Bundesleistungswettbewerb Handwerkerinnen auf Konkurrenzkurs

Viele talentierte Handwerkerinnen machen den Männern jedes Jahr beim Bundesleistungswettbewerb Konkurrenz. Sie sind auch Vorbilder für den Girls’Day im März. Die Geschichte drei erfolgreicher Frauen.

Mirabell Schmidt

Die beste Steinbildhauerin: Elisabeth Mankel - © Foto: Damm

Es war das Kleid, das sie an ihrem Abschlussball in der Tanzschule trug, das sie zu ihrem jetzigen Beruf brachte. Denn was fehlte, war eine passende Tasche. "In der Nacht habe ich von der perfekten Tasche geträumt und sie dann selbst genäht", erzählt Sarah Baron. Seitdem beschäftigte sich die heute 19-Jährige immer mehr mit dem Handwerk. Zuerst für sich, dann folgten ein Praktikum und schließlich die Ausbildung zur Maßschneiderin.

Die beste Maßschneiderin: Sarah Baron. - © Foto: Rudi Merkl

Frauen machen Männern Konkurrenz

Im vergangenen Jahr waren 36 Prozent der 857 Teilnehmer Frauen. Und obwohl viele Handwerksberufe nach wie vor Männerdomänen sind, be­weisen die Frauen, dass sie den Männern in nichts nachstehen: Fast ein Drittel der Sieger waren 2013 Hand­werkerinnen.

"Ich bin völlig ausgeflippt, als ich erfuhr, dass ich gewonnen habe“, erzählt Baron. Ihr Gesellenstück – ein Cocktailkleid und ein Mantel – hatte sie schon drei Monate zuvor eingeschickt und kaum noch daran gedacht.

Viel handwerkliches Geschick

Seit 1951 ermitteln Innungen, Kammern und Zentralverband jedes Jahr die besten Junghandwerker. Seit 1988 gibt es zudem den Gestaltungswettbewerb "Die Gute Form", bei dem vor ­allem Ästhetik und Kreativität wichtig sind – neben viel handwerklichem ­Geschick.

Platz zwei im Technischen Modellbau: Verena Büchl. - © Foto: Gillert

Handwerkliches Geschick wie das von Elisabeth Mankel. Sie ist eine der wenigen Frauen, die den Bundesleistungswettbewerb in einer typischen Männerdomäne gewinnen konnten. Als die Steinbildhauerin die Bewerbung für ihren Ausbildungsplatz schrieb, habe sie gar nicht daran geglaubt, dass sie erfolgreich sein könnte. "Mädchen haben es im Handwerk ja doch oft eher schwer", sagt sie. Doch nur wenig später hatte sie die Stelle. Schließlich nahm sie beim Bundeswettbewerb teil.

Girls' Day soll Mädchen ins Handwerk bringen

Um mehr junge Frauen ins Handwerk zu bringen, veranstalten ZDH und Kammern jedes Jahr den Girls‘Day. Für einen Tag können Mädchen in typische Männerberufe reinschnuppern. Frauen wie Mankel und Büchl sind dafür die besten Vorbilder.

Denn auch Verena Büchl zeigte es dem anderen Geschlecht: Sie ist eine der besten Junggesellen in einem ansonsten eher männlich dominierten Beruf. Als technische Modellbauerin holte sie den zweiten Platz beim Wettbewerb. Büchl schaffte es zwar nicht zur Preisverleihung. "Es ist schön, dass es den Bundesleistungswettbewerb gibt", sagt die Handwerkerin trotzdem. "Das war das I-Tüpfelchen."

Bevor sie die Ausbildung begann, studierte die 27-Jährige Architektur in München. "Ich hatte keine Lust, weiter vor dem Computer zu sitzen, ich wollte handwerklich arbeiten", sagt Büchl. Dann habe sie festgestellt, dass "technischer Modellbau" ein Ausbildungsberuf ist. Und sie machte sich gut.

Also schickte Büchl ihr Gesellenstück ein – eine Straßenlaterne. Ihre Konkurrenten kannte sie alle, denn in dem Gewerk gibt es deutschlandweit pro Jahr nur eine Berufsschulklasse. Überrascht über ihr gutes Abschneiden war Büchl trotzdem: "Ich hatte immer ganz gute Noten, aber dass ich den zweiten Platz erreichen würde, damit habe ich nicht gerechnet."

Girls' Day

Damit mehr Mädchen typische Männerberufe ergreifen, gibt es seit 14 Jahren den Girls‘Day. Junge Frauen werden an diesem Tag eingeladen, technische und naturwissenschaftliche Berufe im Handwerk kennenzulernen. Der nächste Girls’Day findet am 27. März statt.