Ausbildungsberufe, Öltanks, Gewerbeabfall, Berufskrankheiten & mehr Änderungen zum 1. August für Handwerk, Mittelstand und Privatpersonen

Auf das Handwerk kommt mit dem Start in den August eine ganze Palette an Neuerungen zu. Mit teils starken Veränderungen für den Berufsalltag einiger Handwerksbetriebe. Über diese Änderungen zum 1. August müssen Betriebe und Privatpersonen Bescheid wissen.

Im August 2017 ändern sich wieder einige Vorschriften für das Handwerk. - © Zerbor - stock.adobe.com

Kein Monatswechsel ohne neue Verordnungen und Gesetze. Und so hält auch der August so manche Neuerung für die Branche und den Verbraucher bereit. Handwerksbetriebe müssen ihren Gewerbeabfall künftig strenger trennen. Zudem darf ab dem 1. August 2017 nur noch mit einer entsprechenden Zertifizierung an großen Öltanks gearbeitet werden. Ebenfalls für das Handwerk relevant: Zum Start in das neue Ausbildungsjahr wurden insgesamt fünf Handwerksberufe modernisiert. Des Weiteren wächst auch die Liste der Berufskrankheiten ab dem 5. August 2017 weiter an.

Für Verbraucher interessant: Während junge Leute künftig Schwierigkeiten bei der Eheschließung bekommen könnten, dürfen sich Rentner über eine günstigere Krankenversicherung freuen. Zudem sollten sich Verbraucher nicht wundern, wenn sie schon bald neue Energie-Label auf Elektrogeräten entdecken.

Heiraten unter 18 Jahren ab sofort tabu

Bislang war es Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren offiziell erlaubt zu heiraten. Voraussetzung hierfür war die Zustimmung der Eltern sowie des Familiengerichts. Zudem war es verpflichtend, dass der Ehepartner volljährig ist. Diese Möglichkeit wird nun durch ein neues Gesetz gekippt.

Hintergrund ist der steigende Anteil von Kinderehen in Deutschland, vor allem in Zusammenhang mit dem Flüchtlingsstrom. Die Bundesregierung möchte mit dem Gesetz minderjährige Flüchtlinge vor einer zu frühen Eheschließung schützen. Künftig müssen beide Partner volljährig sein, um heiraten zu können.

Das "Gesetz gegen Kinderehe" betrifft auch Ehen, die bereits geschlossen wurden. So sollen entsprechende Ehen durch richterliche Entscheidung wieder aufgelöst werden. In Härtefällen kann von dieser Praxis abgesehen werden. Ebenso, wenn der minderjährige Ehegatte zwischenzeitlich volljährig geworden ist und die Ehe bestätigt. War der Ehepartner zum Zeitpunkt der Hochzeit jünger als 16 Jahre, ist die Ehe automatisch unwirksam. Das gilt auch dann, wenn sie nach ausländischem Recht geschlossen wurde.

9/10-Regelung: Günstigere Krankenversicherung für Rentner mit Kindern

Rentner und Rentnerinnen sollten in den nächsten Tagen unbedingt zum Hörer greifen und die Nummer ihrer Krankenversicherung wählen. Zumindest dann, wenn sie während ihrem Arbeitsleben zeitweise nicht gearbeitet haben, z.B. um die eigenen Kinder großzuziehen. Wer während dieser Zeit privat beim Ehepartner mitversichert war und bislang die Voraussetzungen für die oft kostengünstigere Pflichtversicherung in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) nicht erfüllt hatte, könnte nun von einer Gesetzesänderung profitieren.

Um dort aufgenommen zu werden, muss die sogenannte 9/10-Regelung erfüllt werden. Das heißt, dass Betroffene in der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens mindestens 90 Prozent in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert waren. Ab sofort gilt jedoch eine Änderung: Für jedes Kind bekommen Rentner pauschal drei Jahre als "Vorversicherungszeit" angerechnet. Damit erfüllen deutlich mehr Rentnerinnen und Rentner die Voraussetzung zur Aufnahme in die KVdR als bisher. Die Regelung gilt sowohl für neue als auch für Rentner, die bereits im Ruhestand sind. Um von den günstigeren Krankenkassenbeiträgen zu profitieren, müssen Menschen in Ruhestand selbst aktiv werden. Sie müssen sich an ihre Krankenkasse wenden und einen Antrag auf Neuberechnung stellen.

Handwerksbetriebe müssen Gewerbeabfall genauer trennen und Entsorgungen dokumentieren

Ein großer Batzen Bürokratie und Mehraufwand kommt mit der neuen Gewerbeabfallverordnung auf das Handwerk zu. Die Regelung gilt ab dem 1. August 2017 und betrifft jeden Betrieb, unabhängig von Größe und Gewerk. Knapp zusammengefasst: Gewerblicher Abfall muss künftig deutlich strenger getrennt werden als zuvor. Das betrifft grundsätzliche alle Unternehmen, jedoch im größten Ausmaß das Baugewerbe. Zudem müssen Betriebe künftig genau Buch darüber führen, wie viel sie wann und in welcher Form entsorgen. Von dieser Dokumentationspflicht sind alle Betriebe gleichermaßen betroffen. Detaillierte Informationen zu der neuen Gewerbeabfallverordnung können sie unserem ausführlichen Beitrag zum Thema entnehmen.

Fünf Handwerksberufe wurden zum neuen Ausbildungsjahr modernisiert

Der 1. August ist für viele junge Menschen auch der erste Tag ihrer Ausbildung. Zwölf Ausbildungsberufe sind ab diesem Lehrjahr anders gestaltet als noch in den Jahren davor. Darunter fünf Handwerksberufe. Vor allem die Digitalisierung spielte eine große Rolle bei der Modernisierung der Ausbildungsberufe. Die neuen Azubis lernen ihren Beruf nun deutlich praxisnaher. Folgende Handwerkausbildungen wurden modernisiert:

  • Automobilkaufmann/Automobilkauffrau
  • Bürsten- und Pinselmacher/Bürsten- und Pinselmacherin
  • Fleischer/Fleischerin
  • Klavier- und Cembalobauer/Klavier- und Cembalobauerin
  • Verfahrenstechnologe/Verfahrenstechnologin Mühlen- und Getreidewirtschaft

Was sich in diesen Ausbildungsberufen detailliert verändert, welche Berufe im kommenden Jahr modernisiert werden und was die Hintergründe sind, erfahren Sie in unserem ausführlichen Beitrag zu den modernisierten Ausbildungsberufen .

Arbeit an großen Heizöltanks nur noch mit Zertifizierung

Ab dem 1. August dürfen nur noch zertifizierte Fachbetriebe an Anlagen mit wassergefährdenden Stoffen arbeiten. Das besagt die neue bundeseinheitliche "Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen" (AwSV). Die Regelung gilt für Anlagen, die mehr als 1.000 Liter fassen. Betroffen sind also z.B. Tankstellen, Raffinerien, Galvanikanlagen, Biogasanlagen, aber auch die meisten privaten Heizölbehälter. Zur Heizöltankanlage zählen dabei der Tank selbst, die Füll- und Entnahmeleitungen sowie die Lüftungsleitung. Handwerksbetriebe, die Arbeiten an entsprechenden Anlagen vornehmen möchten, müssen ab sofort eine Zertifizierung vorweisen. Hierfür muss ein technisch verantwortlicher Mitarbeiter (Meister oder Dipl.-Ing.) eine Prüfung ablegen. Zudem muss der Betrieb Mitglied einer Überwachungsgemeinschaft werden. Die Zertifizierung muss alle zwei Jahre erneuert werden. Die Verpflichtung trifft Handwerksbetriebe aus verschiedenen Gewerken. So zum Beispiel Sanitär-, Heizungs- und Klimabetriebe, Maler und Lackierer und Tankreiniger .

Ausführliche Informationen können Sie unserem Beitrag "Ohne Zertifizierung keine Arbeiten an Öltanks mehr" entnehmen.

Liste der Berufskrankheiten wächst um fünf Erkrankungen

Die Liste der anerkannten Berufserkrankungen wächst ab dem 5. August um fünf weitere Erkrankungen an. Um als solche anerkannt zu werden, muss nachgewiesen werden, dass die Krankheit durch besondere Einwirkungen verursacht wird, denen bestimmte Personengruppen durch ihre Arbeit erheblich stärker ausgesetzt sind als die übrige Bevölkerung. Es muss also einen "kausalen Zusammenhang" zwischen der Erkrankung und der Arbeit des Betroffenen geben. Die neu aufgenommenen Berufskrankheiten sind:

  • Leukämie durch Butadien
  • Harnblasenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • Fokale Dystonie

Außerdem wurden zwei bereits bestehende Berufskrankheiten um weitere Formen erweitert:

  • Berufskrankheit Nummer 4113 (Lungenkrebs durch PAK) um die Erkrankung Kehlkopfkrebs
  • Berufskrankheit Nummer 4104 (Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs in Verbindung mit Asbest) um Eierstockkrebs

Der Kontakt mit PAK ist in manchen Handwerksberufen durchaus möglich. Welche dies sind, was bei einem Verdacht zu unternehmen ist und welche Berufskrankheiten noch gelistet sind, erfahren Sie in unserem ausführlichen Beitrag zu Berufskrankheiten .

Verbraucher werden durch neue Energielabels nicht mehr in die Irre geführt

Im Frühjahr hat das EU-Parlament neue Energielabels beschlossen. Nun tritt die neue Verordnung in Kraft. Bislang wurde die Energieeffizienz von Elektrogeräten in A+, A++ oder A+++ dargestellt. Und das sorgte offenbar für allerlei Verwirrung bei den Verbrauchern. Verständlicher soll die neue Bewertungsskala sein. Künftig wird die Energieeffizienz von Kühlschränken, Waschmaschinen und anderen Elektrogeräten anhand einer Skala von A bis G dargestellt. Besonders effiziente Geräte erhalten dabei ein grün hinterlegtes A. Strom fresser werden hingegen mit einem dunkelorangen G gekennzeichnet. Ausführliche Informationen zu den neuen Energielabels finden Sie in unserem ausführlichen Beitrag zum Thema . fre