Steinmetz, Goldschmiedin, Maler, Gerüstbauer, Schreiner: Lasse Peper hat auf seiner Handwerkstour erlebt, wie viel Können in jedem dieser Berufe steckt – und wie schnell Vorurteile zwischen Gewerken verschwinden, wenn man einfach mal mitanpackt. Was er auf der Tour mitgenommen hat und warum er jetzt für zwei Monate nach Tokio geht.

Morgens Steine behauen, nachmittags einen Ring schmieden: Lasse Peper, Zimmerer aus München und im Netz als "derholz.kopf" bekannt, erlebte an einem Tag zwei Gewerke, die ihn kaum unterschiedlicher fordern könnten.
Vormittags stand er in der Werkstatt von Steinmetz David Tomas, der ihm verschiedene Techniken des Behauens zeigte. Am Nachmittag ging es zu dessen Ehefrau, der Goldschmiedin Annika Tomas. Dort war Peper von Anfang an bei einem Ringprojekt dabei. Annika Tomas fragte ihn, was er sich vorstelle: Gold oder Silber? Welche Optik? Wo und wie möchte er den Ring tragen?
Der Kontrast war enorm. Der Stein, den er wenige Stunden zuvor bearbeitet hatte, war grob. Beim Schmuck dagegen brauchte es Fingerspitzengefühl: Bei jedem Schritt musste er wissen, was als Nächstes kam, damit das Material nicht brach und am Ende die gewünschte Form entstand. Den Ring trägt Lasse noch heute ab und zu, als gutes Andenken.
Die Handwerkstour: Ein Aufruf mit Echo
Dieser Tag war Teil der Handwerkstour, die Peper zusammen mit seinem Freund Sebastian Bahnemann unternommen hat. Die beiden betreiben den Kanal derholz.kopf gemeinsam und teilen sich die Arbeit zu gleichen Teilen. Bahnemann führte bei der Tour die Kamera. Schon beim Rap-Clip "Steine klopfen" hatten die beiden zusammengearbeitet.
Der Anstoß war ein Aufruf in den sozialen Medien: Hat jemand Lust, sein Handwerk auf einer größeren Bühne zu zeigen? Die Resonanz war riesig. 50 bis 60 Leute meldeten sich, und bis heute kommen neue Anfragen, etwa von Konditorinnen oder aus Süßigkeitenstuben.
Nach jedem Stopp stiegen die beiden ins Wohnmobil und waren sich meist einig: wieder ein großartiger Tag, wieder tolle Leute, wieder gute Gespräche und Aufnahmen.
Maler Ben Ngaleba: Vom Abbruch zum eigenen Betrieb
Auf der Tour traf Lasse auch den Maler Ben Ngaleba, den er vorab angeschrieben hatte. Ben ist Mister Handwerk Germany 2024. Lasse fragte ihn, wie er überhaupt zum Malerhandwerk gekommen sei. Die Geschichte: Nach einem Berufsgrundschuljahr begann Ngaleba seine Ausbildung, brach diese aber ab, weil er "noch nicht reif genug" war. Später nahm er sie wieder auf und fand einen Ausbilder, der ihm sagte, er mache das ziemlich gut, daraus könne etwas werden. Dieser Zuspruch spornte ihn so an, dass er heute, mit gut 30 Jahren, einen eigenen Betrieb mit zwei Festangestellten führt.
Lasse durfte mithelfen, es entstanden einige lustige Videos. Und er lernte: Malen ist mehr, als nur Farbe an die Wand zu bringen. Das tun Heimwerker gerne als Kleinigkeit ab, weil sie es am ehesten noch selbst können. Aber von der Vorarbeit bis zu den richtigen Materialien gehört viel dazu, so seine Erkenntnis.
Gerüstbauer Hannes: Mitdenken für die anderen
Hannes Graf von Brühl (auf Instagram als @dergeruestbauer zu finden) stammt aus dem Norden, ist Metallbaumeister und kam über eine Umschulung zum Gerüstbau.
Was Peper bei ihm beeindruckte: Wer ein Gerüst für zwei bis drei Meter Höhe stellt, ist schnell fertig. Bei Kirchtürmen oder zehnstöckigen Häusern spielt dagegen die Statik eine große Rolle. Dazu kommt das Auge fürs Detail: Ein guter Gerüstbauer baut so, dass der Zimmerer oder Spengler keine Probleme hat und etwa beim Aufhängen der Rinne weder auf den Knien noch über Kopf arbeiten muss. Das macht am Ende viel aus, auch weil viele Menschen auf einer Baustelle über ein Gerüst laufen. Jeder Handwerker ist froh, wenn der Gerüstbauer mitdenkt – und genau das tut Graf von Brühl.
Schreiner Ben Berger: Blick auf einen Creator-Profi
Peper wollte auch sehen, wie andere Handwerks-Creator arbeiten. Umso mehr freute er sich über den Besuch bei Ben Berger, einem Schreiner, der als Creator mit 224.000 Followern allein auf Instagram eine echte Hausnummer ist. Berger ist selbstständig und führt seine eigene Schreinerei zusammen mit einer Schreinermeisterin. Nebenbei dreht er spontan Videos, wenn er eine Idee und Zeit hat.
Peper imponiert, wie stimmig die Videos sind: Jeder Kamerawinkel, jede Einstellung und jede Aussage sitzt. Er vermutet, dass Berger viele Leute ins Handwerk gebracht hat. Berger ließ Peper und Bahnemann reinschnuppern und schlug direkt vor, gemeinsam ein Video zu machen. Entstanden ist ein Song – eine Mischung aus Handwerk, Comedy und ernsten Themen. Und natürlich gab es viele halb ernst gemeinte Frotzeleien zwischen Zimmerer und Schreiner.
5 Lektionen aus Pepers Handwerkstour
Peper fasst die Erkenntnisse seiner Tour folgendermaßen zusammen:
- Vorurteile lösen sich auf. Sprüche über andere Gewerke gibt es, etwa "der ist nicht so genau" oder "die lassen immer alles liegen". Aber wenn man zusammenarbeitet, merkt man schnell, dass der andere genauso Lust auf den Job hat. Peper hat auf der Tour keinen einzigen Spruch wie "Du bist doch Zimmerer, das musst du wissen" oder "War klar, dass du das nicht kannst" gehört. Gelegentliche Frotzeleien sieht er als ganz normalen Spaß, den es in jeder Branche gibt – auch im Büro, wenn über die Personalabteilung gewitzelt wird.
- Man versteht die Abläufe besser. Wer weiß, was die Kollegen vor und nach ihm brauchen, erleichtert allen die Arbeit auf der Baustelle. Beim Gerüstbau zeigt sich das besonders deutlich.
- Man erkennt den Wert der Ausbildung. Ob Gerüstbauer, Maler oder Goldschmiedin: All das sind Ausbildungsberufe. Das gerate leicht in Vergessenheit, findet Peper. In Deutschland könne man jeden Beruf vom ersten Handgriff bis zum Meistertitel lernen und bekomme dabei eine gute Ausbildung.
- Man bekommt Respekt vor jedem Job. Wenn Peper an einer Baustelle vorbeikommt, denkt er: Cool, dass das jemand macht und sich Mühe gibt, damit man nicht in zehn Jahren wieder ran muss. Das gilt für ihn auch bei der Kassiererin, der Putzkraft, den Büroangestellten und den Steuerberatern: Cool, dass das jemand macht, dann muss ich es nicht tun.
- Man sieht, wie viel Freude im Handwerk steckt. Handwerker fühlen sich manchmal nicht ausreichend wahrgenommen, so Pepers Beobachtung. In der Bubble selbst merkt man aber schnell, dass viele total happy sind. Wer sein Handwerk gerne macht und sich darin ausleben darf, hat laut Peper mehr Spaß als alle anderen.
Und jetzt Japan
Der Blick über den Tellerrand hört für Peper nicht an der Gewerkegrenze auf. Schon früher war er ein Jahr in Kanada und merkte dort, dass deutsches Handwerk sehr geschätzt wird. Jetzt arbeitet er für zwei Monate in Tokio als Handwerker.
Der Kontakt kam über jemanden aus Deutschland zustande, der einen deutsch-japanischen Austausch organisiert. Pepers Gastgeber war früher Schreiner und arbeitet heute als Architekt und Bauleiter. Er hat schon etliche deutsche Schreiner und Zimmerer bei sich aufgenommen.
Peper nennt das einen "Sprung ins Blaue": Er weiß nicht, was ihn erwartet oder welche Aufgaben er übernimmt, rechnet aber fest damit, dass es eine großartige Zeit wird. Für ihn passt das zu dem, was er im Handwerk gefunden hat: Reisen, neue Menschen, neue Erfahrungen und ständiges Dazulernen. Fast 30 sei er, und natürlich frage er sich manchmal, ob er nicht einfach zu Hause bleiben, sich eine feste Stelle suchen und die Familienplanung angehen könnte. Aber das sind seine Wünsche und Träume. Er würde es sich selbst ankreiden, wenn er Chancen wie Japan oder Kanada ungenutzt ließe. Er möchte das Handwerk in seiner ganzen Vielfalt kennenlernen – und von jedem Gewerk ein bisschen.
Und noch etwas treibt ihn um: Mit dem gesammelten Material von seinen Handwerksreisen möchte er in Schulen gehen. Er war selbst auf dem Gymnasium, wo man eher in Richtung Uni denkt als in Richtung Handwerk. Gerade in den Klassenzimmern ist das Handwerk seiner Meinung nach zu wenig präsent. Der Kontakt mit Jugendlichen macht ihm viel Spaß. Wenn auch nur ein oder zwei aus einer Klasse sagen, dass sie es mal ausprobieren oder ein Praktikum machen wollen, ist das für ihn schon ein Erfolg. Man könne nicht gleich die ganze Welt verändern, aber etwas Aufmerksamkeit auf das Handwerk zu lenken, schade nicht. Falls eine Schule Interesse hat: Peper gibt sich nicht abgeneigt.
