
Zielgruppe: Handwerksbetriebe mit einem umfangreichen Materialeinsatz
Beteiligungskapital
Einstieg einer Beteiligungsgesellschaft in ein Unternehmen mit mezzaninem Kapital. Ein interessanter Baustein einer Unternehmensfinanzierung. In Form einer stillen Beteiligung zählt die Einlage als Eigenkapital und verbessert damit die Kreditwürdigkeit, während die Kapitalgeber meist kein oder nur ein geringes Mitspracherecht haben. Schont die Liquidität, da keine Tilgungszahlungen anfallen.
Partner: Mittelständische Beteiligungsgesellschaften, Förderbanken, Mezzanine Fonds
Zielgruppe: junge und/oder wachsende Unternehmen ohne eigene Sicherheiten oder mit ausgeschöpftem Kreditrahmen
Bürgschaftsbanken
Unzureichende Sicherheiten der Kreditnehmer werden hier durch die Bürgschaft der Bürgschaftsbank ersetzt. Betriebe brauchen dadurch keine eigenen Sicherheiten.
Partner: Die jeweils zuständige Bürgschaftsbank plus eine vermittelnde Hausbank
Zielgruppe: Existenzgründer, Betriebsübernehmer, junge, aufstrebende Unternehmen ohne eigene Sicherheiten, Betriebe, die hohe Investitionen finanzieren müssen
