Neue Ausbildungszahlen des BIBB Ausbildungsbilanz 2014: Viele unbesetzte Lehrstellen

Viele Bewerber finden keine Ausbildungsstelle und viele Betriebe können ihre Lehrstellen nicht besetzen. Die neue Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung zeigt Ursachen und Lösungswege.

Bewerber und Betriebe finden immer weniger Zusammen. - © Foto: Colourbox

In diesem Ausbildungsjahr wurden wieder weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen. Die Zahl sank auf 522.200, 1,4 Prozent weniger verglichen mit 2013. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge sank dabei bundesweit um 5.800 auf 502.100. Bei den außerbetrieblichen Ausbildungsverträgen ging die Zahl um 1.500 auf 20.100 zurück, das sind über sieben Prozent. So die Ergebnisse der aktuellen Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Im September waren noch 37.100 unbesetzte Lehrstellen gemeldet. Gleichzeitig gibt es neben den 20.900 unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern noch 60.300 weitere ausbildungsreife Bewerber, die zwar ein Studium oder eine andere Bildungsmaßnahme begonnen haben, aber dennoch für das laufende Jahr in eine Ausbildung vermittelt werden wollen.

Auch im Handwerk sind immer noch mehr freie Lehrstellen gemeldet, als vor einem Jahr. Im November wurden noch rund 20.000 freie Ausbildungsplätze gezählt, rund 5.000 mehr als vor Jahresfrist. So die Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Bewerber und Betriebe passen immer weniger zusammen

Laut BIBB hat der Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge noch andere Ursachen: der demografisch bedingte Rückgang der Zahl der Schulabsolventinnen und -absolventen, die höhere Studierneigung, aber auch die nachlassende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe.

Außerdem wird es zunehmend schwieriger, Betriebe und Auszubildende zusammenzubringen. Regionen mit vielen unbesetzten Ausbildungsstellen stehen Regionen gegenüber, in denen es Jugendliche besonders schwer haben, einen Ausbildungsplatz zu finden. Nicht nur regional, sondern auch zwischen den einzelnen Berufen gibt es Passungsprobleme. Hier setzt das Programm "Jobstarter Plus" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung an. Es bringt kleine und mittlere Betriebe (KMU), die besondere Schwierigkeiten haben offene Ausbildungsplätze zu besetzen, und Ausbildungsbewerber zusammen.

Lösungsansätze: Neue Allianz für Aus- und Weiterbildung

Um eine drohende Fachkräftelücke zu vermeiden, hat das Handwerk die Bildung einer Allianz für Aus- und Weiterbildung unterstützt. Diese Initiative ist die Weiterentwicklung des Ausbildungspaktes. Neben Bund, Wirtschaft und Ländern beteiligen sich auch die Gewerkschaften.

"Die Allianz will eine umfassende und ausgewogene Berufs- und Studienorientierung an allen Schulformen unterstützen. Die assistierte Ausbildung soll künftig bundesweit umgesetzt werden. Insbesondere Klein- und Kleinstbetriebe erhalten so die notwendige Hilfe bei der betrieblichen Ausbildung von Jugendlichen mit hohem Unterstützungsbedarf", sagt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer.

Duale Ausbildung weiter stärken

Das Handwerk selbst bemüht sich zunehmend um leistungsstarke Auszubildende. Durch weitere Zusatzangebote während der Ausbildung, das duale Studium und systematische Fortbildungsangebote soll der Weg ins Handwerk auch für Abiturienten und Studienaussteiger noch attraktiver gestaltet werden.

Frauen sind eine weitere wichtige Zielgruppe, die das Handwerk in größerer Zahl gewinnen will. Das Angebot einer Teilzeitausbildung für junge Eltern und eine gezielte Ansprache im Rahmen der Imagekampagne und der Berufsorientierung sind entscheidende Ansätze auf diesem Weg.

Auch Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, dankt den Ausbildungsbetrieben für ihr Engagement und ruft dazu auf, weiter in die betriebliche Ausbildung zu investieren. "Angesichts der Lage auf dem Ausbildungsmarkt müssen wir jetzt gemeinsam handeln, damit die berufliche Bildung in Deutschland weiterhin ein Erfolgsmodell für Jugendliche und Betriebe bleibt und der Fachkräftebedarf der deutschen Wirtschaft auch in Zukunft gesichert ist." jb