Berufskleidung Workwear für Frauen: Auf den Leib geschnittene Arbeitsoutfits

Berufs- und Schutzkleidung sowie Sicherheitsschuhe für Handwerkerinnen sind zwar keine Seltenheit mehr. Dennoch gibt es Lücken in den Kollektionen, was zu Lasten von Tragekomfort und Bewegungsfreiheit geht. Doch es gibt auch viele Positivbeispiele – eine Übersicht.

Strauss bietet seit mehr als zehn Jahren eigene Damen-Styles. Auf „e.s.vision“ folgte Motion 2020 mit großer Modell- und Farbvielfalt. Inzwischen führen mehr als zehn Strauss-Kollektionen Damenprodukte: von sportlich bis robust, von Funktionsstoff bis Jeans sowie von Warn- bis Wetterschutz.
Die Workwear-Hersteller stellen sich darauf ein, für mehr Frauen im Handwerk passende Berufskleidung bereitzustellen. - © Strauss

Frauen sind im Handwerk unterrepräsentiert:  Bezogen auf alle Erwerbstätigen in reinen Handwerksberufen lag der Frauenanteil laut Statistischem Bundesamt (Destatis) im Jahr 2025 bei circa 10,3 Prozent, EU-weit waren es immerhin 10,8 Prozent. Allerdings ist nicht grundsätzlich jeder zehnte Mitarbeiter eines Handwerkbetriebs weiblich.

Im Gegenteil: Das Gros der Frauen arbeitet wie eh und je in kreativen und gesundheitsgewerblichen Berufen wie dem Friseur-, Konditoren-, Lebensmittel- oder Optikerhandwerk oder der Gebäudereinigung. Immerhin deuten die aktuellen Auszubildendenzahlen auf eine allmähliche Trendwende hin: Erhebungen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks zufolge ist im Jahr 2025 die Zahl von jungen Frauen deutlich gestiegen, die Kraftfahrzeugmechatronikerin, Tischlerin, Elektronikerin oder Malerin und Lackiererin werden wollen.

Doch in Betrieben, die erstmals eine Frau im Team aufnehmen, dürfte sich die Frage stellen, was die Kollegin bei der Arbeit anziehen soll. Denn während Berufskleidung für das Lebensmittelhandwerk und medizinisch-technische Berufe längst "emanzipiert“ ist, offenbaren die Kollektionen für Bauhaupt- und -nebengewerke häufig noch Lücken, wenn es um Hosen und Jacken in Damenschnitten geht. Damit das Team trotzdem in einheitlichem Stil auftreten kann, bleibt den Betrieben keine andere Wahl, als die Mitarbeiterinnen in Oberteile in Unisex- und Hosen in Männergrößen zu stecken.

Körperform als Maßstab

Unisex bedeutet In der Praxis jedoch ebenfalls "Herren“. Immerhin bieten manche Unternehmen ihre Herrenkollektion in einem sehr breiten Größenspiegel an, der auch kleine und zierliche Personen berücksichtigt. Nach den Erfahrungen von Silvia Mertens, Leitung Produktmanagement beim Textildienstleister Mewa (Wiesbaden), fühlen sich manche Frauen mit gerader Körperform durchaus wohl in gutsitzenden Unisex- oder Herrenmodellen.

Das Gros dürfte mit der auf den männlichen Körperbau zugeschnittenen Passform jedoch nicht zurechtkommen und muss mit fehlendem Tragekomfort, schlechtem Sitz, mangelnder Bewegungsfreiheit und ungenügender Schutzfunktion der Workwear klarkommen. Eine unzufriedenstellende Berufskleidung hat jedoch unmittelbare Auswirkungen auf die Produktivität: Wenn sie ständig verrutscht, zu eng ist und körperliche Arbeit einschränkt oder sogar behindert, sinken Konzentration und Leistungsfähigkeit. Im Fall von Persönlicher Schutzausrüstung kann eine mangelnde Passform außerdem auch noch selbst zur Gefahrenquelle werden. Die Auswirkungen einer "falschen" Arbeits- oder Schutzkleidung betrifft übrigens nicht nur Frauen, sondern jeden Beschäftigten. "Der Maßstab darf daher nicht das Geschlecht auf dem Etikett sein, sondern die tatsächliche Passform am Körper", empfiehlt Silvia Mertens.

Auf Maß geschnitten

Die Notwendigkeit von Berufskleidung, aber auch Sicherheitsschuhen in Damenschnitten und -formen ist anatomisch bedingt: Im Vergleich zum männlichen Körperbau haben Frauen üblicherweise schmalere Schultern, mehr Taille und Brust, breitere Hüften und eine kürzere Rückenlänge sowie schmalere Füße. Diese Unterschiede müssen bei der Schnittform der Arbeitskleidung und den Leisten für Damenschuhe berücksichtigt werden.

Jeder Hersteller verfolgt dabei eigene Konstruktionsregeln, weshalb Modelle verschiedener Anbieter sehr unterschiedlich ausfallen können. Immerhin begünstigen Stretchgewebe und elastische Einsätze generell einen besseren Sitz von Kleidung. Um sicherzugehen, dass auch Taschen und Kniepolster an der richtigen Stelle sitzen, ausreichend Stauraum für Werkzeug gegeben ist und die Sicherheitsschuhe nicht drücken und bequem sind, empfiehlt sich eine Anprobe der Ausstattung. Sollte diese aber partout nicht sitzen wollen, bleiben wenige Alternativen, sofern ein einheitliches Erscheinungsbild des Teams gefordert ist. So kann eine Latzhose der passende Ersatz für eine Bundhose sein.

Hilft auch das nichts, findet sich die Lösung möglicherweise in einer anderen Kollektion mit ähnlichem Farb- und Ausstattungsspektrum. Bei Sicherheitsschuhen sollte ein Betrieb einen Anbieter wählen, der standardmäßig Damen- und Herrenmodelle im Sortiment führt. Bei Elten (Uedem) etwa machen Damensicherheitsschuhe inzwischen zehn Prozent am Gesamtsortiment aus. Diese sind – wie das Pendant für Männer – auf spezielle Schutzanforderungen abgestimmt, so dass sich für viele berufliche Anforderungen ein passender Schuh findet. Andernfalls empfiehlt das Unternehmen, auf Unisex-Varianten auszuweichen. Angesichts einer steigenden Zahl von Handwerkerinnen ist diese Praxis in näherer Zukunft möglicherweise passé. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass immer mehr Hersteller ganzheitliche Kollektionen für Sie und Ihn entwickeln.