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Afrikanische Schweinepest Wie die Tierseuche das Fleischerhandwerk treffen könnte

Der Deutsche Fleischerverband (DFV) beobachtet die aktuellen Meldungen zur Afrikanischen Schweinepest aufmerksam. Ein Ausbruch der Tierseuche hätte vor allem für Handwerksfleischer mit regionalen Waren im Sortiment Folgen.

Polen, Tschechien und andere europäische Länder sind bereits betroffen und Landwirte, Verbraucher und Politik machen sich Sorgen, ob nicht bald auch in Deutschland die ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest gemeldet werden. Dann werden voraussichtlich Massen an Schweinen vorsorglich getötet werden, um die Verbreitung der Tierseuche einzudämmen. Die Folgen davon könnten auch für die deutschen Handwerksfleischer gravierend sein.

Derzeit breitet sie sich immer weiter aus und das Bundeslandwirtschaftsministerium spricht von einem "hohen Infektionsdruck". DasFriedrich-Löffler-Institut hat eine Karte veröffentlicht, die die aktuell gemeldeten Fälle sowohl bei Wild- als auch bei Hausschweinen in der EU zeigen. Die Karte gibt es hier.>>>

Experten befürchten, dass die Afrikanische Schweinepest über den Transitverkehr auch nach Deutschland eingeschleppt werden kann. Wird eine derartige Tierseuche diagnostiziert, gilt laut Tierseuchengesetz, dass innerhalb bestimmter Sperrzonen rund um den Fund des infizierten Tieres, alle andere Tiere, die als Überträger der Seuche in Frage kommen, getötet werden müssen. Sie werden gekeult und meist verbrannt. Auch wenn sie eigentlich gesund sind, dürfen sie nicht für den regulären Fleischhandel geschlachtet werden. Wie viele Tiere das betrifft, entscheidet der Einzelfall.

Afrikanischer Schweinepest vorbeugen: Aufklärung, Forschung, weniger Wildschweine

Bei der Präventions-Konferenz zur Afrikanischen Schweinepest Ende Februar erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt: "Die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest, insbesondere über die Mitnahme von ASP-Virus kontaminierten Lebensmitteln durch Reisende und LKW-Fahrer sowie über die unsachgemäße Entsorgung dieser Lebensmittel stellt für Deutschland eine große Gefahr dar.“ Er wies jedoch auch darauf hin, dass die Tierseuche in Europa schon seit dem Jahr 2014 diagnostiziert wird und dass die betroffenen Länder bereits effiziente Instrumentarien entwickelt hätten, um der Afrikanischen Schweinepest wirkungsvoll zu begegnen.

Um den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zu verhindern, rät das Ministerium nun zu einem koordinierten Vorgehen aller Beteiligten. Zu den Präventionsmaßnahmen gehören: Aufklärung, Rechtssetzung, Intensivierung der Forschung – national und international – Einhaltung der Hygienevorschriften in der Schweinehaltung und beim Umgang mit Wildschweinen sowie die Reduzierung der Schwarzwildbestände. Von besonderer Bedeutung sei dabei sowohl das Zusammenwirken von Bund, Ländern und Verbänden als auch der enge Schulterschluss mit den bereits betroffenen Ländern.

Die Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Virusinfektionskrankheit, die der klassischen Schweinepest sehr ähnlich ist. Die Infektion verläuft für die Tiere fast immer tödlich und hat somit schwerwiegende Folgen für alle Wild- und Hausschweinebestände und die gesamte landwirtschaftliche Produktion. Eine Impfung gegen die Tierseuche gibt es derzeit nicht. Für den Menschen stellt sie nach Information des Bundeslandwirtschaftsministeriums keine Gefahr dar. Selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt kein gesundheitliches Risiko.

Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) beobachtet die Situation aufmerksam und befürchtet, dass ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest gravierende Auswirkungen auf die kleinen und mittleren Schweinezüchter und -mäster in Deutschland haben könnte.

Zwar bekommen die betroffenen Tierhalter eine finanzielle Entschädigung für ihre Tiere, die sie dann nicht mehr verkaufen und schlachten lassen können. Doch ob diese Entschädigung für die gekeulten Tiere kleine Betriebe, die schlimmstenfalls ihre kompletten Bestände wieder von Neuem aufbauen müssen, retten kann, gilt als fraglich. So könnte es dazu kommen, dass einige kleine Schweinehalter ihren Betrieb aufgeben, wenn der Seuchenfall eintritt. Damit verschwinden aber auch wieder mehr Betriebe, die regionales Fleisch produzieren, die die kleinen Handwerksmetzger mit Waren versorgen und die Konzentration im Fleischsektor auf ein paar wenige große Konzerne – Massentierhaltung, Schlachthaus und Großhandel in einem – schreitet voran.

Kleinbauern und Handwerksfleischer nicht vergessen

Der DFV appelliert deshalb schon jetzt an die Politik, im Falle des Falles sowohl die Kleinbauern als auch die kleinen Betriebe, die mit diesen zusammenarbeiten und helfen, die ursprünglichen, regionalen Strukturen zu erhalten, nicht zu vergessen.

"Sollten in der Folge eines flächendeckenden Seuchenzuges viele kleine landwirtschaftliche Betriebe aufgeben müssen, würden für die Fleischer-Fachgeschäfte wichtige Partner und Lieferanten regionaler Rohstoffe wegfallen", erklärt DFV-Sprecher Gero Jentzsch. Der Verband appelliert daher an die Politik, auch hier die kleinräumigen, regionalen Strukturen und deren Vertreter im Blick zu behalten.

Probleme werden vor allem die kleinen selbst schlachtenden Betriebe in der Landwirtschaft bekommen und damit wird die Versorgung der kleinen Handwerksmetzger mit Schweinefleisch aus der nahen Region leiden. Zudem könnte es im schlimmsten Fall für die Kleinbauern schwierig werden ihre Bestände wieder mit Schweinen aus den Regionen aufzubauen.

Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest hat mehrere Gründe. Spekuliert wird über Gummistiefel der Lkw-Fahrer, die Schweinefleisch von einem Land ins andere transportieren, über die Autos selbst bis hin eben zu den Wildschweinen, die sich in den letzten Jahren immer stärker ausbreiten. Die Zunahme der Wildschweine steht im Fokus und so haben einige Länder auch schon die Schonfristen zum Abschuss der Tiere aufgehoben. Derzeit wird sogar schon über Abschussprämien diskutiert.

So kommt die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland

Über:

  • Lebensmittel, die Schweinefleisch enthalten, welches nicht erhitzt wurde.
  • Teile von Schweinen (z.B. Häute, Jagdtrophäen).
  • Gegenstände, die Kontakt zu Schweinen hatten (z.B. Kleidung, Jagdwaffen).
  • Lebende Schweine.
  • Personen, die aus betroffenen Regionen zu uns kommen oder diese besuchen, müssen unbedingt darauf hingewiesen werden.

Quelle: tierseucheninfo.niedersachsen.de

 

Auch in Deutschland fühlen sich Wildschweine in den letzten Jahren immer wohler. Ein Grund liegt am Klimawandel und den milderen Wintern. Der Hauptgrund dürfte jedoch die stark vom Anbau der Energiepflanzen geprägte Landwirtschaft sein. Wildschweine finden Massen an Futter – Raps und Mais in Hülle und Fülle und das auf den Äckern über viele Monate im Jahr.

Der Deutsche Jagdverband meldet, dass Deutschlands Jäger im zurückliegenden Jagdjahr viereinhalb mal so viele Wildschweine erlegt haben wie vor 40 Jahren. Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest apelliert er, die Wildschweinjagd noch zu intensivieren und dass die Jäger jetzt, insbesondere junge Wildschweine erlegen sollten. Sie tragen maßgeblich zur Fortpflanzung bei.

Der Beitrag wurde am 7. März 2018 aktualisiert.

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