Die Übernahme von Bestattungskosten Verstorbener durch den Staat birgt Konfliktpotenzial. Eine neue Webseite soll helfen, diese Konflikte zu vermeiden und gibt Betroffenen Ratschläge bei Sozialbestattungen. Alle wichtigen Details dazu.

Alle wichtigen Fragen zum Thema Sozialbestattung klärt das neue Online-Portal aktion-sozialbestattung.de . Die Webseite möchte Verbraucher darüber aufklären, ob und welche Kosten vom Sozialamt übernommen werden und welche Leistungen eine Sozialbestattung umfasst. Darauf weist die Verbraucherinitiative für Bestattungskultur, Aeternitas, hin.
Darüber hinaus ergänzen Urteile, Auszüge aus Gesetzen, Statistiken sowie Lösungsvorschläge für würdige und kostengünstige Grabbestattungen den Blick auf das Thema. Eine "Checkliste" sowie der kostenfreie "Ratgeber Sozialbestattung" sollen laut Aeternitas das Informationsangebot der Webseite für Betroffene, Bestattungsunternehmen und Behörden abrunden.
Einheitliche Standards und einfachere Kostenübernahme
Laut der Verbraucherinitiative fehlen bislang einheitliche Standards, wenn Sozialämter die Kosten einer Bestattung übernehmen sollen. Leistungen würden häufig entgegen den Bedürfnissen Hinterbliebener nur restriktiv gewährt. Des Weiteren macht die Initiative darauf aufmerksam, dass bürokratische Hürden die Kostenerstattung verzögern würden.
Der Verein fordert deshalb einen bundesweit gültigen umfassenden und einheitlichen Leistungskatalog sowie eine erleichterte Kostenübernahme durch Sozialämter. "Eine Trauerfeier mit musikalischer Untermalung sehen wir anders als viele Sozialämter", betont der Aeternitas-Vorsitzende Christoph Keldenich. Gleiches gelte für einen Grabstein oder die erforderliche Grabpflege. "Unwürdig ist es, dass meist nur eine Bestattung am letzten Wohnort des Verstorbenen gewährt wird", so Keldenich.
Forderung nach Diskussionsbeteiligung zu Sozialbestattung
Laut Aeternitas ist diese Praxis angesichts weit verstreut lebender Familien nicht mehr zeitgemäß. Darüber hinaus hält die Verbraucherinitiative es für die Antragsteller nicht zumutbar, dass das Geld für die Bestattungskosten anteilsmäßig bei anderen zahlungspflichtigen Verwandten eingetrieben wird. Sozialämter würden so das Kostenrisiko auf die Hinterbliebenen abwälzen.
Zudem weist die Verbraucherinitiative darauf hin, dass Hinterbliebenen in vielen Fällen rechtlich zustehende Leistungen verwehrt werden oder sich die Kostenerstattung über Monate und Jahre hinzieht. Deshalb appelliert der Verband an Kirchen, Parteien und Verbände, sich auf dem neuen Online-Portal aktiv zu beteiligen und ihre Position darzustellen.
Verhandlungen mit Trägern
Auch der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) hat bereits Kenntnis von dem neuen Portal genommen und stimmt in wesentlichen Punkten mit der Verbraucherinitiative überein . Allerdings sei die Verfahrensweise laut BDB in den einzelnen Bundesländern, Landkreisen und Kommunen so unterschiedlich, dass die von " Aeternitas" geforderten bundeseinheitlichen Standards zwar prinzipiell wünschenswert wären. "Bei einer etwaigen bundesweiten Vereinheitlichung sei allerdings eine Herabsetzung der Standards auf ein nicht akzeptables Niveau zu befürchten", so ein Sprecher des BDB. Laut BDB sollten hinsichtlich der Einhaltung von Mindeststandards einzelne Verhandlungen mit den Aufwandsträgern stattfinden.
Das Thema Sozialbestattung führe laut Aetermitas immer wieder zu Konflikten, weil der entsprechende Paragraph des Sozialgesetzbuches (§ 74, SGB XII) keine genauen Vorgaben macht: "Die erforderlichen Kosten einer Bestattung werden übernommen, soweit den hierzu Verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen." Die konkrete Ausgestaltung liegt in den Händen der Gemeinden und Landkreise - und der Gerichte, die in Streitfällen entscheiden.
Zunahme bei Sozialbestattungen
Mehr als 25.000 Menschen jährlich sind in Deutschland bei den Bestattungskosten auf staatliche Hilfe angewiesen. Knapp 60 Millionen Euro wandten die zuständigen Sozialämter im Jahr 2012 dafür auf, neuere Zahlen würden bislang nicht vorliegen. Sozialbestattungen haben seit Streichung des Sterbegeldes im Jahre 2004 zugenommen.
Arbeitslosigkeit kann ein Grund sein, meist handelt es sich aber um Altersarmut, die dadurch entsteht, dass Menschen bei steigendem Altersdurchschnitt in den letzten Lebensjahren einen überdurchschnittlichen Mehraufwand für Pflege und Wohnen leisten müssen. cle