Die Arbeitswelt von morgen wird noch stärker durch das Internet geprägt sein. Für das Handwerk ergeben sich daraus viele Chancen, aber auch manche Risiken. Dem Zufall sollte man die Entwicklung nicht überlassen. Da waren sich die Teilnehmer des ZDH-Unternehmerforums einig.

Der Veränderungsdruck durch das Internet ist auch im Handwerk deutlich zu spüren. "Das Handwerk ist eng in die Digitalisierung der Gesamtwirtschaft eingebunden", sagte Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer beim ZDH-Unternehmerforum in Berlin. Viele Unternehmen nutzten das Internet, um ihre Angebot zu verbessern. Gleichzeitig spürten sie aber auch die Risiken der Digitalisierung.
"Arbeit 4.0" brauche Regeln, forderte Wollseifer etwa mit Blick auf die über Suchmaschinen oder Online-Portale digital vermittelten handwerklichen Dienstleitungen. "Wir beobachten mit Sorge, dass erbrachte Leistungen vielfach auf Scheinselbstständigkeit und Selbstausbeutung beruhen", sagte er. Dies sei kein fairer Wettbewerb und sei für viele andere Betriebe existenzbedrohend. "Es ist von gesamtwirtschaftlichem Interesse, dass Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen, Entlohnung und bei der Altersvorsorgepflicht für Soloselbstständige festgeschrieben werden", forderte er.
DGB sieht Handlungsbedarf bei Soloselbstständigen
Auch DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sieht dringenden Handlungsbedarf. „Wir wehren uns dagegen, wenn gute und anständig bezahlte und sozial abgesicherte Handwerksleistungen durch Billigangebote aus dem Netz und durch Lohndumping verdrängt werden. Stattdessen müsse dafür gesorgt werden, dass auch für Soloselbstständige, die ihre Leistungen über das Netz anbieten, Mindesthonorare, arbeitsrechtliche Standards und die Einbeziehung in die sozialen Sicherungssysteme gelten. "Das bewährte deutsche Modell der Mitbestimmung, der Tarifautonomie und der sozialen Sicherheit muss in die digitale Arbeitswelt überführt werden", forderte er. Wichtig sei außerdem, das Thema Digitalisierung noch stärker in die Aus- und Weiterbildung zu integrieren, sagte Körzell. Generell sei die Weiterbildungsquote im Handwerk immer noch geringer als in anderen Branchen.
Handwerk fällt bei Digitalisierung etwas zurück
Insgesamt ist die Digitalisierung im Handwerk nicht ganz so fortgeschritten wie in der Gesamtwirtschaft. Dies machte der Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Professor Michael Hüther, deutlich. So sei der Grad der Digitalisierung bei 52,8 Prozent der Handwerksbetriebe "eher gering", während dies in der gesamten Wirtschaft für41 Prozent der Unternehmen gelte. Bei rund 31 Prozent der Betriebe sei der Digitalisierungsgrad "mittel".
In der Gesamtwirtschaft liege der Wer bei knapp 27 Prozent. Insgesamt sei - bis auf einige wenige Vorreiter-Unternehmen - bei vielen Unternehmen eine abwartende Haltung zu spüren. Umso wichtiger ist nach Ansicht Hüthers, dass die Politik endlich für eine bessere digitale Infrastruktur in der Fläche und für mehr Rechtsklarheit bei Daten sorge. Mit Blick auf die Anforderungen an die Arbeitskräfte machte Hüther deutlich, dass "Erfahrungswissen" der Handwerker, auch künftig gefragt sei.
Karl-Heinz Schneider, Dachdeckermeister und Vizepräsident des Unternehmerverbandes Deutschen Handwerks ist ebenfalls optimistisch. "Vor der Digitalisierung brauchen wir keine Angst zu haben", sagte er. Sie biete viele Chancen für die tägliche Arbeit, etwa im Kontakt zwischen Betrieben und Baustellen. Risiken sieht allerdings auch er durch Billigkonkurrenz von Soloselbstständigen. Die Politik scheint das Problem erkannt zu haben. Wie die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Carola Reimann, versicherte, ist eine Versicherungspflicht für Soloselbstständige im Gespräch.