Seit dem Wegfall der Meisterpflicht im Fliesenlegerhandwerk kommt es immer wieder zu erheblichen Mängeln auf Baustellen und bei Kunden vor Ort. Fachverbände befürchten, dass Handwerksqualifikationen verloren gehen und fordern die Meisterpflicht wieder einzuführen. Gemeinsam haben sie nun ein Schreiben an den Bundestag geschickt.
Jana Tashina Wörrle

Ende 2003 waren im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk in Deutschland zwischen 12.000 und 15.000 Betriebe in die Handwerksrolle eingetragen. Heute sind es etwa 60.000, bestätigt der Fachverband Fliesen und Naturstein im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB).
Mit der Anzahl der Betriebe sind aber auch die Mängel erheblich gestiegen, die bei Fliesen- und Natursteinarbeiten auftreten können. Rund 9.000 Euro betrug dadurch die durchschnittliche Schadenssumme für die Bauherrn, ergab eine Expertenumfrage unter Sachverständigen im Jahr 2011.
Mindestqualifikationen gefordert
Schuld an der Misere ist nach Ansicht des Fachverbands der Wegfall der Meisterpflicht zum Beginn des Jahres 2004. Zusammen mit dem Industrieverband Keramische Fliesen + Platten fordern die Branchenvertreter die Bundesregierung nun auf, im Fliesenlegerhandwerk wieder bindende Mindestqualifikationen und damit die Meisterpflicht wieder einzuführen.
In einem Schreiben an Abgeordnete des Deutschen Bundestages fordern sie, dass die Handwerksordnung geändert werden müsse. Gerichtet ist das Schreiben an die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie und schon bereits jetzt hat der Fachverband des ZDB "eine erste positive Rückmeldung" bekommen, bestätigte der Geschäftsführer Rudolf Voos gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung .
Know-how geht verloren
Durch die aktuelle Gesetzeslage könne sich "jeder, der sich berufen fühlt, das Fliesenlegerhandwerk ohne eine notwendige Vorbildung ausüben", heißt es in dem Schreiben. Und weiter: "Das führt langfristig zu einem dramatischen Verlust von Wissen und Know-how." Dazu kommt, dass viele der nicht-qualifizierten Unternehmen nicht ausbilden und so gerade in Zeiten, in denen die Fachkräfteengpässe stetig zunehmen, neue Probleme entstehen.
Aber nicht nur die Qualifikationen gehen dabei verloren. Schaden entsteht auch direkt bei den Kunden der Handwerker vor Ort wie die bereits erwähnte Expertenumfrage zeigte. In Einzelfällen entstanden bei den untersuchten Mängeln Schadenssummen von bis zu 93.000 Euro. Aus Sicht der Sachverständigen ist bei Meistern und Gesellen die Qualität in der Ausführung unverändert hoch .
"Die Expertenbefragung zeigt deutlich, dass bei einer Beauftragung eines unqualifizierten Betriebes die Wahrscheinlichkeit für eine mangelhafte Fliesenlegerarbeit hoch ist", warnte ZDB-Präsident Hans-Hartwig Loewenstein, als die Ergebnisse veröffentlicht wurden.
Bleibt abzuwarten, ob sich der Bundestag mit dem Thema befassen wird.