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Headhunter im Handwerk Abwerben am Telefon: Was erlaubt ist und was nicht

Was ist erlaubt, wenn sich ein Konkurrent oder Personalberater bei Mitarbeitern während der Arbeitszeit am Telefon meldet, um sie abzuwerben? Fest steht: Chefs müssen sich dabei nicht alles gefallen lassen.

Die schlechte Nachricht zuerst: Grundsätzlich ist das Abwerben eines Mitarbeiters durch ein anderes Unternehmen erlaubt. Durch den sich zuspitzenden Fachkräftemangel wird sich diese Vorgehensweise in den kommenden Jahren im Handwerk sicherlich noch verschärfen. Das Problem ist in der Branche bekannt - etwa am Bau, in Metzgereien und bei Hörakustikern.

Jetzt die gute Nachricht: Ein Chef muss nicht tatenlos zusehen und sich alles gefallen lassen. Er kann sich gegen allzu aufdringliche Abwerbeversuche wehren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat hierzu klare Regeln aufgestellt und bereits im Jahr 2004 zur direkten Ansprache von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz ausgeführt: Es sei eine mit den guten Sitten im Wettbewerb nicht zu vereinbarende Störung des betrieblichen Arbeitsablaufs, wenn das Gespräch über eine knappe Stellenbeschreibung hinausgehe (BGH, Az.: I ZR 221/01).

Ein Wettbewerbsverstoß liegt demnach dann vor, wenn der Anruf über eine erste kurze Kontaktaufnahme hinausgeht. Für den Arbeitgeber heißt das: Im Zuge des freien Wettbewerbs muss er hinnehmen, dass Mitarbeiter abgeworben werden. Aber er muss nicht uneingeschränkt dulden, dass Mittel seines Betriebes beansprucht werden, um einen Mitarbeiter abzuwerben und der Arbeitsablauf in seinem Betrieb gestört wird.

Die Grenze, wie lange der Erstkontakt am Arbeitsplatz dauern darf, um noch als hinnehmbar zu gelten, ist schwer zu ziehen. Doch dauert er länger als wenige Minuten, wertet dies der BGH als Indiz, dass der Kontakt wettbewerbswidrig war. Ruft ein Konkurrent oder Personalberater bei einem Mitarbeiter eines fremden Unternehmens an, muss er laut BGH so vorgehen:
  • Sich bekannt machen und den Zweck des Anrufs nennen.
  • Feststellen, ob der Angerufene Interesse an der Kontaktaufnahme und zu diesem Zeitpunkt hat.
  • Falls ja, die angebotenen Stelle kurz beschreiben.
  • Bei Interesse eine Kontaktmöglichkeit außerhalb des Arbeitsbereichs vereinbaren.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat mit Bezug auf diese Grundsätze im vergangenen August ausgeführt, dass dies am Arbeitsplatz auch für Anrufe auf privaten Mobiltelefonen gilt (OLG Frankfurt, Az.: 6 U 51/18). In diesem Fall muss der Personalberater bei einem Anruf auf eine Mobilnummer abfragen, ob sich der Angerufene an seinem Arbeitsplatz oder bei der Arbeit befindet.

Alles, was darüber hinausgeht, wertet das Gericht als unlauteren Wettbewerb. Dazu zählt beispielsweise, wenn der Headhunter im Erstgespräch Daten und Tätigkeiten aus dem Lebenslauf des Mitarbeiters anspricht (BGH, Az.: I ZR 183/04).

Jeder weitere Folgekontakt am Arbeitsplatz oder bei der Arbeit – ob auf dem Festnetztelefon oder auf einer Mobilnummer – ist wettbewerbsrechtlich unzulässig.
Kommt es zu unzulässigen Folgekontakten, kann der Arbeitgeber einen Unterlassungsantrag stellen. Damit hat er die Möglichkeit, dem Wettbewerber zu untersagen, seine Mitarbeiter unaufgefordert an ihrem Arbeitsplatz anzurufen und abzuwerben, wenn das Telefongespräch über eine erste Kontaktaufnahme hinausgeht. dan

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