Ergebnisse des Werkstatt-Tests Freie Kfz-Werkstätten brauchen Qualitätskontrollen

Beim ADAC-Werkstatttest erhalten vor allem freie Kfz-Werkstätten schlechte Noten. Mehr interne Kontrollen könnten helfen, Prozesse zu optimieren und Ergebnisse zu verbessern. Fraglich ist, ob immer jede Arbeit nötig ist.

Frank Muck

Wirklich nötig: Ob der Ölstand stimmt oder nicht, ist für die Funktionstüchtigkeit eines Autos sicher wichtiger als der Zustand der Wischerblätter. - © Foto: jörn buchheim/fotolia.com

Für den Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) war es ein Problem zu großer Routine. Ein Übersehen von Mängeln, wie es im ADAC-Werkstatttest so vielen Werkstätten passiert sei, habe so gut wie nie mit mangelnder Erfahrung des Personals zu tun. Der Verband wolle die Ergebnisse nicht beschönigen. Doch wenn die Testfahrzeuge mit wirklich kapitalen Mängeln an Bremsen, Lenkung und Fahrwerk präpariert worden wären, dann hätte es garantiert lauter Bestnoten gegeben.

Fehler wurden nicht gefunden

Außerdem sei die im Test vorgenommene Trennung zwischen freien Werkstätten und Werkstattketten, die im Test besser abgeschnitten hatten, problematisch. "Die Kooperationspartner der vom ADAC im Test ausgewählten drei Werkstattkonzepte sind selbstständig geführte Betriebe", sagt ein ZDK-Sprecher. Sie stünden den übrigen ­freien Werkstätten näher als einem zentral gesteuerten Filialisten.

Weit entfernt waren die freien Werkstätten laut ADAC-Tester von Bestnoten. 78 Prozent der getesteten Werkstätten seien glatt durchgefallen. 28 von 36 untersuchten Betrieben bekamen die Note "mangelhaft". Ein Pro­blem: Viele Betriebe hätten die Inspektionsliste nicht sogfältig abgearbeitet, denn einige der versteckten Fehler ­seien einfach nicht gefunden worden.

Der Meister muss sich Zeit nehmen

Für Reiner Schnorr ist der Fall klar. Es liege einfach an der fehlenden Kon­trolle der verantwortlichen Leute, sagt der Obermeister der Kfz-Innung Wuppertal. Schnorr, der selbst Inhaber einer freien Kfz-Werkstatt ist, rät dazu, die Arbeitsaufträge mit den ausführenden Gesellen nochmal durchzugehen und stichprobenartig auch die Ausführung der Arbeiten zu kontrollieren.

Seite 2: Werkstätten könnte bald die nötige Kompetenz fehlen .>>>

Es gebe einfach zu viele Werkstätten, wo die Verantwortlichen ihrer Aufsichtsfunktion nicht nachgingen – sei es aus Überlastung oder aus Nachlässigkeit. Doch Schnorr ist der festen Überzeugung, dass sich der Chef, ein Meister oder ein Altgeselle dafür Zeit nehmen muss.

Für Charles McKay liegt das Grundproblem darin, dass bei vielen Mitarbeitern die Einsicht fehlt, dass Prozessschritte nötig sind, um die Qualität der Arbeitsleistung zu sichern. Es gehe darum, das Richtige zu tun und das dann auch noch richtig zu machen. Der Professor für Automobilwirtschaft an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen sieht die Gefahr, dass die Tätigkeiten, die rund um ein Auto abzuarbeiten sind, immer komplexer werden und Fehler von den Mitarbeitern nicht mehr erkannt, geschweige denn gelöst werden können. Dieses Problem werde sich mit fehlendem Nachwuchs weiter verschärfen.

Ausweg Spezialisierung

Ein Ausweg ist nach seiner Ansicht die Spezialisierung. Immer mehr Kfz-Werkstätten würden zwar die allermeisten Service-Dienstleistungen noch anbieten, aber bei Spezialfällen, so wie es heutzutage schon bei Reifen- oder Karosseriearbeiten passiert, zunehmend an Spezialisten weitergeben. Dieser Trend werde sich auch bei mechanischen und elektronischen Arbeiten verstärken. Die Schwierigkeit dabei ist die Terminvergabe und die Abarbeitung der Aufträge in angemessenen Zeiträumen.

Aber man müsse auch "die Kirche im Dorf lassen", sagt McKay. Entscheidend bleibe das Vertrauensverhältnis zum Kunden. So lange der Kunde weiß, was, wie viel und zu welchem Zweck gemacht wird, sei auch nicht alles nötig, was laut Serviceliste vorgeschrieben ist. Das Wechseln der Wischerblätter im Sommer etwa erachtet nicht jeder Kunde als notwendig.

Gewappnet für den Test

Eine Broschüre des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) gibt Empfehlungen, wie eine optimale Qualität in der Werkstatt erarbeitet werden kann und wie man die betrieblichen Voraussetzungen schafft, um für positive Testergebnisse zu sorgen. Ziel müsse es sein, die notwendige Kontinuität in den Geschäftsalltag zu bringen, um Fehlerquellen von vornherein zu umgehen. Wer sich strikt an diese Empfehlungen halte, werde in die Lage versetzt, jeden Test mit Bestnote zu bestehen, heißt es.

Download: Mitgliedsbetriebe können die Broschüre aus dem internen Bereich des ZDK-Internetauftritts kfzgewerbe.de herunterladen (Rubrik Beratung & Service/ Werkstatt & Teile/ Reparatur & Wartung/ Allgemeines)