Berlin und Paris beraten um Eurokrise Finanzmärkte spekulieren mit Euro-Crash

Deutschland und Frankreich wollen mit gemeinsamen Vorschlägen die Lösung der Eurokrise vorantreiben. Geht es nach den Finanzmärkten, sollte eine Lösung bald gefunden werden. Sie berücksichtigten bei der Preisbildung bereits ein Auseinanderbrechen des Euroraums.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Francois Hollande in Berlin. - © Guido Bergmann/Pool/Bundesregierung/dapd

Nach einem Treffen am Montag in Berlin kündigten die Finanzminister beider Länder, Wolfgang Schäuble (CDU) und Pierre Moscovici die Gründung eines Arbeitsstabes an.

Dieser soll gemeinsame Positionen zum Ausbau der Bankenaufsicht und zur Stärkung der Fiskal- und Währungsunion vorbereiten sowie Vorschläge zur Stärkung der Wachstumskräfte in Europa vorlegen. Beide Länder wollten "sehr eng zusammenarbeiten", sagte Schäuble.

Moscovici sagte, die Vorschläge sollten bis Oktober vorliegen. Er nannte das Treffen mit Schäuble ein Zeichen dafür, dass beide Staaten in ihrer Zusammenarbeit nach vorne kommen wollten.

Der Arbeitsstab soll sich auch mit Vorschlägen für Griechenland und Spanien befassen. Schäuble sagte, der Arbeitsstab solle auf Grundlage der vorangegangenen Gespräche von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten François Hollande mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras "gemeinsame Entscheidungen" vorbereiten.

EZB-Direktor: Lage an Finanzmärkten weiter verschlechtert

Merkel und Hollande hat nach ihren jüngsten Gesprächen mit Samaras mehrfach versichert, vor weiteren Entscheidungen solle der Troika-Bericht abgewartet werden. Von ihm wird eine Bestandsaufnahme der griechischen Anstrengungen zur Krisenbewältigung erwartet. Im Falle Spanien geht es laut Schäuble vor allem um die Rekapitalisierung der Banken.

Indes geht die Abwärtsentwicklung an den Finanzmärkten nach Ansicht von EZB-Direktor Asmussen weiter. Die Lage an den Finanzmärkten in der Eurozone habe sich seit Mitte letzten Jahres noch einmal verschlechtert, sagte das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) laut Manuskript gestern bei einem parlamentarischen Abend der Hamburger Außenstelle der Bundesbank.

Asmussen sagte, die Risikoprämien, die von Investoren in Staatsanleihen verlangt würden, spiegelten mittlerweile nicht nur das Insolvenzrisiko einzelner Staaten wider, sondern sogar ein Wechselkursrisiko, das es theoretisch in der Währungsunion nicht geben dürfte. Die Märkte berücksichtigten bei der Preisbildung schon ein Auseinanderbrechen des Euroraums. dapd