Tarifstreit Tarifverhandlung der Gebäudereiniger: Zweite Runde ohne Ergebnis

Das Gebäudereiniger-Handwerk steckt mitten in einem harten Tarifstreit. Die zweite Runde endete ergebnislos, die Positionen liegen weit auseinander. Was beim dritten Termin im November auf dem Spiel steht.

Ein Gebäudereiniger reinigt eine Fensterscheibe von außen. Die Branche beschäftigt rund 700.000 Menschen – rund 500.000 von ihnen erhalten den Branchenmindestlohn. - © xartproduction - stock.adobe.com

Die zweite Tarifrunde im Gebäudereiniger-Handwerk ist ohne Ergebnis geblieben. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) legte erstmals ein konkretes Angebot vor – die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) lehnte es ab. Nach rund vier Stunden endeten die Verhandlungen. Ein dritter Termin ist für den 3. November in Köln angesetzt.

Was die Arbeitgeber anbieten

Der BIV schlägt eine Laufzeit von 24 Monaten vor. Der neue Tarifvertrag soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. In den ersten vier Monaten – bis Ende April 2027 – soll es keine Lohnerhöhung geben. Zum 1. Mai 2027 ist eine Erhöhung von 1,8 Prozent vorgesehen, zum 1. Januar 2028 eine weitere von 1,6 Prozent. Der BIV beziffert sein Angebot auf 3,4 Prozent mehr Lohn innerhalb von 24 Monaten.

Christian Kloevekorn, Vorsitzender der BIV-Verhandlungskommission, begründet das Angebot mit der wirtschaftlichen Lage der Branche: "Wir haben ein Angebot mit Augenmaß und Stabilität vorgelegt – verantwortungsvoll und tragfähig mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe und die derzeitigen wirtschaftlichen Realitäten." Er fordert die Gewerkschaft auf, ihre Forderungen bis zur nächsten Runde anzupassen: "Wir erwarten, dass die Gewerkschaft die Zeit bis zur nächsten Tarifrunde nutzt, um ihre Forderungen an die wirtschaftlichen Realitäten anzupassen und damit den Weg für eine tragfähige Einigung zu ebnen."

Was die Gewerkschaft fordert – und warum

Die IG BAU fordert zwei Euro mehr pro Stunde für alle Lohngruppen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Branchenmindestlohn würde damit von derzeit 15 Euro auf 17 Euro steigen – ein Plus von rund 13,3 Prozent. Glas- und Fassadenreiniger kämen von 18,40 Euro auf 20,40 Euro pro Stunde – für sie wäre der prozentuale Anstieg geringer.

Zeynep Bicici, Verhandlungsführerin der IG BAU, rechnet vor, was das Arbeitgeberangebot in der untersten Lohngruppe konkret bedeuten würde: Die erste Erhöhung im Mai 2027 brächte 27 Cent mehr – von 15 Euro auf 15,27 Euro. Zum 1. Januar 2028 kämen weitere 24 Cent dazu. "Wir haben derzeit eine Inflationsrate von 2,8 Prozent, auch für das nächste Jahr wird diese Teuerung prognostiziert. Da ist doch klar, dass das Einkommen hinten und vorne nicht reichen wird", sagt Bicici.

Sie kritisiert zudem den schrumpfenden Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn. Dieser steigt am 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro. Damit läge der Branchenmindestlohn in den ersten vier Monaten des neuen Tarifvertrags nur noch 40 Cent darüber. "Unsere Branche braucht einen Attraktivitätsbonus, weil sonst die Beschäftigten in andere Berufe, die meistens nicht so beschwerlich sind, abwandern. Und sie kommen dann auch nicht mehr wieder. Das kann das Ziel nicht sein", sagt Bicici.

Auch die fehlende Erhöhung zum Jahresbeginn stößt ihr auf: "Gleich als Einstieg für einen neuen Tarifvertrag gar keinen Aufschlag vorzusehen. Wo bleibt denn da die Wertschätzung? Das kommt bei den Beschäftigten gar nicht gut an."

Protest angekündigt, Streik nicht ausgeschlossen

Die IG BAU kündigt für den dritten Verhandlungstermin am 3. November eine Protestkundgebung in der Kölner Innenstadt an. Bicici stellt einen Streik in Aussicht, falls auch der Protest nichts bewirkt: "Wir werden viele und wir werden sehr laut sein. Wir werden den Arbeitgebern zeigen, dass wir es ernst meinen mit unseren Forderungen. Und wenn das auch nicht hilft, werden wir streiken."

Größtes Handwerk in Deutschland

Das Gebäudereiniger-Handwerk beschäftigt rund 700.000 Menschen und erwirtschaftet knapp 30 Milliarden Euro Jahresumsatz – es ist damit das größte Handwerk in Deutschland. Etwa 500.000 Beschäftigte erhalten lediglich den Branchenmindestlohn, ein Großteil von ihnen sind Frauen. In den Mitgliedsbetrieben des BIV sind rund 85 Prozent aller Beschäftigten angestellt. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende 2026 aus.