Tierseuche Wie die Afrikanische Schweinepest das Fleischerhandwerk trifft

In Brandenburg gibt es die ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest bei Hausschweinen. Breitet sich die Tierseuche weiter aus, könnte das Folgen auch für Handwerksfleischer mit regionalen Waren im Sortiment haben.

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in Europa aus. Die Viruserkrankung wurde nun auch bei Hausschweinen in Deutschland gefunden. - © Federico Rostagno - stock.adobe.com

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Deutschland angekommen. Schon im September 2020 gab es erste Fälle bei Wildschweinen. Nun sind auch drei Bestände mit Hausschweinen betroffen. Sie befinden sich in Brandenburg und damit in der Region, in der hierzulande auch die ersten Infektionen bei Wildschweinen auftraten. Rund um die Betriebe wurden Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums konnten die Ausbrüche bislang regional eingegrenzt werden.

Unklar ist noch, ob nun Schweine vorsorglich getötet werden, um die Verbreitung der Tierseuche einzudämmen. Die Folgen davon könnten auch für die deutschen Handwerksfleischer gravierend sein. In Nachbarländern wie Polen breitet sich die Virusinfektion bei Hausschweinen bereits seit längerem aus.

Für einen besseren Schutz hat die Bundesregierung bereits im Juni 2018 das Gesetzes zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und des Bundesjagdgesetzes beschlossen. Damit wurden Behörden in die Lage versetzt, schneller zu reagieren, wenn die Tierseuche eingeschleppt wird. Darüber hinaus enthält das Gesetz verschiedenste Entschädigungsregelungen – etwa wenn landwirtschaftliche Gebiete nicht mehr genutzt werden dürfen oder gesperrt werden. Die Bundesländer haben nun die Möglichkeit, Ausnahmen für die Jagd in Setz- und Brutzeiten festzulegen. Zudem wurde die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben, um deren Jagd ganzjährig zuzulassen.

Einfuhrverbot von Milch und Fleisch: Afrikanische Schweinepest stoppen

Um die Ausbreitung von Tierseuchen zu verhindern, gilt zudem besonders in Reisezeiten, dass Privatpersonen geltende Einfuhrverbote und Einfuhrbeschränkungen aus dem Nicht-EU-Ausland (Drittländern) von Lebensmitteln und daraus hergestellten Produkten einhalten müssen.

Dabei gilt laut BMEL, dass die Einfuhr von Fleisch und Milch und daraus hergestellten Erzeugnissen in die EU grundsätzlich verboten ist. Für andere Erzeugnisse gelten produktspezifische Einfuhrbeschränkungen in Abhängigkeit von der Warenart und dem Herkunftsland. Hier gibt es ausführliche Informationen zu den Verboten und Beschränkungen >>>

In Bezug auf die Afrikanische Schweinepest spricht das BMEL von einem "hohen Infektionsdruck". Das Friedrich-Löffler-Institut hat eine Karte veröffentlicht, die die aktuell gemeldeten Fälle sowohl bei Wild- als auch bei Hausschweinen in der EU zeigen. Die Karte gibt es hier.>>>

Experten befürchten schon lange, dass die Afrikanische Schweinepest über den Transitverkehr auch nach Deutschland eingeschleppt wird. Das hat sich jetzt bestätigt. Wird eine derartige Tierseuche diagnostiziert, gilt laut Tierseuchengesetz, dass innerhalb bestimmter Sperrzonen rund um den Fund des infizierten Tieres, alle andere Tiere, die als Überträger der Seuche in Frage kommen, getötet werden müssen. Auch wenn sie eigentlich gesund sind, dürfen sie nicht mehr in den regulären Fleischhandel kommen. Wie viele Tiere das betrifft, entscheidet der Einzelfall.

Afrikanischer Schweinepest vorbeugen: Aufklärung, Forschung, weniger Wildschweine 

Die Afrikanische Schweinepest wurde nicht erst jetzt in Europa diagnostiziert, sondern im Jahr 2014. Schon seitdem sind die betroffenen Länder dabei, effiziente Instrumentarien zu entwickeln um der Tierseuche wirkungsvoll zu begegnen.

Um die weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zu verhindern, rät das BMEL zu einem koordinierten Vorgehen aller Beteiligten. Zu den Präventionsmaßnahmen gehören: Aufklärung, Rechtssetzung, Intensivierung der Forschung – national und international – Einhaltung der Hygienevorschriften in der Schweinehaltung und beim Umgang mit Wildschweinen sowie die Reduzierung der Schwarzwildbestände.

Die Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Virusinfektionskrankheit, die der klassischen Schweinepest sehr ähnlich ist. Die Infektion verläuft für die Tiere fast immer tödlich und hat somit schwerwiegende Folgen für alle Wild- und Hausschweinebestände und die gesamte landwirtschaftliche Produktion. Eine Impfung gegen die Tierseuche gibt es derzeit nicht. Für den Menschen stellt sie nach Information des Bundeslandwirtschaftsministeriums keine Gefahr dar. Selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt kein gesundheitliches Risiko.

Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) beobachtet die Situation aufmerksam und befürchtet, dass die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest gravierende Auswirkungen auf die kleinen und mittleren Schweinezüchter und -mäster in Deutschland haben könnte.

Zwar bekommen die betroffenen Tierhalter eine finanzielle Entschädigung für ihre Tiere, die sie dann nicht mehr verkaufen und schlachten lassen können. Doch ob diese Entschädigung für die gekeulten Tiere kleine Betriebe, die schlimmstenfalls ihre kompletten Bestände wieder von Neuem aufbauen müssen, retten kann, gilt als fraglich. So könnte es dazu kommen, dass einige kleine Schweinehalter ihren Betrieb aufgeben, wenn der Seuchenfall eintritt. Damit verschwinden aber auch wieder mehr Betriebe, die regionales Fleisch produzieren, die die kleinen Handwerksmetzger mit Waren versorgen und die Konzentration im Fleischsektor auf ein paar wenige große Konzerne – Massentierhaltung, Schlachthaus und Großhandel in einem – schreitet voran.

Kleinbauern und Handwerksfleischer nicht vergessen

Der DFV appelliert deshalb schon jetzt an die Politik, im Falle des Falles sowohl die Kleinbauern als auch die kleinen Betriebe nicht zu vergessen, die mit diesen zusammenarbeiten und helfen, die ursprünglichen, regionalen Strukturen zu erhalten. "Sollten in der Folge eines flächendeckenden Seuchenzuges viele kleine landwirtschaftliche Betriebe aufgeben müssen, würden für die Fleischer-Fachgeschäfte wichtige Partner und Lieferanten regionaler Rohstoffe wegfallen", erklärt ein Sprecher des DFV.

Probleme werden vor allem die kleinen selbst schlachtenden Betriebe in der Landwirtschaft bekommen und damit wird die Versorgung der kleinen Handwerksmetzger mit Schweinefleisch aus der nahen Region leiden. Zudem könnte es im schlimmsten Fall für die Kleinbauern schwierig werden ihre Bestände wieder mit Schweinen aus den Regionen aufzubauen.

Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest hat mehrere Gründe. Spekuliert wird über Gummistiefel der Lkw-Fahrer, die Schweinefleisch von einem Land ins andere transportieren, über die Autos selbst bis hin eben zu den Wildschweinen, die sich in den letzten Jahren immer stärker ausbreiten. Die Zunahme der Wildschweine steht im Fokus. So haben einige Länder auch schon die Schonfristen zum Abschuss der Tiere aufgehoben.

So kommt die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland

Über:

  • Lebensmittel, die Schweinefleisch enthalten, welches nicht erhitzt wurde.
  • Teile von Schweinen (z.B. Häute, Jagdtrophäen).
  • Gegenstände, die Kontakt zu Schweinen hatten (z.B. Kleidung, Jagdwaffen).
  • Lebende Schweine.
  • Personen, die aus betroffenen Regionen zu uns kommen oder diese besuchen, müssen unbedingt darauf hingewiesen werden.

Quelle: tierseucheninfo.niedersachsen.de

Auch in Deutschland fühlen sich Wildschweine in den letzten Jahren immer wohler. Ein Grund liegt am Klimawandel und den milderen Wintern. Der Hauptgrund dürfte jedoch die stark vom Anbau der Energiepflanzen geprägte Landwirtschaft sein. Wildschweine finden Massen an Futter – Raps und Mais in Hülle und Fülle und das auf den Äckern über viele Monate im Jahr.

Der Deutsche Jagdverband meldet, dass Deutschlands Jäger im zurückliegenden Jagdjahr viereinhalb Mal so viele Wildschweine erlegt haben wie vor 40 Jahren. Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest appelliert er, die Wildschweinjagd noch zu intensivieren und dass die Jäger jetzt, insbesondere junge Wildschweine erlegen sollten. Sie tragen maßgeblich zur Fortpflanzung bei.