Rund 30.000 Ausbildungsplätze blieben im vergangenen Jahr unbesetzt. Für Betriebe wird es schwieriger, Azubis zu finden. Betroffen sind laut einem Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums vor allem kleine Betriebe. Das Handwerk müsse auf lange Sicht mit dieser Herausforderung fertig werden, sagte ZDH-Präsident Otto Kentzler. Wichtig sei es deshalb den jungen Leuten zu zeigen, dass das Handwerk gute Karrierechancen in modernen Betrieben biete.

Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung konnten in den ersten neun Monaten 2012 knapp 33.200 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden - davon rund die Hälfte im Handwerk. Das waren zwölf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zwar ist auch die Zahl der Bewerber, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben, gestiegen. Doch gibt es aktuell doppelt so viele unbesetzte Stellen wie potenzielle Bewerber.
Zahl der Schulabgänger steigt
Davon betroffen sind vor allem kleine Unternehmen: Fast ein Drittel der Betriebe mit maximal neun Beschäftigten gab 2011 im Qualifizierungsmonitor des Bundeswirtschaftsministeriums an, große Schwierigkeiten zu haben, Auszubildende zu finden.
Das Problem wird sich nach Meinung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) weiter verstärken. Denn die Zahl der Schulabgänger wird weiter sinken. Zudem erwarten imme rhin 17 Prozent der Unternehmen künftig einen steigenden Bedarf an Auszubildenden. Nur sechs Prozent rechnen damit, dass ihr Bedarf abnimmt.
Für deutsche Unternehmen wird es daher immer wichtiger, sich rechtzeitig im Wettbewerb um Auszubildende zu positionieren, etwa indem sie Kooperationen mit Schulen eingehen, wie das IW Köln rät.
Handwerk muss zeigen, was es zu bieten hat
Laut ZDH-Präsident Kentzler ist es vor allem wichtig, dass das Handwerk weite rhin an seinem Image arbeitet. In einem Interview mit der Fachzeitschrift "journalist" sagte er: "Das Bild vom Handwerk braucht ein Update. Handwerker nutzen heutzutage viele innovative Techniken, neuartige Materialien und modernste Computertechnik – das ist Schulabgängern aber nicht ausreichend bewusst."
Eine besondere Stärke sei außerdem der persönliche menschliche Umgang in kleinen und mittleren Betrieben, wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Regel in den gesamten Prozess eingebunden sind.
Kentzler betonte zudem, dass sich handwerkliche und akademische Ausbildung nicht ausschließen würden. Der Anteil der Abiturienten sei in den vergangenen Jahren vor allem in medizinnahen Berufen deutlich gestiegen. Bei Hörgeräteakustikern liegt er über 50 Prozent, Augenoptiker, Orthopädiemechaniker oder Zahntechniker sind ebenfalls begehrt. Viele Abiturienten wählen auch Berufe wie Bootsbauer, Maßschneider oder Kraftfahrzeugmechatroniker.
Das Handwerk habe bereits an Attraktivität gewonnen, auch dank der Imagekampagne und den vielen Betrieben, die sich intensiv um die Weiterbildung ihrer Belegschaft kümmern und familienfreundliche Arbeitsbedingungen für junge Väter und Mütter schaffen.
Ein weiterer Trumpf ist nach Ansicht von Kentzler sicher die Selbstständigkeit. "Das Handwerk braucht viele junge und engagierte Chefs, denn tausende Betriebe werden in den kommenden Jahren einen Nachfolger suchen." rh
Mehr Informationen zu den einzelnen Berufsbildern bieten die Handwerkskammern oder die Website des Handwerks unter handwerk.de
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