EU-Pläne für Herkunftsbezeichnung "Made in Germany" unter Verdacht

Das "Made in Germany" ist in Gefahr. Die EU plant neue Regeln zur Herkunftsbezeichnung von Exportprodukten. Deutsche Abgeordnete sehen keinen Änderungsbedarf.

Burkhard Riering

Der Herkunftsnachweis "Made in Germany" soll einheitliche Kriterien bekommen. Die Wirtschaft sieht die Bürokratielast steigen, die Verbraucher würden endlich wissen, was hinter dem Siegel steckt. - © Foto: Fotolia

Unternehmen in der EU müssen mit mehr Bürokratie rechnen, wenn sie ein Produkt auf den Markt bringen wollen. Die Herkunftskennzeichnung („made in ...“) soll Pflicht werden. Dies sieht der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz vor.

Der Parlamentskreis Mittelstand (PKM Europe) in Brüssel warnt: "Die deutsche Wirtschaft hat keine Probleme mit einer freiwilligen Made-in-Kennzeichnung, wie es bislang der Fall ist. Verpflichtende Angaben haben aber keinen Mehrwert“, teilten die PKM-Europe-Sprecher Markus Pieper und Markus Ferber mit. Kommission und Parlament schafften durch die neue Regelung zusätzliche Barrieren, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Bisher sind „Made in“-Ursprungsbezeichnungen in der EU freiwillig.

Letzter Produktionsort zählt

Für Produkte, die in Deutschland entwickelt worden sind, aber in China ganz oder teils hergestellt wurden, könnte dann ein „made in China“ verpflichtend werden. "Eine verpflichtende Made-in-Kennzeichnung, die einseitig auf den letzten Produktionsort abstellt, schafft keinerlei Transparenz für den Verbraucher", sagt Andreas Schwab, Binnenmarktexperte der CDU/CSU-Fraktion in Brüssel.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist besorgt. DIHK-Chef Eric Schweitzer sagte der "Welt": "Das über 100 Jahre alte Gütesiegel gerät immer mehr in Gefahr. Nach der EU-Kommission hat jetzt auch der Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlaments für einen Vorschlag gestimmt, der auf eine Aushöhlung der Qualitätsbezeichnung für deutsche Produkte hinausläuft." Berlin müsse für den Erhalt der Bezeichnung kämpfen.

Bereits im vergangenen Sommer hatten die Bundesminister Ilse Aigner (CSU) und Philipp Rösler (FDP) in einem Brief an Brüssel die Rücknahme der Reform der Ursprungskennzeichnung gefordert. 

"Made in Germany" einst ein Warnhinweis

"Made in Germany" gilt heute weltweit als Zeichen für Qualität, Technik und Design. das war nciht immer so: Die Briten haben das Siegel Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt, um vor billiger Massenware aus deutschen Landen zu warnen. Das führte in der Folge zu einer breiten Qualitätsoffensive in Deutschland.