Umso älter, umso mehr Wartung und Reparatur: Mehr als sechs Millionen Autos auf Deutschlands Straßen sind älter als 15 Jahre – Tendenz steigend. Für die Kfz-Branche bedeuten die immer zahlreicheren Oldtimer und Youngtimer ein Milliardengeschäft. Die Werkstätten können hier mit besonderen Qualifikationen punkten.
Rund 6,5 Millionen sogenannter Classic Cars rollen über deutsche Straßen. Und diese Oldtimer-Fans stecken Zeit und viel Geld in ihr geliebtes Automobil. Jährlich etwa 14,1 Milliarden Euro kommen so für Wartungs-, Reparatur- und Restaurationsarbeiten, für Versicherungen, Reifen und Felgen zusammen, zeigt eine Studie Autoverbände, VDA und VDIK, sowie des Kfz-Gewerbes . Kosten für Anschaffung und Sprit sind in der Aufstellung noch nicht enthalten.
Standards für Werkstätten
Der Bestand der Oldtimer und Youngtimer ist in den vergangenen fünf Jahren den Angaben zufolge kontinuierlich um durchschnittlich acht Prozent gewachsen – und damit die Umsätze in der Kfz-Branche. Dabei dominieren den heimischen Oldtimer-Bestand die Marken Volkswagen und Mercedes-Benz mit 89.000 bzw. 80.000 Fahrzeugen. Als erste europäische Importmarke findet sich Fiat auf Platz 7. Die Top Fünf führt der VW-Käfer an, gefolgt von Mercedes W123, Opel Kadett sowie Mercedes-Benz Strich-8 und Mercedes-Benz SL 107.
Die Kfz-Werkstätten und die Aus- und Weiterbildungsstätten passen sich an das wachsende Geschäft an. So hat das Kfz-Gewerbe mit dem Zusatz-Zertifikat "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge" auf die Entwicklung reagiert. "Wir haben im Kfz-Gewerbe bestimmte Standards festgelegt, die ein Betrieb erfüllen muss, wenn er das Zusatzzeichen führen will", erläutert der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Robert Rademacher. Dieses Zeichen vergibt der Verband seit dem Jahr 2009 an Betriebe, die diese vertraglich festgelegten Standards bei der Wartung und Instandsetzung der historischen Fahrzeuge erfüllen.
Bundesweit gibt es heute über 1.500 Betriebe, die sich gesondert um die Classic Cars kümmern. "Die Anforderungen für Reparatur, Wartung und Restaurierung von Oldtimern sind besonders hoch. Es kommt auf spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten an, gepaart mit Erfahrung, die nicht in jedem Kfz-Betrieb vorhanden sind", sagt Rademacher.
Wirtschaftlich interessantes Klientel

Die Szene der Oldtimer-Besitzer ist allerdings deutlich zweigeteilt und entsprechend unterschiedlich sind auch die Anforderungen, die die Fahrzeuge stellen. Denn 61 Prozent der erfassten Wagen werden von ihren Besitzern noch täglich benutzt, über 11.000 Kilometer im Jahr gefahren und sind im Schnitt mal gerade noch 2.000 Euro wert.
Die Besitzer dieser Wagen wenden relativ wenig Geld für ihre Autos auf und sind für die Branche in erster Linie als künftiger Käufer interessant. "Der Fahrer eines alten Gebrauchtwagens wird in wenigen Jahren einen jungen Gebrauchten kaufen – und eines Tages einen Neuwagen", erklärt der ZDK-Präsident.
Das wirtschaftlich eigentlich interessante Klientel mit seinen mehr als 30 Jahre alten Oldtimern oder gut gepflegten, nur in der Freizeit genutzten Youngtimern greift deutlich tiefer in die Tasche, haben Marktstudien und die Befragung von 1.700 Besitzern solcher Autos ergeben. Einen Oldtimer lassen sich die Fans im Jahr durchschnittlich 5.300 Euro kosten, bei den Freizeit-Youngtimern sind es 2.900 Euro. Der Durchschnittswert eines Oldtimers beträgt gut 19.600 Euro, Freizeit-Youngtimer kommen auf rund 11.400 Euro.
Historische Spitzenfahrzeuge sind allerdings nur etwas für den großen Geldbeutel, wie jüngst die "Essen Motor Show" zeigte. Dort standen ein Mercedes Cabriolet aus den 30er Jahren für knapp zwei Millionen Euro und ein historisches Horch-Cabrio in etwa derselben Preisklasse zum Verkauf. dhz/dpa
