Traditioneller Handwerksberuf Gerber-Ausbildung wird modernisiert

Der "Gerber" wird zur "Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik". Damit werden die erhöhten Qualitäts- und Umweltanforderungen in der Ausbildung berücksichtigt.

Der Gerber, einer der traditionsreichsten Handwerksberufe, heißt künftig Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik. - © Foto: Mirco Taliercio

Leder ist eines der ersten Materialien, die Menschen verarbeiteten. Heute sind Gegenstände aus Leder allgegenwärtig: Schuhe und Kleidung, Etuis, Taschen und Gürtel, Möbel, Pkw-Innenausstattungen, Sattelzeug oder Sportgeräte.

Der Beruf für die Bearbeitung dieses Naturproduktes wandelt sich stetig, erhöhte Qualitäts- und Umweltanforderungen sind in der Ausbildung zu berücksichtigen. Aus diesem Grund wird aus dem Traditionsberuf "Gerber/Gerberin" jetzt die "Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik" .

Neue Ausbildungsordnung greift ab 1. August

Gemeinsam mit Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die dreijährige Berufsausbildung modernisiert. Die neue Ausbildungsordnung tritt zum 1. August in Kraft.

Die Lederherstellung ist ein aufwändiger und langwieriger Veredelungsprozess, bei dem die Tierhaut rund 40 Verarbeitungsstufen durchlaufen muss.

Zum Aufgabenbereich einer Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik gehört es, die Maschinen und Anlagen einzurichten, sie zu bedienen und die verschiedenen Gerb-, Trocknungs- und Zurichtungsprozesse auszuführen. Sie überwacht die Prozessabläufe und korrigiert diese bei Bedarf. Auch die Endkontrolle ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit.

Hohe Qualitätsansprüche

Die moderne Lederherstellung stellt höchste Ansprüche an Produktqualität und Nachhaltigkeit. Umwelt- und ressourcensparende Gerbverfahren kommen ebenso zur Anwendung wie ausnahmslos ökologisch und gesundheitlich unbedenkliche chemische Hilfsmittel.

Außerdem  ist der Umgang mit Nebenprodukten wie Leimleder oder Geweberesten wichtig. Diese werden zu verschiedenen Produkten weiterverarbeitet. Beispielsweise zu Gelatine, Wurstdärmen oder Ummantelung für Tabletten.

Das Ziel der neuen Berufsbezeichnung "Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik" ist es, die ganze Bandbreite des Berufsbildes zu verdeutlichen.

Aktuell 39 Azubis

Die dreijährige Berufsausbildung absolvieren derzeit bundesweit 39 Auszubildende. Gerber sind in handwerklichen und industriellen Gerbereien, Lederzurichtbetrieben und Entwicklungsabteilungen der chemischen Hilfsmittelindustrie beschäftigt. dhz

Weiterführende Informationen zur Ausbildung zur Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik gibt es beim Bundesinstitut für Berufsbildung.