TV-Show "Die Millionenidee" Von der Werkstatt ins Lidl-Regal? Schuhmacher bei "Die Millionenidee"

Seit mehr als 40 Jahren ist Matthias Ewelt Schuhmacher. Jetzt will er mit einer Einlegesohle, die sich beim Gehen an den Fuß anpasst, zu Lidl. Ob das klappt, zeigt SAT.1 am Sonntag in der neuen Show "Die Millionenidee".

Ralf Dümmel begutachtet die Einlegesohle mikroKORKI von Schuhmacher Matthias Ewelt und seiner Frau Katrin. - © Joyn

Manche Ideen brauchen viele Jahre, bis sie reif sind. Bei Matthias Ewelt aus Dettingen unter Teck war es genau so. Der 60-jährige Schuhmacher hat eine individuell anpassbare Einlegesohle entwickelt, die er "mikroKORKI" nennt. Gemeinsam mit seiner Frau Katrin hat er sich damit bei der TV-Sendung "Die Millionenidee" mit Ralf Dümmel beworben – und wurde eingeladen.

In der neuen Show können Menschen ihre Erfindungen Unternehmer Ralf Dümmel vorstellen – auch wenn das Produkt noch nicht fertig ist. Wählt er eine Idee aus, unterstützt er Entwicklung und Vermarktung und trägt das finanzielle Risiko. Der Clou: Die fertigen Produkte schaffen es direkt in den Handel und werden bei Lidl verkauft. Den Gewinn teilen sich Dümmel und der Ideengeber. So können auch Menschen ohne Unternehmen oder großes Startkapital ihre Idee verwirklichen.

Eine Idee aus der Schublade

Die berufliche Karriere von Matthias Ewelt beginnt im Alter von 15 Jahren und der Reparatur von Schuhen. Heute betreibt er zusammen mit seiner Ehefrau einen Schuhladen mit Werkstatt auf 250 Quadratmetern – 7.000 bis 8.000 Kunden haben die beiden in 16 Jahren betreut. "Schuhmacherei ist mir in die Wiege gelegt", sagt er. Doch neben dem Tagesgeschäft habe ihn eine Idee nie losgelassen. Jahrzehntelang habe sie in der Schublade gelegen, wurde immer wieder herausgeholt, weitergedacht, zurückgelegt. Das Ergebnis: die mikroKORKIs.

Die Einlegesohlen bestehen aus einer speziellen Mischung mit Gummi- und Korkanteilen. Sie lassen sich schon bei Temperaturen deutlich unter 100 Grad thermoplastisch verformen. Weil der Schuhmacher seine erste Sohle in der Mikrowelle erhitzte, bekam sie ihren Namen – zum Erwärmen eignen sich aber auch Backofen oder Airfryer. Anschließend lässt man die Sohle abkühlen, bis sie nur noch angenehm warm ist, legt sie in den Schuh und läuft darin am besten barfuß vier bis fünf Minuten umher.

Durch das Zusammenspiel aus Restwärme, eigener Körpertemperatur und der natürlichen Gehbewegung passt sich das thermoplastische Material exakt und passgenau an die individuelle Fußform an. Jeder Fuß drückt seine eigenen Belastungsstellen ins Material. Danach behält die Sohle ihre Form und passt sich durch die Körpertemperatur weiter an. "Man läuft wirklich auf seinem eigenen Bett. Wie im Sand oder auf Moos."

Nachts um 2 Uhr – Der Durchbruch

Der Auslöser waren eigene Beschwerden: das ständige Stehen und Gehen auf 250 Quadratmetern Betonboden, Hornhaut an den Fersen und Hüftprobleme. Er experimentierte mit Materialien, die er aus seiner Arbeit kannte, probierte, baute, verwarf. Der Durchbruch kam mitten in der Nacht – und weil Ewelt direkt gegenüber seiner Werkstatt wohnt, war der Weg kurz: "Bin rüber, hab mir den Rohling gebaut, in den Schuh gelegt, barfuß losgelaufen, fünf Minuten, rausgeholt – und hatte eine Ganzkörper-Gänsehaut. Da habe ich gewusst, das ist es."

Was ihn zusätzlich antreibt: das, was er täglich in Kundenschuhen sieht. "Da sind Löcher drin, Bakterienherde, Schaumzeug mit Stoffbezug. Sie können selbst einen teuren Wanderschuh kaufen – was da drin ist, ist teilweise echt minderwertig" Die mikroKORKIs sollen die Lücke zwischen normaler Einlegesohle und orthopädischer Einlage schließen. "Sie stützen nicht, sie entlasten", fasst Matthias Ewelt zusammen.

Konkurrenz für seine Berufskollegen will der Schuhmacher mit der Erfindung nicht schaffen. Vielmehr soll das Produkt die Brücke zwischen serienmäßig eingelegten Sohlen und starren orthopädischen Einlagen schlagen. Und die Pflege? Abwaschen oder Waschmaschine bei 30 bis 40 Grad. Seine erste eigene KORKI hat zweieinhalb Millionen Schritte auf dem Betonboden hinter sich – und funktioniert noch immer.

Schuhmacher Matthias Ewelt und seine Frau Katrin Ewelt in der Sendung "Die Millionenidee". - © Joyn

Feedback, das unter die Haut geht

Hunderte mikroKORKIs hat Matthias Ewelt bereits in seiner Werkstatt gefertigt. Das Kundenfeedback bewegt ihn sichtlich: "Hier sind Frauen reingekommen, die haben geheult und gesagt: Herr Ewelt, ich war mit meinem Mann zwei Stunden laufen. Das war ich seit fünfzehn Jahren nicht. Er hatte keine Schmerzen." Obwohl die KORKIs kein Medizinprodukt sind, berichten Kunden von spürbarer Erleichterung. "Die Füße sind unser Fundament", sagt der Schuhmacher. "Wenn es da nicht stimmt, hat das Auswirkungen auf den ganzen Körper."

Eine Überraschung zum 60. Geburtstag

Hinter der Bewerbung bei "Die Millionenidee" steckt vor allem Katrin. Sie hat die Bewerbung eingereicht – bei Ralf Dümmel, seinem Lieblingsinvestor aus der Gründershow "Die Höhle der Löwen". Monatelang verschwieg sie ihm, dass es mit der Teilnahme geklappt hatte, obwohl er immer wieder nachfragte. Dann, an seinem 60. Geburtstag: Kamerateam vor der Tür, Ralf Dümmel im Laden. "Da ist mir die Kinnlade runtergefallen. Ich habe von nichts gewusst." Ein Geburtstag, den er nie vergessen wird.

Selbst und ständig – und trotzdem weitertüfteln

Das Ehepaar arbeitet praktisch zu zweit, seit Kurzem hilft Katrins Schwägerin geringfügig mit. Familienurlaub? Gab es kaum. Die beiden Töchter studieren BWL, werden vermutlich nicht in der Werkstatt arbeiten. Einen Nachfolger gibt es nicht. Der Handwerker nimmt es gelassen: "Ich habe noch nie ein Sofa gehabt, das bequem war." Er will gerne so lange wie möglich in seiner Werkstatt arbeiten. Das Schuhmacherhandwerk sterbe ein Stück weit aus, bedauert er. "Früher waren mehr Schuhmacher im Umfeld. Mittlerweile hat man ein Monopol – auf jeden Fall qualitativ."

Die Sendung will sich die Familie gemeinsam anschauen – mit Pizza und den Töchtern. "Weil wir in der Vergangenheit zu wenig Zeit für die Mädels hatten", sagt Katrin.

Und was rät Matthias Ewelt anderen Handwerkern mit Ideen in der Schublade? "Erst mal geheimhalten. Dann den richtigen Weg suchen, sich an kompetente Leute halten – und nur Menschen ins Boot holen, zu denen man Vertrauen hat." Von seiner Idee ist er überzeugt: "Das gehört in jeden Schuhkarton. Ab einer gewissen Preisklasse sollte es dabei sein." Ob die Idee Ralf Dümmel schlussendlich überzeugt, zeigt sich am kommenden Sonntag. Aber eines steht fest: Der Tüftler hat noch lange nicht fertig getüftelt.

Zur Sendung: "Die Millionenidee – mit Ralf Dümmel" umfasst insgesamt sechs Sendungen und läuft ab dem 8. November immer sonntags um 18:15 Uhr in SAT.1 und auf Joyn.