Schattenwirtschaft im Baugewerbe Schwarzarbeit: Netzwerk aufgedeckt

Schwarzarbeit im großen Stil: Zollbeamte haben am Dienstag in München und Berlin mehrere Baufirmen durchsucht und Verdächtige festgenommen. Ein Netzwerk soll jahrelang mit Hilfe von Scheinfirmen und Scheinrechnungen mehrere Millionen Euro in schwarze Kassen geleitet haben.

Schwarzarbeit am Bau: Zollfahnder haben ein Netzwerk von Firmen aufgedeckt, die viele Handwerker illegal beschäftigten. - © Foto: Kadmy/Fotolia

Die Schattenwirtschaft boomt und ist in der Baubranche verhältnismäßig am größten. Allein im vergangenen Jahr hat der Zoll bundesweit Schäden durch Schwarzarbeit im Umfang von insgesamt rund 777 Millionen Euro aufgedeckt. 2012 waren es noch 25 Millionen Euro weniger gewesen.

Am Dienstag glückte den Zollfahndern nun allerdings ein Schlag gegen ein großes Schwarzarbeiter- Netzwerk, das sowohl in München als auch in Berlin tätig gewesen sein soll. Bei Razzien in beiden Städten und in mehreren Baufirmen wurden der Staatanwaltschaft München I zufolge sieben Verdächtige festgenommen. Nach zwei weiteren Personen wird noch gefahndet.

Millionenbetrug am Staat und den Sozialkassen

Das Netzwerk soll jahrelang Staat und Sozialkassen um hohe Millionenbeträge betrogen haben. Angestellt waren Handwerker verschiedenster Gewerks, darunter Maurer, Fliesenleger und Dachdecker. Nach Berichten der "Süddeutschen Zeitung" sollen sie Löhne in Höhe von nur 500 bis 700 Euro im Monat bekommen haben, für die weder Steuern noch Sozialabgaben gezahlt wurden.

Die Arbeiter seien nach Erkenntnissen der Behörden ebenso betrogen worden wie Staat und Sozialkassen. Mit Hilfe von Scheinfirmen und Scheinrechnungen sollen über mehrere Jahre hinweg jeweils 50 bis 100 Millionen Euro in schwarze Kassen geleitet worden sein.

Kontrollen gegen illegale Beschäftigung führt die Finanzkontrolle Schwarzarbeit durch. Doch immer wieder gerät sie in Kritik, weil angeblich Personal fehle und Kontrollen nur unzureichend durchgeführt werden können. Laut "tagesschau.de" soll sich das künftig ändern, denn das zuständige Bundesfinanzministerium hat zugesagt, dass die Finanzkontrolle Schwarzarbeit zum 1. Oktober dieses Jahres neu strukturiert wird und damit schlagkräftiger werden soll. Nötig ist das auch, weil die Beamten zukünftig auch die Einhaltung der Mindestlöhne übernehmen sollen.

Schwarzarbeit könnte steigen

Nach den Berechnungen von Wirtschaftsexperten der Universität Linz und des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) wird der gesetzliche Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro die Schattenwirtschaft weiter erhöhen. Sie könnte demnach um 1,2 Milliarden Euro steigen, weil Firmen versuchen den Mindestlohn zu umgehen. Mit diesen Prognosen schließen die IAW-Forscher an Ergebnisse einer Studie des IW-Köln an. Diese befürchtet, dass durch den Mindestlohn Beschäftigte in kleinen Betrieben entlassen und als Scheinselbstständige wieder angestellt werden könnten.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) sieht dagegen eher die hohen Lohnzusatzkosten als starke Belastung und damit als Anreiz für Schwarzarbeit. "Natürlich überlegen es sich manche Häuslebauer zwei Mal, ob sie nicht auf eine Rechnung verzichten wollen, wenn das die Preise derart stark senkt", sagt Ilona Klein, Sprecherin des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Kritisch sieht sie auch die Rente mit 63, die für viele ein Anreiz sein könnte, trotz Ruhestand etwas dazuverdienen zu wollen.

Umgangen würden geltende Regelungen auch durch den Wegfall der Meisterpflicht wie beispielsweise im Fliesenlegerhandwerk. "Oft kommen einzelne Selbstständige auf eine Baustelle, geben sich offiziell als Fliesenleger aus und machen dann alle anderen arbeiten mit", erklärt Ilona Klein. Da zu wenige Kontrollen stattfinden, handle es sich bei diesen Beschäftigten oft um Scheinselbstständige. "Jeder Schwarzarbeiter verhindert, dass auf dem Bau neue reguläre Arbeitsstellen geschaffen werden können." dhz/dpa