Versorgung geht an Hörgeräteakustikern vorbei Schwerhörige beklagen fehlende Qualität beim verkürzten Versorgungsweg

Der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB) äußert sich besorgt über die wachsende Anzahl an Hörgeräten, die über HNO-Ärzte vertrieben und fernmedizinisch angepasst werden. Die durch den so genannten verkürzten Versorgungsweg erzielten Einsparungen gingen zulasten der Patienten.

Hörgeräteakustiker bieten qualifizierte individuelle Versorgung. Der Schwerhörigenbund beklagt deshalb eine steigende Anzahl an Verträgen mit dem "verkürzten Versorgungsweg", der dies nicht bieten kann. - © Foto: Kzenon/Fotolia.com

Nach Auskunft des DSB schließen immer mehr Krankenkassen Verträge mit Anbietern des so genannten verkürzten Versorgungswegs. Dabei bieten HNO-Ärzte in Kooperation mit Leistungserbringern den Schwerhörigen eine Versorgung mit Hörgeräten an. Grund für den Abschluss solcher Verträge sind die deutlich geringeren Preise für die Patientenversorgung. Nach Erkenntnissen des DSB bekommt laut Vertrag mit der AOK ein HNO-Arzt 125 Euro pro versorgtem Ohr oder 160 Euro für an Taubheit grenzend schwerhörge Patienten. Leistungserbringer bekämen für das Hörgerät und seine Anpassung aus der Ferne 475 Euro pro versorgtem Ohr oder 550 Euro bei stark Schwerhörigen.

Die mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen festgelegten Festbeträge sind jedoch deutlich höher: Sie liegen bei 784,94 Euro bzw. 841,94 Euro und sind laut DSB so bemessen, dass ein Hörgeräteakustiker in direktem Kontakt mit dem Patienten Hörgeräte anpasst und an diesen verkauft. Der DSB hat als Interessenvertretung der Patienten zwar ein Mitspracherecht bei der Festsetzung der Festbeträge, jedoch keinen Einblick in die Verträge der Krankenkassen. Der DSB beklagt diese Intransparenz.

Schwerhörigenbund: Versorgungsqualität fehlt

Der DSB lehnt den "verkürzten Versorgungsweg" aufgrund der fehlenden Versorgungsqualität ab. Die Versorgung finde in der Artzpraxis statt, HNO-Ärzte hätten jedoch keine Qualifikation zur Hörgeräteanpassung. Ohne direkten Kontakt mit dem Patienten wähle ein Leistungserbringer die Hörgeräte aus und verschicke sie an den Arzt, der sie an den Patienten aushändigt. Eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten sei so nicht möglich. Für die Wartung, Reparaturen, Ersatz- oder Zusatzgeräte steht dann ebenfalls kein Hörgeräteakustiker zur Verfügung.

Die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker (biha) bestätigt die Angaben des DSB und registriert ebenfalls einen erheblichen Anstieg der Verträge zum verkürzten Versorgungsweg. fm