Der KGM Musso EV überzeugt im Cockpit mit großzügigem Platzangebot und angenehmen Fahreigenschaften. Doch trotz Elektroantrieb ist der Pickup alles andere als ein Leisetreter. Was den Musso EV im Alltag auszeichnet – und wo er gehörig auf die Nerven geht.

Die Elektrifizierung der leichten Nutzfahrzeuge lässt sich nicht aufhalten. Der Trend erreicht auch das Segment der Pick-ups, wo zunächst allein der aus China stammende Maxus eTerron 9 das Feld beackerte. Seit knapp einem Jahr hat er mit dem Musso EV von KGM einen Mitbewerber. Weitere stehen in den Startlöchern.
KGM? Da zucken viele mit den Schultern. Ganz unbekannt ist die südkoreanische Automarke hierzulande freilich nicht, allerdings unter einem anderen Namen. Schon in den 1990er-Jahren rollten SUVs von Ssang-Yong auf deutschen Straßen, ehe das Unternehmen 2020 in die Insolvenz steuerte. Seit der Mischkonzern KG eingestiegen ist, versucht er mit seiner Mobility-Sparte, die Fahrzeuge in Europa wieder in die Spur zu bringen.
Design strahlt Robustheit aus
Wie das beim elektrischen Pick-up Musso gelingt, konnte die DHZ bei einer Testfahrt erkunden oder auch erleiden, wie man’s nimmt. Die Optik kann sich sehen lassen. Selbst auf kleine Details wurde geachtet: Das symbolisierte Nashorn an der Hintertür übersetzt den koreanischen Namen Musso in alle Sprachen.
Die Griffe hinter dem Fahrerhaus wären nicht nötig, strahlen aber Funktionalität aus. Vorn stechen die roten Deckel über den Abschleppösen ins Auge. Das kantige Design strahlt jene Robustheit aus, die Pick-up-Fans von ihrem Gefährt erwarten.
Konzert an Warntönen geht auf den Geist
Die Fahrerkabine bietet Komfort auf Pkw-Niveau. Auch das Platzangebot ist großzügig, selbst in der zweiten Reihe. Die schwebende Mittelkonsole mit dem Schaltknopf verbindet gutes Design mit Funktionalität. Aber spätestens, wenn sich der Wagen in Bewegung setzt, ist es mit dem Komfort im Cockpit vorbei, geht das Konzert an Warntönen den Insassen auf den Geist. Zur Sicherheit trägt das ebenso wenig bei wie das aggressive Eingreifen des Spurhalteassistenten. Und warum der Müdigkeitswarner schon nach 20-minütiger Fahrt mit Getöse zur Kaffeepause ermahnt, bleibt das Geheimnis des Herstellers.
Der Kabinenlärm konterkariert einen der großen Vorteile des Elektroantriebs, seine gegen null gedämpfte Geräuschkulisse, die der Musso EV mit angenehmen Fahreigenschaften verbinden würde. Unebenheiten gleicht er angenehm aus. Abseits des Asphalts verteilt der automatisierte Allradantrieb die Kraft gezielt an die Räder mit genug Bodenhaftung. Der zweite Motor für die Hinterachse geht allerdings zulasten der Nutzlast, die beim Testwagen bei etwa 800 kg liegt, gut zwei Zentner weniger als beim frontgetriebenen Einstiegsmodell. Wer auf hohe Zuladung Wert legt, ist mit einem Verbrenner besser beraten.
Und die Ladepausen mag auch nicht jeder. Um die 80,6 kWh fassende Batterie mit 43,8 kWh von 37 auf 87 Prozent aufzuladen, war an der Schnellladesäule eine Pause von 40 Minuten nötig. Viel Zeit für den angemahnten Kaffee. Wer den Musso danach nicht zur Eile treibt, kommt gut 300 km ohne weitere Pause voran, auch wenn im Display schon bald wieder die Kaffeetasse aufblinkt, begleitet von kräftigem Piepsen.
Der Testwagen
KGM Musso EV, Ausstattungsvariante: Lux, Antrieb: AWD
- Leistung: 207 PS (an jeder Achse)
- Höchstgeschwindigkeit: 177 km/h
- Energieverbrauch: 26,0 kWh/100 km
- Batteriekapazität: 80,6 kWh
- Maße: 5.160 x 1.920 x 1.750 mm (Länge, Breite, Höhe)
- max. Anhängelast: 2.300 kg
Preise
- Einstiegspreis: 41.990 Euro
- Grundpreis Ausstattungsvariante Lux: 48.990 Euro
- Allrad 4x4: 4.000 Euro
- Metallic-Lackierung: 700 Euro
- Gesamtpreis Testwagen: 53.690 Euro

