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Afrikanische Schweinepest Wie die Tierseuche das Fleischerhandwerk trifft

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich weiter aus. Der Bundesrat hat deshalb Gesetzesänderungen zugestimmt. Helfen soll auch das Einfuhrverbot von Fleisch aus Nicht-EU-Ländern. Folgen hätte ein Ausbruch der Tierseuche hierzulande auch für Handwerksfleischer mit regionalen Waren im Sortiment.

Polen, Tschechien und andere europäische Länder sind bereits betroffen und Landwirte, Verbraucher und Politik machen sich Sorgen, ob nicht bald auch in Deutschland die ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest gemeldet werden. Dann werden voraussichtlich Massen an Schweinen vorsorglich getötet werden, um die Verbreitung der Tierseuche einzudämmen. Die Folgen davon könnten auch für die deutschen Handwerksfleischer gravierend sein.

Derzeit breitet sie sich immer weiter aus und so hat das Bundeskabinett bereits im Juni 2018 den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes beschlossen. Anfang Juli hat der Bundesrat dem Gesetz zugestimmt, obwohl die Länder noch Bedenken hinsichtlich der Finanzierung der Pläne haben. Die Bundesregierung möchte mit den Änderungen einerseits Behörden in die Lage versetzen, schneller zu reagieren, wenn die Tierseuche eingeschleppt wird und ausbricht. Darüber hinaus enthält der Gesetzentwurf verschiedenste Entschädigungsregelungen vor – etwa wenn landwirtschaftliche Gebiete nicht mehr genutzt werden dürfen oder gesperrt werden – und die Möglichkeit, dass die Bundesländer Ausnahmen für die Jagd in Setz- und Brutzeiten festlegen dürfen. Zudem hat die Regierung bereits die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben, um deren Jagd ganzjährig zuzulassen.

Einfuhrverbot von Milch und Fleisch

Um die Ausbreitung von Tierseuchen zu verhindern, gilt zudem besonders jetzt in der Reisezeit, dass Privatpersonen geltende Einfuhrverbote und Einfuhrbeschränkungen aus dem Nicht-EU-Ausland (Drittländern) von Lebensmitteln und daraus hergestellten Produkten einhalten müssen.

Dabei gilt laut Bundesernährungsministerium (BMEL), dass die Einfuhr von Fleisch und Milch und daraus hergestellten Erzeugnissen in die EU grundsätzlich verboten ist. Für andere Erzeugnisse gelten produktspezifische Einfuhrbeschränkungen in Abhängigkeit von der Warenart und dem Herkunftsland. Hier gibt es ausführliche Informationen zu den Verboten und Beschränkungen >>>

In Bezug auf die Afrikanische Schweinepest spricht das BMEL schon von einem "hohen Infektionsdruck". Das Friedrich-Löffler-Institut hat eine Karte veröffentlicht, die die aktuell gemeldeten Fälle sowohl bei Wild- als auch bei Hausschweinen in der EU zeigen. Die Karte gibt es hier.>>>

Experten befürchten, dass die Afrikanische Schweinepest über den Transitverkehr auch nach Deutschland eingeschleppt werden kann. Wird eine derartige Tierseuche diagnostiziert, gilt laut Tierseuchengesetz, dass innerhalb bestimmter Sperrzonen rund um den Fund des infizierten Tieres, alle andere Tiere, die als Überträger der Seuche in Frage kommen, getötet werden müssen. Sie werden gekeult und meist verbrannt. Auch wenn sie eigentlich gesund sind, dürfen sie nicht für den regulären Fleischhandel geschlachtet werden. Wie viele Tiere das betrifft, entscheidet der Einzelfall.

Afrikanischer Schweinepest vorbeugen: Aufklärung, Forschung, weniger Wildschweine 

Die Afrikanische Schweinepest wurde allerdings nicht erst jetzt in Europa diagnostiziert, sondern im Jahr 2014. Schon seitdem sind die betroffenen Länder dabei, effiziente Instrumentarien zu entwickeln um der Tierseuche wirkungsvoll zu begegnen.

Um den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zu verhindern, rät das BMEL zu einem koordinierten Vorgehen aller Beteiligten. Zu den Präventionsmaßnahmen gehören: Aufklärung, Rechtssetzung, Intensivierung der Forschung – national und international – Einhaltung der Hygienevorschriften in der Schweinehaltung und beim Umgang mit Wildschweinen sowie die Reduzierung der Schwarzwildbestände.

Die Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Virusinfektionskrankheit, die der klassischen Schweinepest sehr ähnlich ist. Die Infektion verläuft für die Tiere fast immer tödlich und hat somit schwerwiegende Folgen für alle Wild- und Hausschweinebestände und die gesamte landwirtschaftliche Produktion. Eine Impfung gegen die Tierseuche gibt es derzeit nicht. Für den Menschen stellt sie nach Information des Bundeslandwirtschaftsministeriums keine Gefahr dar. Selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt kein gesundheitliches Risiko.

Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) beobachtet die Situation aufmerksam und befürchtet, dass ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest gravierende Auswirkungen auf die kleinen und mittleren Schweinezüchter und -mäster in Deutschland haben könnte.

Zwar bekommen die betroffenen Tierhalter eine finanzielle Entschädigung für ihre Tiere, die sie dann nicht mehr verkaufen und schlachten lassen können. Doch ob diese Entschädigung für die gekeulten Tiere kleine Betriebe, die schlimmstenfalls ihre kompletten Bestände wieder von Neuem aufbauen müssen, retten kann, gilt als fraglich. So könnte es dazu kommen, dass einige kleine Schweinehalter ihren Betrieb aufgeben, wenn der Seuchenfall eintritt. Damit verschwinden aber auch wieder mehr Betriebe, die regionales Fleisch produzieren, die die kleinen Handwerksmetzger mit Waren versorgen und die Konzentration im Fleischsektor auf ein paar wenige große Konzerne – Massentierhaltung, Schlachthaus und Großhandel in einem – schreitet voran.

Kleinbauern und Handwerksfleischer nicht vergessen

Der DFV appelliert deshalb schon jetzt an die Politik, im Falle des Falles sowohl die Kleinbauern als auch die kleinen Betriebe, die mit diesen zusammenarbeiten und helfen, die ursprünglichen, regionalen Strukturen zu erhalten, nicht zu vergessen.

"Sollten in der Folge eines flächendeckenden Seuchenzuges viele kleine landwirtschaftliche Betriebe aufgeben müssen, würden für die Fleischer-Fachgeschäfte wichtige Partner und Lieferanten regionaler Rohstoffe wegfallen", erklärt DFV-Sprecher Gero Jentzsch. Der Verband appelliert daher an die Politik, auch hier die kleinräumigen, regionalen Strukturen und deren Vertreter im Blick zu behalten.

Probleme werden vor allem die kleinen selbst schlachtenden Betriebe in der Landwirtschaft bekommen und damit wird die Versorgung der kleinen Handwerksmetzger mit Schweinefleisch aus der nahen Region leiden. Zudem könnte es im schlimmsten Fall für die Kleinbauern schwierig werden ihre Bestände wieder mit Schweinen aus den Regionen aufzubauen.

Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest hat mehrere Gründe. Spekuliert wird über Gummistiefel der Lkw-Fahrer, die Schweinefleisch von einem Land ins andere transportieren, über die Autos selbst bis hin eben zu den Wildschweinen, die sich in den letzten Jahren immer stärker ausbreiten. Die Zunahme der Wildschweine steht im Fokus und so haben einige Länder auch schon die Schonfristen zum Abschuss der Tiere aufgehoben. Derzeit wird sogar schon über Abschussprämien diskutiert.

So kommt die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland

Über:

  • Lebensmittel, die Schweinefleisch enthalten, welches nicht erhitzt wurde.
  • Teile von Schweinen (z.B. Häute, Jagdtrophäen).
  • Gegenstände, die Kontakt zu Schweinen hatten (z.B. Kleidung, Jagdwaffen).
  • Lebende Schweine.
  • Personen, die aus betroffenen Regionen zu uns kommen oder diese besuchen, müssen unbedingt darauf hingewiesen werden.

Quelle: tierseucheninfo.niedersachsen.de

 

Auch in Deutschland fühlen sich Wildschweine in den letzten Jahren immer wohler. Ein Grund liegt am Klimawandel und den milderen Wintern. Der Hauptgrund dürfte jedoch die stark vom Anbau der Energiepflanzen geprägte Landwirtschaft sein. Wildschweine finden Massen an Futter – Raps und Mais in Hülle und Fülle und das auf den Äckern über viele Monate im Jahr.

Der Deutsche Jagdverband meldet, dass Deutschlands Jäger im zurückliegenden Jagdjahr viereinhalb Mal so viele Wildschweine erlegt haben wie vor 40 Jahren. Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest appelliert er, die Wildschweinjagd noch zu intensivieren und dass die Jäger jetzt, insbesondere junge Wildschweine erlegen sollten. Sie tragen maßgeblich zur Fortpflanzung bei.

Der Beitrag wurde am 20. Juli 2018 aktualisiert.

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