Transporter im Test Kia PV5 Cargo: Was der neue E-Transporter im Alltag taugt

Mit dem PV5 Cargo kehrt Kia nach langer Pause in die Klasse der leichten Nutzfahrzeuge zurück – vollelektrisch, mit knapp 400 km Reichweite und einer Ladekante von nur 42 cm. Die erste Testfahrt zeigt: Beim Fahrkomfort überzeugt der Koreaner, bei Nutzlast und Verarbeitung gibt es Abstriche.

Kia PV5 Cargo
Bereit für die Baustelle: Der neue Elektro-Transporter PV5 Cargo von Kia. - © Ulrich Steudel

Mit dem Vormarsch der Elektromobilität kommt neuer Schwung in den Bau von Transportern. Wohin die Reise führt, zeigt Kia mit dem PV5 Cargo. Das erste leichte Nutzfahrzeug der Koreaner nach langjähriger Abstinenz frischt mit seinem markanten Design das Straßenbild auf. Neugierige Blicke begleiten auch die erste Testfahrt der DHZ.

Vor allem die Frontpartie mit den vertikal geschwungenen Tagfahrlichtern und den schlitzförmigen LED-Leuchten verleiht dem Kastenwagen einen Ausdruck von Modernität. Zum Einsteigen findet die Handwerkerhand robuste Bügelgriffe an der Tür statt der bündig versenk­baren, filigranen Hebel wie etwa beim Kia EV3. Das geräumige Cockpit empfängt den Fahrer mit Wohlfühlatmosphäre, reichlich Ablagen und einer tadellosen Verarbeitung, was leider nicht auf das gesamte Fahrzeug zutrifft.

Ausreichende Reichweite, geringe Nutzlast

Der Startknopf versteckt sich etwas hinter der Lenkradstrebe. Dann noch die Spitze am Schaltstockhebel in die richtige Richtung kippen und schon schleicht der PV5 in typischer Elektromanier leise, aber zügig von dannen. Da das Testfahrzeug mit dem leistungsstärkeren Antrieb von 163 PS und 71 kWh-Akku ausgestattet ist, geht das recht flott (Einstiegsvariante mit 122 PS und 52-kWh-Akku). Und auch die Reichweite von annähernd 400 km sollte den Radius der meisten Handwerksbetriebe nicht sprengen. Limitierendes Element dürfte eher die geringe Nutzlast sein, die beim Testfahrzeug auf 665 kg beschränkt ist. Die Anhängelast liegt bei 750 kg.

Ladebuchse direkt über der Stoßstange
Frontlader: Die Ladebuchse direkt über der Stoßstange erweist sich an vielen Ladesäulen als vorteilhaft. - © Manfred Sproll

Der Frachtraum überrascht mit einer sehr niedrigen Ladekante von 42 cm. Die Freude wird allerdings durch Kanten neben den Radkästen getrübt. Dadurch passen Europaletten nur längs ins Fahrzeug. Mehr Breite kann durch einen nachrüstbaren Zwischenboden gewonnen werden. Was an Höhe verloren geht, lässt sich als Unterflurstauraum nutzen.

Komfortables Fahren im PV5

Am Fahrkomfort des PV5 gibt es kaum etwas auszusetzen. Unebenheiten gleicht das Chassis gut aus, die Lenkung folgt leichtgängig der Hand des Steuermanns und der kleine Wendekreis von ca. 11 m erleichtert das Rangieren. Schade nur, dass zur Bedienung im Cockpit neben den Knöpfen am Lenkrad allein der Touchscreen zur Verfügung steht. Dass Kia es besser kann, beweisen die Koreaner im Pkw, wo es noch Schaltknöpfe gibt. In der Verlagerung wichtiger Bedienfunktionen in das Menü der Infotainmentsysteme sieht auch der ADAC die Gefahr der Ablenkung.

Besser gelöst hat Kia die Steuerung der Rekuperation über die Schaltpaddel am Lenkrad. Mit etwas Übung lässt sich so viel Energie zurückgewinnen, oft ohne das Bremspedal zu drücken.

Weniger Sorgfalt wie für die Fahrerkabine wurde offenbar bei der Verarbeitung im hinteren Bereich gelegt. Die seitliche Schiebetür ließ sich zunächst nicht öffnen, weil sich die Verkleidung innen gelöst und mit der Bordwand verhakt hatte. Und das Nummern­schild im Heck klappert bei jedem Türschließen, weil es nur oben locker befestigt ist. Kleine Schönheitsfehler, die aber nerven.

Insgesamt ist Kia jedoch ein respektabler Wiedereinstieg in die Transporterklasse gelungen. Inzwischen haben die Koreaner die Angebotspalette um eine Kurz- und eine Hochdachversion erweitert. Für das kommende Jahr steht der nächste vollelektrische Transporter in Aussicht. Dann bekommt der PV5 mit dem PV7 einen großen Bruder.