Organisierte Kriminalität Autohäuser im Visier von Betrügern: ZDK fordert BKA-Taskforce

Kopierte Autohaus-Webseiten, gestohlene Identitäten, grenzüberschreitend agierende Tätergruppen – der Betrug rund um den Fahrzeughandel wird professioneller. Nach einem Cyberangriff auf einen Autohaus-Softwaredienstleister warnt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe vor einer neuen Qualität des Risikos. Was Betriebe und ihre Kunden jetzt wissen müssen.

Fahrzeug kaufen per Tablet – was praktisch wirkt, birgt Risiken: Kriminelle nutzen gefälschte Autohaus-Webseiten, um Käufer zu Vorauszahlungen für nicht existierende Fahrzeuge zu verleiten. - © Azulblue - stock.adobe.com

Nach dem bekannt gewordenen Cyberangriff auf einen IT-Dienstleister für Autohaus-Software warnt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) vor Betrugsversuchen im Fahrzeughandel. Nach aktuellen Medienberichten könnten Kriminelle sensible Informationen aus Kaufvorgängen nutzen, um gefälschte Zahlungsaufforderungen besonders glaubwürdig erscheinen zu lassen. Der ZDK sieht darin ein wachsendes Risiko. Er fordert vom Bundeskriminalamt (BKA) die Einrichtung einer Taskforce "Organisierte Kriminalität im Autohandel".

Taskforce soll Informationen bündeln und Muster erkennen

Die Taskforce soll Hinweise aus Betrieben, Softwareanbietern, Plattformen und Ermittlungsbehörden schneller zusammenführen, aktuelle Betrugsmaschen systematisch auswerten und Gegenmaßnahmen besser koordinieren.

"Der aktuelle Fall zeigt, wie gefährlich die Verbindung aus Cyberangriffen, gestohlenen Kundendaten und organisierter Betrugskriminalität für den Fahrzeughandel werden kann", sagt ZDK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Hasler. "Wenn Kriminelle echte Details aus Kaufvorgängen kennen, werden gefälschte Zahlungsaufforderungen für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für Betriebe erheblich schwerer zu erkennen. Deshalb brauchen wir eine Taskforce, die Informationen bündelt, Muster erkennt und schnell handlungsfähig macht."

Betrug läuft arbeitsteilig, digital und grenzüberschreitend

Der ZDK beobachtet seit geraumer Zeit eine Zunahme professionell organisierter Betrugsdelikte rund um den Kauf und Verkauf von Fahrzeugen. Dazu zählen gefälschte Zahlungsaufforderungen, manipulierte Dokumente, der Missbrauch digitaler Handelsplattformen und die Nutzung gestohlener Identitäten. Besonders problematisch ist, dass Webseiten von Autohäusern kopiert und Kunden mit günstigen Lockangeboten zu hohen Vorauszahlungen für Onlinekäufe verpflichtet werden. Das Fahrzeug existiert nicht, der vermeintliche Verkäufer auch nicht – das betroffene Autohaus hingegen schon, ohne von dem Betrug zu wissen. Die Täter agieren arbeitsteilig, digital und grenzüberschreitend. Nach Einschätzung des ZDK sind die Täter ohne kriminaltaktische Ermittlungen auf europäischer Ebene nicht auszumachen.

"Autohäuser und Werkstätten leisten bereits viel Präventionsarbeit. Aber der steigenden Professionalität der Täter kann die Branche nicht allein begegnen", so Hasler. "Wir brauchen einen engeren Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Ermittlungsbehörden und Politik. Der ZDK ist bereit, seine Praxiserfahrungen und branchenspezifisches Know-how aktiv einzubringen." fre

Was Autokäufer jetzt beachten sollten

Der ZDK rät Autokäuferinnen und Autokäufern, Zahlungsaufforderungen besonders kritisch zu prüfen. Konkret empfiehlt der Verband:

  • Keine Anzahlungen für Fahrzeugreservierungen bei Online-Angeboten leisten
  • Geänderte Bankverbindungen nicht allein aufgrund einer E-Mail oder Nachricht akzeptieren
  • Im Zweifel das Autohaus direkt über eine bekannte Telefonnummer kontaktieren
  • Keine Links aus verdächtigen Nachrichten öffnen
  • Bei bereits erfolgten verdächtigen Überweisungen sofort Bank und Polizei einschalten