Enger Ferienkorridor Sommerferien: Auswirkungen des Ferienplans auf Handwerksbetriebe

Die Sommerferien in den einzelnen Bundesländern liegen in diesem Jahr geballter als sonst. Bereits jetzt gibt es Warnungen vor ausgebuchten Flügen und Hotelzimmern. Auch Handwerksbetriebe machen Ferien. Ob die Warnungen auch für sie zutreffen?

Handwerker, die in diesem Jahr in ihren Ferien am Strand liegen möchten, brauchen sich keine Sorgen zu machen. Auch wenn viele Bundesländer auf einmal Sommerferien haben. - © Foto: Stefan Sauer

Die Sommerferien der Bundesländer überlappen sich 2014 so stark wie selten zuvor. Handwerker, die in ihren wohlverdienten Sommerurlaub fahren oder fliegen möchten, könnten eventuell Probleme bekommen. Reiseveranstalter warnen vor vor knappen Flugtickets und Hotelbetten, wenn mehr Menschen gleichzeitig in den Urlaub wollen als sonst - und das zur wichtigsten Reisezeit des Jahres. "Wer spät bucht, könnte leer ausgehen", warnt Europas größter Reisekonzern Tui. Doch Experten halten solche Warnungen für übertrieben - ebenso wie Ängste vor einer Preisexplosion .

Die Fakten sprechen erst einmal für sich. Anders als in anderen Jahren sind in allen deutschen Bundesländern dieses Mal drei Wochen lang gleichzeitig Ferien. Vom ersten bis zum letzten Sommerferientag sind es nur 73 Tage, in früheren Jahren waren es schon mal um die 90. Doch Fluggesellschaften haben nicht mehr Flugzeuge, die Hotels an Mittelmeer und Nordsee nicht mehr Betten zur Verfügung als sonst.

Handwerker nicht zwingend von Sommerferien abhängig

Im Gegensatz zu Familien und Lehrer sind Handwerksunternehmer nicht so stark von den Schulferien abhängig und müssen nicht zwingend um vorhandene Plätze ringen. In vielen Bundesländern sind die so genannten Handwerkerferien bereits zurückgegangen. Am verbreitesten sind sie noch in Baden-Württemberg. Die meisten Betriebe in Deutschland arbeiten im Sommer mit verkleinerter Besetzung. Kunden müssen in dieser Zeit mit einer verlängerten Bearbeitungszeit ihrer Aufträge rechen. Doch sollten sich Handwerksbetriebe doch entschließen, Ferien zu machen, können sie von den kurzfristig erstellen Angeboten der Reiseveranstalter auswählen.

Bei vielen jungen Reiseveranstalter wie JT Touristik ist dieses Modell sogar der Kern ihres Geschäfts. Zugleich macht es das Internet den Kunden immer einfacher, sich eine Reise mit Flug und Hotel selbst zusammenzustellen. Außerdem nimmt nicht jeder das Flugzeug: Viele Deutsche machen ohnehin Urlaub im eigenen Land, kommen mit Auto oder Bahn ans Ziel.

Ob das auch für die Handwerksbetriebe gilt, kann man nicht pauschalisieren. Doch auch Betriebsinhaber, die für ein bis zwei Wochen ausspannen wollen, brauchen sich keine Sorgen zu machen.

Kein Grund zur Panikmache

Professor Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) hält die Warnung vor einem knappen Urlaubsangebot daher weitgehend für Panikmache."Man bekommt vielleicht nicht die Unterkunft, die man haben wollte. Aber dass man wegen der Schulferienregelung gar keine Unterkunft im gewünschten Zielgebiet findet, halte ich für ausgeschlossen", sagt der Experte. In Wirklichkeit gebe es überhaupt kein Kapazitätsproblem .

Die Fur hat dazu das Urlaubsreiseverhalten in den Jahren 2002 und 2003 analysiert, als sich die Sommerferien erst über 89, dann nur noch über 77 Tage erstreckten. "Trotzdem wuchs der Anteil der Sommerreisen, die in den Monaten Juli und August stattfanden, lediglich von 60,4 auf 60,8 Prozent", sagt Lohmann.

Dass Urlaub in den Ferien in diesem Jahr teurer wird, ist dem Experten zufolge zwar nicht ausgeschlossen. Lohmann zufolge ist jedoch nur rund jeder dritte Sommerurlauber von den Schulferien abhängig. Wenn viele andere Reisewillige schon mit Blick aufs Portemonnaie auf andere Zeiten ausweichen, dürfte der zusätzliche Touristenansturm in den Ferien tatsächlich nur einen Hauch in der Statistik ausmachen. Deshalb zu Hause bleiben muss dann jedenfalls niemand. dpa/dhz