Gerade 20 Jahre alt und schon ein Oldtimer: Wer ein Auto besitzt, dass älter als 20 Jahre ist, kann eine günstige Oldtimer-Versicherung abschließen. Doch nicht alleine das Alter ist ausschlaggebend - darüber hinaus gibt es einiges zu beachten.

Besitzer von Oldtimern hegen und pflegen ihr Auto meist. Und wenn sie auf der Straße unterwegs sind, dann meist mit besonderer Vorsicht. Was als Liebe zum Automobil gilt, hat ganz nüchterne Folgen für die Kfz-Versicherung.
Denn die Versicherer gehen von einem geringen Schadensrisiko aus. So bieten sie günstige Haftpflichttarife für die Autos an und nehmen keine Einstufung in Schadensfreiheitsklassen vor. Es wird lediglich der niedrigste Tarif berechnet. Wer einen Versicherungsschutz für seinen Oldtimer sucht, sollte jedoch neben dem Preis auch auf die Deckungssumme und andere Leistungen achten.
Ab einem Alter von 20 Jahren können Autos als Oldtimer günstig versichert werden und ab 30 Jahren auch historische Motorräder und LKW. "Doch das Alter ist nicht die einzige Bedingung", erläutert Martin Stromberg, Geschäftsführer beim Marktbeobachter Classic Data. "Das zu versichernde Auto muss in einem gut erhaltenen Originalzustand sein. Den gilt es nachzuweisen. Sei es in Form von Fotos oder eines Gutachtens."
Nachweisen, dass Auto ein Liebhaberfahrzeug ist
Neben dem Oldtimer-Kurzgutachten zur Versicherungseinstufung gibt es Wertgutachten zur Ermittlung des aktuellen Marktwertes und Oldtimer-Gutachten nach Paragraf 23 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) zum Erhalten des H-Kennzeichens.
Die meisten Versicherer verlangen das Kurzgutachten für Youngtimer zwischen 20 und 29 Jahren. Bei Autos zwischen 20 und 29 Jahren sei "es nicht einfach nachzuweisen, ob es sich um ein potenzielles Liebhaberfahrzeug handelt, sprich: um einen Youngtimer", erläutert Stromberg Der von den Versicherern geforderte Mindestwert liegt meist bei 4.000 bis 5.000 Euro.
Verschiedene Alterskategorien
Auch das Gutachten zum Erlangen des H-Kennzeichens ist bei vielen Versicherern ein Muss. Es belegt den erhaltenswerten Zustand des Fahrzeugs. "Allerdings ist das H-Kennzeichen keine grundsätzliche Bedingung für den Abschluss einer Oldtimerversicherung", so Stromberg. Immer bedeute es aber die steuerliche Einstufung als Oldtimer, die mit einheitlichen 191,73 Euro pro Jahr gesetzlich geregelt ist.
Die Versicherungen für Oldtimer gliedern sich ebenso wie normale Kfz-Versicherungen in Haftpflicht, Teil- und Vollkasko. "Bei der Berechnung der zu zahlenden Versicherungsprämie ist zunächst das Alter des Fahrzeugs ausschlaggebend", erklärt Tobias E. Weissflog, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten (BdV). "Die Kategorien umfassen Altersstufen von 20 bis 29 Jahren, von 30 bis 44 Jahren und über 45 Jahre."
Anderes Fahrzeug muss Haupt-Pkw sein
Das Alter spielt auch bei den Fahrern eine Rolle. "Sie dürfen bei den meisten Versicherern erst in einem Alter ab 23, bei manchen Versicherern ab 25 Jahren eine Haftpflichtversicherung abschließen", sagt Weissflog. Ein Pkw, den der Halter als Hauptfahrzeug nutzt, ist laut BdV ebenfalls Voraussetzung. Nachweis hierfür ist die Police dieses Alltags-Pkws. Weitere Bedingung sei, dass der Oldtimer in einer abschließbaren Garage untergebracht ist. Außerdem dürfe die jährliche Fahrleistung nicht über 9.000 Kilometern liegen.
Über den normalen Versicherungsschutz hinaus bieten Oldtimer-Versicherungen eine Allgefahrendeckung an. Hier sind grundsätzlich alle Gefahren versichert. "Dies gilt für Motorschäden, Bruchschäden, Getriebeschäden, Transportschäden oder Schäden, die in Reparaturwerkstätten passieren", sagt Weissflog. Nicht versicherte Gefahren müssen im Vertrag daher ausdrücklich ausgeschlossen sein. Dazu zählen beispielsweise Schäden durch altersbedingten Verschleiß.
Oldtimer brauchen maßgenschneiderte Versicherung
Wer das Fahrzeug etwa gegen Diebstahl oder Vandalismus versichern möchte, benötigt eine zusätzliche Kaskoversicherung. Dazu verlangen die Gesellschaften ein aktuelles Marktwertgutachten. "Nur gut erhaltene und sich weitgehend im Originalzustand befindliche Kraftfahrzeuge erhalten eine Kaskoversicherung", so Weissflog. Der Beitrag richtet sich nach dem ermittelten Wert - und liegt oft weit höher als der Haftpflichtbeitrag, der sich meist bei unter 100 Euro bewegt.
Zahlreiche Unternehmen haben Oldtimer-Versicherungen mittlerweile in ihrem Portfolio. "Das Thema ist beratungsintensiv und erfordert maßgeschneiderte Lösungen", sagt Franz Graf zu Ortenburg vom Automobilclub von Deutschland (AvD) und rät von Online-Vergleichsportalen ab. Zu Ortenburg empfiehlt, Angebote bei unterschiedlichen Versicherern einzuholen.
Spezieller Schutzbrief für Oldtimer
Auch Schutzbriefe können in den Versicherungen enthalten sein. "Eine Panne bei einem Oldtimer erfordert oft Leistungen, die über eine normale Mitgliedschaft in einem Automobilclub hinausgehen", warnt der Experte des AvD. "Bleibt etwa ein Oldtimer mit Motorschaden oder Unfall liegen, ist mit vielen Standard-Schutzbriefen nur der Transport zur nächsten Werkstatt gewährleistet." Nicht inbegriffen sei der Transport in eine weiter entfernte Spezialwerkstatt. Und die werden Oldtimerfans für ihre motorisierten Schätzchen sicher bevorzugt aufsuchen wollen. dpa/dhz