Handwerk bei den Paralympischen Spielen in Rio Paralympics: Orthopädietechniker unterstützt die Athleten vor Ort

Ohne Tom läuft bei den Paralympics 2016 in Rio nichts – und damit ist nicht das lustige Mascottchen der Weltspiele der Behindertensportler gemeint, sondern Orthopädietechniker Thomas Kipping. Der Handwerker ist vor Ort und sorgt im Hintergrund dafür, dass die Sportler sich auf ihre Wettkämpfe konzentrieren können.

Jessica Baker

Damit sich die Athleten bei den Paralympics in Rio auf den Wettkampf konzentrieren können, kümmert sich ein Technikerteam um sie. Mit dabei Orthopädietechniker Thomas Kipping. - © ugrum1/Fotolia.com

Vollgepackt mit Bohrmaschine, Heißluftfön, Oszillierende Säge, Schwingschleifer und verschiedene Polster- und Kunststoffmaterialien hat er sich bereits einige Tage vor dem Beginn der Wettkämpfe auf den Weg nach Rio gemacht. Während der Paralympics, vom 7. bis zum 18. September ist er dann rund um die Uhr für die Versorgung der Sportler zuständig.

Gemeinsam mit 4.700 Athletinnen und Athleten sowie ca. 2.000 Trainer, Betreuer, Physios und Ärzte wohnt er in einem der vielen zwölf-stöckigen Hochhäuser im olympischen Dorf. Kipping ist der einzige Orthopädietechniker im Team der deutschen Nationalmannschaft. "Meine Aufgabe besteht darin, alle technischen Hilfsmittel (Prothesen, Orthesen, Roll- und Wurfstühle) im Notfall zu reparieren beziehungsweise zu optimieren. Hier ist in erster Linie ein kreatives und schnelles Handeln gefragt. Man hat ja nur einen kleinen Teil der heimischen Werkstatt dabei", sagt Kipping.

Mit den Einrichtungen vor Ort in Rio ist der Orthopädietechniker sehr zufrieden: "Ich habe hier perfekte Möglichkeiten meine 'Mini-Werkstatt' aufzubauen und zu nutzen.“ Das sei immer eine große "Unbekannte" vor solchen Großevents, da er vorher nicht genau wisse, wie die Räumlichkeiten in den Unterkünften aussehen. „Hier ist es optimal – in anderen Fällen musste ich schon mein Hotelzimmer zur Werkstatt umfunktionieren. Flexibilität ist gefragt."

Gute Betreuung in Rio

2012 in London konnte die deutsche paralympische Mannschaft insgesamt 66 Medaillen gewinnen. Auch damals war Kipping mit dabei und leistete mit seinen Kollegen aus dem Technikteam laut Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik mehr als 10.000 ehrenamtliche Überstunden. Bei diesen besonderen Einsätzen steht für den Handwerker aus  Stockum-Püschen in Rheinland-Pfalz die Arbeit im Team an erster Stelle. "Wir tun alles im Hintergrund, damit der Athlet seinen Sport erfolgreich umsetzen kann. Somit freut man sich über eine Medaille als hätte man selbst eine gewonnen", sagt Kipping.

Von Rio selbst hat der Orthopädietechnikmeister noch nichts gesehen. "Schließlich sind wir hier nicht im Urlaub sondern wir vertreten unser Land bei den paralympischen Spielen." Die oft negative Berichterstattung über die Zustände im olympischen Dorf und den Shuttletransport zu den Sportstätten kann er nicht bestätigen. "Die Organisation, die Unterkünfte, das Essen sowie der Shuttledienst funktionieren einwandfrei. Die Brasilianer, die uns hier Rund um die Uhr betreuen sind sehr zuvorkommend, lachen viel und helfen wo es nur geht."

Athleten den Rücken freihalten

Nachdem Kipping nun schon einige Jahre Erfahrungen gesammelt hat, weiß er, welche Fähigkeiten nötig sind, um bei den Paralympics erfolgreich zu arbeiten: "Alles muss in jedem Fall schnell gehen damit die Sportler sich wieder auf das konzentrieren können warum sie hier sind." Vor den Spielen habe er bisher nur mit kleineren Ausfällen zu kämpfen: zum Beispiel mit einer Sohlenplatte unter den Carbonfedern, die sich gelöst hat, oder mit einem Spike, der im Gewinde festhängt.

Mehr Fälle werden es dann natürlich, wenn ab 8. September die Wettkämpfe anfangen. Mit Thomas Kipping haben die Athleten dann einen Experten vor Ort, der alles dafür tut, um ihnen den Rücken freizuhalten.

Thomas Kipping in seiner "Mini Werkstatt" in Rio. - © Thomas Kipping

So sieht der Tagesablauf von Thomas Kipping bei den Paralympics aus

  • 6 Uhr aufstehen
  • 6.30 Uhr Frühstück, Anschließend Besprechung mit den Trainern
  • 10 Uhr Fahrt zum Trainings- oder Wettkampfplatz mit Notwerkzeugkiste
  • 14 Uhr Mittagspause
  • 16 Uhr Fahrt zum Trainings- oder Wettkampfplatz
  • 21 Uhr Abendessen
  • 22 Uhr Teamsitzung – anschließend, wenn notwendig noch Reparaturen

Orthopädietechniker Markus Rehm trägt die deutsche Fahne in Rio

Er ist Orthopädietechniker-Meister, Leistungssportler und Goldgewinner der Paralympics: Markus Rehm. In Rio darf er die Fahne der Paralympics-Mannschaft ins Stadion tragen. - © Foto: OT

Die deutsche Paralympics-Mannschaft wird bei der Eröffnungsfeier am 7. September von Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm als Fahnenträger ins Maracana-Stadion geführt. Das gab der Deutsche Behindertensportverband (DBS) am bekannt.

Rehm hat im Alter von 14 Jahren sein rechtes unteres Beim bei einem Wakeboard-Unfall verloren, als ihn das Boot überfuhr. Heute ist er Orthopädietechnikermeister.

Seit seinem internationalen Debüt 2009, als Rehm bei der Junioren-Weltmeisterschaft Gold im Weitsprung gewonnen hatte, holt der Athlet eine Medaille nach der anderen. Neben Paralympics-Gold und Bronze mit der 4x100-m-Staffel 2012 in London hat Rehm drei Siege bei Europa- und Weltmeisterschaften im Weitsprung der einseitig Unterschenkelamputierten (Klasse T44) auf seinem Konto, dazu kommen zwei Titel mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel bei den Weltmeisterschaften 2015 und den Europameisterschaften 2016.

Weitere Informationen zu Markus Rehm gibt es hier.

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