Vereint auftreten gegenüber Plattformen, Herstellern und gemeinsam gegen politisches Stückwerk: Elektro- und Sanitärhandwerk schmieden eine Allianz für das Gebäude der Zukunft. Ein Gespräch mit den beiden Branchenpräsidenten über Datenhoheit, veränderte Ausbildung und wie Betriebe am besten zusammenarbeiten.
Ihre Verbände wollen stärker zusammenarbeiten. Wo sehen Sie die größten Schnittstellen – und wo die Hürden?
Michael Hilpert: Unsere beiden Gewerke sind eng verwandt. Gerade bei Kundenaufträgen greifen Elektroinstallation und Heizung ineinander. Wir haben schon gemeinsame Vereinbarungen geschlossen und gemeinsame Schulungen entwickelt. Jetzt aber zeigt sich: Wir müssen mehr tun, denn der Markt verlangt heute anderes als vor 20 Jahren. Dabei nehmen wir uns gegenseitig nichts weg. Überall, wo wir gemeinsam stärker sind, gehen wir diesen Weg. Es geht nur miteinander.
Stefan Ehinger: Das Gebäude wird immer technischer. Früher reichten vier Wände, ein Dach, eine Glühbirne pro Raum und ein Heizkessel im Keller. Heute bauen wir beide immer anspruchsvollere Technik ein – mit immer mehr Berührungspunkten.
Was wurde bisher geregelt, was soll dazukommen?
Hilpert: Die gemeinsame Bildung bauen wir weiter aus. Darüber hinaus dürfen wir am Markt nicht überholt werden – gerade bei der Digitalisierung gibt es neue Anbieter. Wir als Verbände müssen für die Betriebe vordenken und ihnen den Weg bereiten, damit sie bestehen können.
Ehinger: Eine Vereinbarung ist erst einmal nur der Rahmen. Entscheidend ist das Praktische: Digitalisierungsprojekte und politische Arbeit. Das könnte jeder für sich machen – aber es ist viel wirksamer, wenn wir die Dinge zusammendenken.
Hilpert: Elektro- und Sanitärhandwerk gehören zu den größten Handwerksbranchen in Deutschland. Auch weitere Gewerke binden wir ein: In der Taskforce Gebäudetechnik sitzen Dachdecker, Schornsteinfeger, Kälteanlagenbauer und Metallbauer mit am Tisch. Denn am Ende müssen alle Energieflüsse im Gebäude aufeinander abgestimmt werden – und das geht nur miteinander.
Wie arbeiten die beiden Gewerke heute konkret zusammen?
Hilpert: Ein Beispiel: Ein Kollege hat einen Kunden, der seine Heizung sanieren und zugleich die Elektrik mit einer Solaranlage ergänzen möchte. Reichen die eigenen Fachleute nicht aus, braucht man ein Netzwerk. Ich baue seit 35 Jahren komplette Bäder, bin aber kein Fliesenleger und kein Trockenbauer. Trotzdem brauche ich diese Leistungen und kaufe sie zu. Das ist bei uns kein Generalunternehmer-Modell, sondern ein Netzwerk aus Partnerbetrieben: Einer hat den Hut auf, übernimmt Gewährleistung, Angebot und Rechnung – und holt sich für die Facharbeit seine Partner dazu.
Ehinger: Früher brauchte die Gas- oder Ölheizung nur einen einfachen Stromanschluss – im Grunde eine Steckdose. Eine Wärmepumpe dagegen ist ein großer Verbraucher. Ich muss nicht nur ein Kabel legen, sondern auch am Zählerplatz etwas verändern und das Gerät beim Energieversorger anmelden. Dafür brauche ich Angaben vom Sanitärbetrieb. Im Einfamilienhaus klären wir das noch mit zwei E-Mails. In einem größeren Gebäude wird das um ein Vielfaches schwieriger. Deshalb arbeiten wir an digitalen Schnittstellen, über die beide Betriebe ihre Angaben austauschen können – nicht in einer langen Datei, in der auf Seite 18 irgendwo der Anschlusswert steht, sondern so, dass jeder auf der Baustelle genau auf die Daten zugreifen kann, die er braucht.
"Es sind die Kleinigkeiten, die den Alltag leichter machen."
ZVEH-Präsident Stefan Ehinger
Hilpert: Dazu kommt der Blick über die Gewährleistung hinaus. Für Wartung und Sicherheitsprüfungen sind Daten nötig, und die müssen zusammenlaufen. Ein kleines Beispiel aus der Praxis: Wir haben gemeinsam ein Merkblatt erstellt, welche Zählerschränke noch für eine Wärmepumpe taugen. So kann der Heizungsbauer den Kunden gleich darauf hinweisen, dass der Zählerplatz umgebaut werden muss. Das kostet nichts, hilft aber, den Auftrag zu bekommen und Vertrauen aufzubauen.
Ehinger: Genau solche Dinge wirken. Es muss gar nicht kompliziert sein – es sind die Kleinigkeiten, die den Alltag leichter machen.
Wenn mehrere Betriebe an einem Projekt arbeiten – wer haftet, wenn etwas schiefgeht?
Hilpert: Im Netzwerk ist das klar geregelt: Wer den Auftrag annimmt, übernimmt die Gewährleistung – und holt sich seine Partner für die Facharbeit dazu. Das ist ganz normale Geschäftsführung. Wichtig ist dabei, dass man seine Partnerbetriebe fair bezahlt. Denn faire Bezahlung ist am Ende auch Qualitätssicherung: Nur wer auskömmlich arbeitet, liefert dauerhaft gute Arbeit.
Plattformanbieter wie Thermondo oder Enpal nehmen dem Kunden die Abstimmung zwischen den Gewerken ab. Entwickeln sich Handwerksbetriebe stärker zum Komplettanbieter?
Ehinger: Das machen viele längst. Wenn ich ohnehin im Haus bin und der Kunde sagt, im Keller gehe das Licht nicht, dann erledige ich das mit. Neu ist für uns vor allem die Digitalisierung: Was die Plattformen gut können, ist, ihre Abläufe sauber am Rechner zu organisieren. Das können wir für unsere Mitglieder auch darstellen. Dem Kunden ist am Ende egal, wer dahintersteht – Hauptsache, die Anlage läuft.
Hilpert: Unsere beiden Gewerke können noch mehr: die laufende Überwachung der Anlagen – arbeiten sie sparsam? Und wir sind nach dem Einbau als Ansprechpartner da und decken Notfälle ab. Als Anfang des Jahres in Berlin der Strom ausfiel – wer hat denn die Anlagen wieder zum Laufen gebracht? Ich habe Respekt vor dem Vertrieb dieser Plattformen, davon kann das Handwerk lernen. Unsere größte Stärke aber ist der längere Atem: Wir sind beständig und zuverlässig – und wir sind vor Ort. Entscheidend ist aber auch, dass unsere Betriebe den direkten Zugang zum Kunden behalten und nicht zu reinen Montagepartnern anderer Anbieter werden.
"Wer sponsert den Fußballverein? Wer ist bei der Feuerwehr und beim THW? Das sind die Handwerksbetriebe vor Ort."
Stefan Ehinger
Ehinger: Die meisten E-Betriebe stehen nicht auf nur einem Standbein, sondern sind in vielen Geschäftsfeldern aktiv. Sie können also flexibel auf den Markt reagieren und sich schnell anpassen. Die Diversifizierung bei den Geschäftsfeldern macht die Betriebe resilient. Was Handwerksbetriebe übrigens noch leisten ist, regional zur Wertschöpfung beizutragen. Wer sponsert den Fußballverein? Wer ist bei der Feuerwehr und beim THW? Das sind die Handwerksbetriebe vor Ort. Diese regionale Verankerung ist ein Wert an sich. Das kann eine Plattform nicht bieten.
Hilpert: Wie oft kommt eine ältere Dame in den Betrieb, weil sie einen Ansprechpartner sucht, den sie kennt. Diese Nähe kann keine Plattform ersetzen.
Rechnen Sie damit, dass mehr Betriebe gleich beide Gewerke anbieten?
Ehinger: Das passiert schon. Wir nennen sie Zebra-Betriebe – Betriebe, die sowohl Elektro als auch Sanitär, Heizung und Klima anbieten. Der Elektrobetrieb holt sich einen Meister aus dem Sanitärhandwerk dazu oder übernimmt einen solchen Betrieb, und umgekehrt. Das gab es immer, aber seit einigen Jahren nimmt es zu. Es wird also Betriebe geben, die beide Berufsbilder vereinen – sinnvoll, wenn man alles aus einer Hand anbieten will. Wer das nicht will, sucht sich Partnerbetriebe. Unser Rat an alle: Bildet Netzwerke – über die Gewerke hinweg und innerhalb des eigenen Fachs. Das ist das A und O.
Wer ist nach dem Einbau für die Wartung zuständig, wenn mehrere Betriebe beteiligt waren?
Hilpert: Wer zuerst beim Kunden war, fühlt sich verantwortlich. Nach der Fertigstellung biete ich einen Wartungsvertrag für die Heizung an, mein Partner wartet die Solaranlage. Die Termine stimmen wir ab – das gehört zum Rundum-Service. Der Kunde will nur, dass alles läuft und sein Geld gut angelegt ist.
Ehinger: Ein festes Modell gibt es nicht. Die Gebäude werden technischer, deshalb nehmen Wartung und Service zu. Einen Fachmann, der Wärmepumpe, Speicher, Ladestation und Solaranlage gleichzeitig wartet, wird es nicht geben – das bleiben verschiedene Spezialisten. Aber idealerweise stimmen diese sich ab. Was der Kunde möchte, steht dabei im Mittelpunkt.
"Wer zuerst beim Kunden war, fühlt sich verantwortlich."
ZVSHK-Präsident Michael Hilpert
Wie wichtig sind die Daten, die moderne Anlagen liefern? Und greifen Hersteller diese ab?
Hilpert: Die Frage ist, wie wir uns klug dazwischenschalten. Der Kunde kann uns heute schon für die Überwachung seiner Heizung freischalten – wir sehen dann Störungen, Laufzeiten, Heizzeiten. Aber: Zwei Kunden wohnen einen Kilometer auseinander und haben die gleiche Anlage. Bei dem einen arbeitet die Wärmepumpe wirtschaftlicher als beim anderen. Dem muss man auf den Grund gehen. Diesen Vergleich kann der Hersteller ziehen, wir noch nicht. An diese Daten müssen wir heran. Denn wir wollen, dass unsere Betriebe nicht zum bloßen Monteur fremder Anbieter werden.
Ehinger: Der EU Data Act [EU-Datengesetz; Anmerkung der Redaktion] sagt ja auch: Die anfallenden Daten gehören dem Kunden. Einen Teil tritt er an den Hersteller ab – das ist in Ordnung, denn der braucht sie für Aktualisierungen. Entscheidend ist, dass der Kunde entscheiden kann, dass auch sein Handwerker Zugang zu den Daten bekommt – und zwar zu den echten Rohdaten, nicht nur ein grünes oder rotes Lämpchen. Dafür brauchen wir eine freie, einheitliche Schnittstelle. Es darf nicht so sein, dass der Hersteller sagt: Von Gottes Gnaden gebe ich dir ein bisschen was – aber nicht das, was dich wirklich weiterbringt.
Hilpert: Es geht um die Unabhängigkeit der Betriebe. Wir wollen den Kunden ansprechen können: Bei Ihrer Anlage stimmt etwas nicht – sollen wir uns darum kümmern? Also vorbeugen, bevor die Wärmepumpe zu viel Strom verbraucht und schneller verschleißt.
Ehinger: Fachleute nennen diese neue Dienstleistung Predictive Maintenance [vorausschauende Wartung; Anmerkung der Redaktion]. Und die gewinnt in Zukunft an Bedeutung: Dass Daten wertvoll sind, ist bekannt. Die Gebäude der Zukunft brauchen aber viel mehr Wartung – auch aus Sicherheitsgründen, weil vernetzte Anlagen angreifbar sind. Das ist ein wichtiges Geschäftsfeld für unsere Betriebe. Es geht dabei um Unabhängigkeit, auch für den Kunden: Er darf in technischer Hinsicht nicht in eine Abhängigkeit vom Hersteller geraten, aus der er nicht mehr herauskommt. Die Heizung reißt man nicht schließlich so einfach wieder aus dem Keller.
Rücken mit den Geschäftsfeldern auch die Berufe zusammen? Wird es eines Tages den Anlagenmechaniker für Sanitär und Elektro geben?
Hilpert: Sicher nicht. Beide Felder sind zu breit, um sie in dreieinhalb Jahren Ausbildung zu verbinden. Und sie werden immer anspruchsvoller. Man kann nicht beides in einen Topf werfen. Das wollen wir auch gar nicht.
Ehinger: Das wäre von allem etwas und von nichts genug. Wir reden von zwei sicherheitsrelevanten Gewerken. Machen wir Fehler, kann das im schlimmsten Fall Menschenleben kosten. Ich setze auf Weiterbildung, damit man das andere Fach versteht – gerade an den Schnittstellen. Wenn ich in einem Fachvortrag der Sanitärkollegen sitze, gehe ich nicht hinaus mit dem Gefühl, ich könnte jetzt bei einer Heizung den hydraulischen Abgleich machen, sie also fein einstellen. Aber ich habe etwas ganz Wichtiges verstanden: Davon verstehe ich nichts, das macht ein Fachmann. Das ist die beste Erkenntnis.
Hilpert: Es gibt zum Beispiel eine Weiterbildung von 240 Stunden, nach der unsere Sanitärkollegen eine Pumpe anschließen dürfen – nicht, weil sie sich durchwursteln, sondern weil sie es fachlich richtig machen. Das hilft auch im Kundengespräch: Man kann schwierige Dinge einfach erklären und weiß, wann man einen Fachmann holt.
Wie muss sich die Ausbildung ändern?
Ehinger: Unsere Gewerke verändern sich schnell, das muss sich in den Ausbildungsplänen spiegeln. Deshalb wurde 2021 ja auch der Elektroniker für Gebäudesystemintegration [Ausbildungsberuf, der die gewerkeübergreifende Programmierung von Schnittstellen schon in der Ausbildung berücksichtigt; Anmerkung der Redaktion] als Vernetzungs- und Schnittstelleexperte neu eingeführt. Denn solche neuen Berufsbilder braucht es, weil die Technik im Gebäude immer stärker zusammenwächst. Die Anpassung braucht aber Zeit, und die Bildungsstätten müssen alles umsetzen. Dabei hängen sie stark an Fördermitteln. Im vergangenen Jahr gingen ein Jahr lang keine Bescheide raus. Da sollen sich Schulen mit neuer Technik ausstatten, bekommen aber keine Zusagen. Das bremst alles. Hier braucht es ein klares Bekenntnis der Politik.
Hilpert: Im Haushalt stehen zehn Millionen Euro weniger für die überbetriebliche Ausbildung. Das ist Geld für unsere Jugend – verglichen mit den Milliarden für die Hochschulen. Man will junge Leute in den Beruf bringen und kürzt dann an der Ausbildung. Davon haben wir Verbände nichts. Wir können nur die Voraussetzungen schaffen, dass junge Menschen gut ausgebildet in die Betriebe kommen.
"Man will junge Leute in den Beruf bringen und kürzt dann an der Ausbildung."
Michael Hilpert
Wie zufrieden sind Sie mit der Energiewendepolitik der Bundesregierung? Werden Ihre Gewerke unterstützt oder ausgebremst?
Hilpert: Es fehlt, dass die Politik das Wissen der Praktiker einholt. Uns werden oft Gesetze vorgelegt, die sich kaum umsetzen lassen. Wer ist denn beim Kunden? Wir sind es – und wir wissen, was er braucht.
Ehinger: Deswegen: Redet mit uns, und zwar rechtzeitig. Kürzlich haben wir Gesetzentwürfe am Donnerstagabend bekommen und sollten montagmorgens Stellung nehmen. Wir wollen nichts verhindern. Wir würden aber gern konstruktiv mitgestalten und stehen hinter vielen sinnvollen Punkten. Aber dann lasst uns gemeinsam überlegen, wie es am besten und vor allem praxisnah geht.
Herr Ehinger, wie bewerten Sie die bisherigen Beschlüsse zur Vergütung für eingespeisten Solarstrom?
Ehinger: Nach den bisherigen Plänen soll die Förderung für kleine Solaranlagen auslaufen. Deshalb fragen jetzt alle solche Anlagen nach, aber ab Anfang des kommenden Jahres erwarten wir durch den Wegfall der Förderung einen Einbruch. Weiterer Kritikpunkt: Das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz zwingt selbst kleinste Dachanlagen dazu, ihren Strom selbst am Markt zu verkaufen. Die technischen und regulatorischen Voraussetzungen für einen funktionierenden Markt im Bereich kleinerer Anlagen fehlen aber bislang.
Zwei mächtige Verbände
ZVSHK und ZVEH vertreten die Gewerke, die Gebäude mit Wärme, Wasser und Strom versorgen. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (Präsident Michael Hilpert) spricht für rund 48.000 Betriebe mit etwa 390.000 Beschäftigten. Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (Präsident Stefan Ehinger) vertritt rund 49.000 Betriebe mit 88,2 Milliarden Euro Umsatz.
Warum sie wichtig sind: Wärmepumpen, Photovoltaik, Speicher und Ladepunkte installieren ihre Betriebe. Ohne sie bleibt die Energiewende im Gebäude unvollendet.
Warum sie zusammenpassen: Die Wärmepumpe braucht Strom und Steuerung, die Solaranlage liefert Strom für die Heizung. Kunden wollen einen Ansprechpartner und Komplettanbieter wie Enpal oder Thermondo drängen mit Rundum-Paketen in den Markt . Deshalb arbeiten beide seit Jahren über die § 7a-Vereinbarung zusammen und seit 2025 in der Taskforce Gebäudetechnik.
Was fehlt denn?
Ehinger: Wären Gebäude flächendeckend mit Smart Metern [intelligente Stromzähler; Anmerkung der Redaktion] ausgestattet, wäre das möglich. Aber wir haben unsere Netze jahrelang nicht ausgebaut – und den Preis für de fehlende Netzausbau soll nun der kleine Verbraucher zahlen. Über eine Begrenzung des Zubaus kann man reden, solange die Netze nicht so weit sind. Aber mit Maß. Zugleich muss man aber auch die Netzbetreiber in die Pflicht nehmen, zu investieren. Wie soll jemand mit einer kleinen Dachanlage von zehn Kilowatt Leistung seinen Strom selbst vermarkten? Das ist technisch kaum machbar und wirtschaftlich unsinnig.
Und beim Netzanschluss?
Ehinger: Hier muss es einfacher werden. Wir haben über 870 Netzbetreiber im Land – also 870 verschiedene Verfahren, um einen Anschluss anzumelden. Deshalb ist ein zentrales Anmeldeportal so sinnvoll: einmal anmelden, und im Hintergrund wird das Netzanschlussbegehren an den richtigen Betreiber weitergeleitet. Der Kunde hätte zudem nur einen Ansprechpartner. Heute muss ich eine Solaranlage an zwei, manchmal drei Stellen eintragen – warum nicht an einer?
Hilpert: Und für die eine Anmeldung braucht man die Nummer aus der anderen. Ohne das Fachhandwerk schafft der Kunde das gar nicht. Die Anlage muss er zum Beispiel selbst im zentralen Register der Bundesnetzagentur, dem Marktstammdatenregister, eintragen – kaum jemand weiß, wie das geht.
Herr Hilpert, das neue Gebäudemodernisierungsgesetz steht, ebenso die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Ist den Betrieben damit geholfen?
Hilpert: Es ist Ruhe eingekehrt, weil die Voraussetzungen jetzt klar sind. Viele unserer Forderungen stehen drin – etwa die Technologieoffenheit und die Wahlfreiheit des Kunden. Nicht in Ordnung war, dass man im Trubel schnell die Förderung geändert hat. Der Höchstbetrag von 30.000 Euro sinkt jetzt alle halbe Jahr. Einmal im Jahr könnte man das machen, aber halbjährlich ergibt keinen Sinn. Bis der Antrag bearbeitet ist und die Arbeit beginnt, haben sich die Bedingungen schon wieder geändert. Das stiftet nur Verwirrung. Auf Dauer können wir nicht alles über Zuschüsse regeln. Entscheidend ist, dass sich eine neue Heizung für den Kunden auch im Betrieb rechnet. Deshalb müssen wir vor allem die Stromkosten senken.
Ehinger: Da sind wir wieder bei der Verlässlichkeit. Jetzt will jeder den Höchstbetrag, also gibt es einen Ansturm – und danach ein Loch. Wir sind daher auch gar nicht die größten Freunde von Förderungen. Die Förderung für Wallboxen [Wandladestation; Anmerkung der Redaktion] wurde damals von heute auf morgen gekappt – daran sind sogar Hersteller zerbrochen, die zuvor in die Fertigung investiert hatten. Klar, jede Förderung braucht ein Ende, aber eines, mit dem man planen kann!




