Sparkassen-Analyse Mittelstand: Substanz hält – doch die Erträge bröckeln

Die Umsatzrendite im deutschen Mittelstand ist binnen eines Jahres von vier auf drei Prozent gesunken, das Betriebsergebnis im Schnitt um fünf Prozent gefallen. Gleichzeitig vergaben die Sparkassen im ersten Halbjahr 2026 knapp sechs Prozent mehr Unternehmenskredite als im Vorjahr – ein erstes Zeichen, dass Betriebe wieder in die Zukunft investieren.

Auf der einen Seite gefallene Betriebsergebnisse, sinkende Umsatzrenditen und Verluste im Metall- und Maschinenbau. Auf der anderen Seite steigende Kreditvergabe und eine Baubranche, die ihren Gewinn um 30 Prozent steigern konnte. - © Pixelscout - stock.adobe.com

Der Mittelstand in Deutschland ist im Wandel. "Seine Substanz trägt, doch seine Erträge geraten in vielen Bereichen deutlich unter Druck", sagte Ulrich Reuter, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), mit Blick auf die Ergebnisse einer Unternehmensanalyse innerhalb des Sparkassensektors.

Besonders betroffen seien der Metall-, Fahrzeug- und Maschinenbau. Anderswo, wie etwa im Baugewerbe oder bei IT-Dienstleistern, sehe es besser aus. Hoffnung machen ihm wieder steigende Investitionen. Diese Trendwende müsse mit "besseren Rahmenbedingungen" durch die Politik gestützt werden, forderte er.

Ertragslage schwieriger

Die Analyse basiert auf einer Bilanzauswertung zahlreicher Firmenkunden der Sparkassen. Sie spiegeln nach DSGV-Angaben rund 40 Prozent aller Unternehmensumsätze in Deutschland wider. Diese Umsätze sind im vergangenen Jahr unter dem Strich nur in Höhe der Inflation von rund zwei Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist das Betriebsergebnis nicht zuletzt wegen hoher Personalkosten im Schnitt um fünf Prozent gefallen. Die Umsatzrendite ist so von vier auf drei Prozent zurückgegangen.

Besonders gut bezahlte Arbeitsplätze fallen weg

Mit einer Umsatzrendite von minus 3,9 Prozent ist die Situation im Metall-, Fahrzeug- und Maschinenbau nach den Worten des DSGV-Präsidenten besonders kritisch. "Dass ein Herzstück der deutschen Wirtschaft trotz Personalabbaus erstmals deutliche Verluste verzeichnet, ist ein ernstes Warnsignal", sagte er. Was dort abgebaut werde, seien überdurchschnittlich gute Arbeitsplätze. "Dieser Effekt überträgt sich auch in andere Branchen", warnte er.

Bau- und Immobilienwirtschaft legen zu

Zulegen konnte der Analyse zufolge dagegen das Baugewerbe. Hier stieg der Umsatz im gleichen Zeitraum um fünf Prozent und der Gewinn um 30 Prozent. Die Umsatzrendite konnte so auf knapp 9 Prozent gesteigert werden. In der Immobilienwirtschaft lag die Umsatzrendite bei rund acht Prozent. Auch IT-Dienstleister legten zu.

Sparkassen vergeben wieder mehr Kredite

Zugleich wies Reuter darauf hin, dass wieder mehr investiert wird. Insgesamt hätten die Sparkassen im ersten Halbjahr 2026 Kredite in Höhe von 46,6 (Vorjahr: 44,1) Milliarden Euro vergeben. Dies sei ein Plus von knapp sechs Prozent. Bei den Betriebsmittel- und Investitionskrediten seien es knapp vier Prozent mehr. "Die Unternehmen beginnen langsam wieder zu investieren, nachdem wir in der Vergangenheit vor allem Ersatzinvestitionen gesehen haben", betonte er.

Reuter: Politik muss Rahmenbedingungen verbessern

Damit dieser Impuls nicht wieder verpufft, ist nach Reuters Einschätzung jetzt die Politik gefragt. Sie müsse Bedingungen schaffen, damit sich Investitionen in Deutschland wieder besser rechnen. Dazu müssten vor allem die Lohnzusatzkosten in den Blick genommen werden. Derzeit stiegen sie schneller als die Produktivität. Außerdem müsse in Klimafolgenanpassung investiert und so die Widerstandskraft der Wirtschaft gestärkt werden. Nicht zuletzt müsse Europa seine Chancen bei der Künstlichen Intelligenz nutzen und dabei die Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern abbauen, forderte er.