Christof Schmidt pflastert Einfahrten, baut Mauern und legt Beete an – und das alles im Rollstuhl. Das Problem: Kein verfügbares Modell hält der Dauerbelastung auf Schotter, Pflaster und Gelände stand. Jetzt sucht der Betriebsinhaber über Instagram Metallbauer, Konstrukteure und Tüftler, die gemeinsam mit ihm eine Alternative bauen.

Christof Schmidt richtet sich seine Arbeitsflächen mit dem Minibagger ein. Er ebnet Wege, konstruiert Rampen und platziert das Material so, dass er es später an der richtigen Stelle parat hat. Obwohl diese Arbeiten im Garten- und Landschaftsbau zum Standard gehören, muss der 39-Jährige sie besonders konzentriert planen. Schmidt pflastert Einfahrten, baut Mauern und legt Beete an – und das alles im Rollstuhl sitzend.
Handwerker gesucht: Aufruf über Instagram
Sein Rollstuhl hat dafür extrabreite Reifen. "Es ist ein sogenannter Aktivrollstuhl", erklärt Schmidt. Besonders belastbar ist dieser allerdings nicht, und so erreicht er immer wieder schnell seine Verschleißgrenzen: Staub, Dreck und die Dauerbelastung machen den Rollstuhl selbst zur ständigen Baustelle.
Das ist auch der Grund, warum Christof Schmidt über seinen Instagram-Kanal einen Aufruf gestartet hat. Darin heißt es: "Ich will eine Alternative bauen. Keinen weiteren 8.000-Euro-Rollstuhl, sondern ein intelligentes System für Menschen, die arbeiten, anpacken und aktiv leben." Für dieses Vorhaben sucht er keine großen Industriehersteller, sondern "Metallbauer, Konstrukteure, Ingenieure und Tüftler, die nicht zuerst fragen, warum etwas nicht geht, sondern wie wir es möglich machen", schreibt er auf dem Instagram-Account seiner Firma "Erdkunst".
Ideen für einen langfristig einsetzbaren Rollstuhl hat Christof Schmidt viele. Einen Sonderbau bei der Krankenkasse zu beantragen, hat er allerdings aufgegeben. "Da müsste ich viele tausend Euro draufzahlen und am Ende kann ich gar nicht im Detail mitsprechen, was der Rollstuhl können sollte", sagt er. Die Kasse bezahlt ihm nur eine Standardausführung. "Und die ist für das Sitzen am Schreibtisch ausgelegt und nicht für die Arbeit draußen auf Pflaster, Schotter, Wiesen und Gelände."
Ausbildung im Rollstuhl: Nicht nur am Schreibtisch möglich
Mit 16 Jahren hatte Christof Schmidt einen Motorradunfall, seitdem ist er querschnittsgelähmt. Dass er heute trotzdem in einem so aktiven Job arbeitet und eben nicht ausschließlich im Rollstuhl sitzt, verdankt er dem Mut seines Ausbildungsbetriebs – und seiner eigenen Hartnäckigkeit. Seine dreijährige Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau absolvierte er in einem Tiefbaubetrieb im oberfränkischen Kulmbach – genauso wie alle anderen Azubis.

Zugetraut hätten es ihm damals nur wenige, aber er hat die Ausbildung durchgezogen, sich danach weitergebildet und führt heute seinen eigenen Betrieb mit drei Mitarbeitern. Und das mit einem eher ungewöhnlichen Konzept. Denn wer mit der Firma Erdkunst zusammenarbeitet, darf selbst mit anpacken. Das wird fest eingeplant.
Schmidt sagt dabei bewusst nicht, dass der Bauherr oder die Bauherrin anpacken "muss", denn das Prinzip des Mitarbeitens sei sehr beliebt – vor allem in der Gartengestaltung. Der Bauherr könne Geld sparen, wenn er bei einfachen Arbeiten mithilft. Gleichzeitig erspart es dem Betrieb ständige Zusatztermine für Besprechungen. "Im Bauprozess sind so viele Absprachen notwendig und die können wir immer gleich sofort klären", sagt er und betont ein Grundprinzip, das er auch für sein Rollstuhl-Projekt gelten soll: "Gute Arbeit zu einem fairen Preis."
Gemeinschaftsprojekt: Rollstuhl planen, entwerfen und bauen
Deshalb plant er für den Rollstuhlbau ein Gemeinschaftsprojekt, in das auch Ideen anderer einfließen sollen – genauso wie das Know-how für die Umsetzung in Sachen Orthopädietechnik, Metallbau oder andere Handwerksbereiche. Hierbei könnte sich seiner Ansicht nach etwas ergeben, von dem gleich mehrere profitieren. Die ersten Reaktionen, die sein Instagram-Post schon erzielt hat, zeigen genau das. Er erntet Zustimmung sowie Interesse und gleichzeitig berichten andere Rollstuhlfahrer, dass auch sie einen anderen Bedarf haben, als es die bisher verfügbaren Modelle bieten.
Wie ein perfekter Rollstuhl aussehen müsste, mit dem Christof Schmidt arbeiten und auch sonst aktiv leben könnte, beschreibt er in seinem Aufruf so: "Leicht. Extrem stabil. Perfekt auf den Fahrer abgestimmt. Modular, reparierbar und mit Komponenten, die man einfach tauschen kann."
