Die dritte Tarifrunde im Gebäudereiniger-Handwerk ist ohne Einigung geblieben – trotz eines nachgebesserten Angebots der Arbeitgeber. Rund 500 Protestierende begleiteten die Verhandlungen, die Fronten von BIV und IG BAU verhärteten sich. Rückt mit dem Auslaufen der Friedenspflicht Ende Dezember der Arbeitskampf näher?

Zwölf Stunden Verhandlung, kein Ergebnis – dafür hunderte Protestierende vor der Tür: Die dritte Verhandlungsrunde im Gebäudereiniger-Handwerk ist am Dienstagabend in Köln ohne Einigung zu Ende gegangen. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) legte ein nachgebessertes Angebot im Tarifstreit vor – die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) lehnte erneut ab. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende 2026 aus, eine weitere Verhandlungsrunde ist bislang nicht terminiert.
Arbeitgeber bessern Angebot nach
Der BIV hat sein Angebot aus der zweiten Runde aufgestockt. Für die Lohngruppe 1 bietet der Verband nun insgesamt 3,8 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 24 Monaten an. In der zweiten Runde hatte sein Angebot für diese Lohngruppe 3,4 Prozent vorgesehen. Der Aufbau bleibt unverändert: Der neue Tarifvertrag soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, in den ersten vier Monaten ist keine Erhöhung vorgesehen. Zum 1. Mai 2027 sollen die Stundenlöhne um 2 Prozent steigen – in der Einstiegslohngruppe 1 von 15,00 auf 15,30 Euro. Zum 1. Januar 2028 folgt eine weitere Erhöhung um 1,8 Prozent auf 15,58 Euro.
Christian Kloevekorn, Vorsitzender der BIV-Verhandlungskommission, begründet das Angebot mit der wirtschaftlichen Lage der Betriebe: "Wir sind der Gewerkschaft erneut entgegengekommen. Damit haben wir unsere Kompromissbereitschaft unter Beweis gestellt. Was wir allerdings nicht mitmachen, ist ein Tarifpoker auf Kosten der ökonomischen Realität."
Er verweist auf massiv steigende Kosten, insbesondere bei den Sozialabgaben, und eine spürbar nachlassende Kundennachfrage. Kloevekorn wirft der IG BAU vor, an ihrer Maximalforderung festzuhalten und wirtschaftliche Argumente zu ignorieren. Entsprechend sieht er die Verantwortung für das Scheitern der Gesprächsrunde bei der Gewerkschaft: "Das ist keine ernsthafte Verhandlungsstrategie, sondern die demonstrative Verweigerung eines Tarifkompromisses."
IG BAU: "Angebot im Cent-Bereich absolut nicht akzeptabel"
IG-BAU-Verhandlungsführerin Zeynep Bicici weist das Arbeitgeberangebot deutlich zurück: "Die Arbeitgeber haben wieder ein Angebot im Cent-Bereich vorgelegt, das absolut nicht akzeptabel ist. Die Reinigungsunternehmer verstehen einfach nicht, dass die Beschäftigten deutlich mehr im Portemonnaie brauchen, um im ganz normalen Leben über die Runden zu kommen."
Die IG BAU bleibt bei ihrer Forderung: zwei Euro mehr pro Stunde für alle Lohngruppen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Branchenmindestlohn würde damit von 15 auf 17 Euro steigen – ein Plus von 13,3 Prozent innerhalb eines Jahres. Für Glas- und Fassadenreiniger stiege der Stundenlohn von 18,40 auf 20,40 Euro.
Konkret würde die erste Stufe des BIV-Angebots in der untersten Lohngruppe 30 Cent mehr pro Stunde bringen – aber erst ab Mai 2027. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn steigt am 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro. Der Branchenmindestlohn der Gebäudereiniger läge damit in den ersten Monaten des neuen Tarifvertrags 40 Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn – nach der ersten Erhöhung im Mai bei 70 Cent mehr.
Rund 500 Protestierende begleiten Tarifrunde – Friedenspflicht endet im Dezember
Während der Verhandlungen protestierten nach Angaben der IG BAU rund 500 Beschäftigte aus ganz Deutschland vor dem Gebäude. Sie skandierten "Zwei Euro mehr" und machten ihre Streikbereitschaft deutlich.
Bicici lässt keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Gewerkschaft: "Die Stimmung unter den Beschäftigten brodelt. Sie sehen, wie Umsatz und Gewinne der Gebäudereinigungsfirmen stetig zunehmen und ihre Einnahmen durch die Inflationsrate stetig abnehmen. Unsere Antwort auf das erneute Dumping-Angebot wird den Arbeitgebern nicht gefallen." Sie verweist darauf, dass die Friedenspflicht am 31. Dezember ausläuft. Damit wären Arbeitskampfmaßnahmen ab Januar 2027 möglich..
Beschäftigungsstärkstes Handwerk Deutschlands
Das Gebäudereiniger-Handwerk beschäftigt rund 700.000 Menschen und erwirtschaftet knapp 30 Milliarden Euro Jahresumsatz. Etwa 500.000 Beschäftigte erhalten den Branchenmindestlohn, ein Großteil von ihnen sind Frauen.
