Sommer-Workwear Ab UV-Index 3: Warum Chefs jetzt die Berufskleidung prüfen sollten

Seit August 2025 verpflichtet die Technische Regel A5.1 Arbeitgeber, ab einem UV-Index von 3 Schutzmaßnahmen zu ergreifen – Kleidung mit UV-Schutzfaktor 50+ kann die Eigenschutzzeit der Haut um das Fünfzigfache verlängern. Welche Normen Orientierung geben und welche Produkte die BG Bau bezuschusst.

Berufskleidung ist im Sommer mit Bedacht zu wählen. Hohe Temperaturen, direkte Sonne und lichtreflektierende Flächen erschweren die Arbeit. - © HAIX

Der Sommer ist zweifellos die angenehmste Jahreszeit für Arbeiten im Freien. Doch während in der Freizeit Sandalen, kurze Hosen und Tops Hochsaison haben, gelten bei der Garderobenwahl in vielen Berufen ganz andere Anforderungen. Offene Schuhe sind bei Außenarbeiten auf dem Bau und in Baunebengewerken tabu, weil die Füße vor herabfallenden Gegenständen, Scherben, Nässe oder auch Rutsch- und Stolpergefahren geschützt werden müssen.

Doch auch wenn das Tragen von Sicherheitsschuhen bei risikoreichen Tätigkeiten verpflichtend ist, muss der Komfort nicht auf der Strecke bleiben. Längst gibt es Schuhmodelle, die eine stabile Passform haben, gleichzeitig aus leichten und atmungsaktiven Materialien gearbeitet sind, die Feuchtigkeit regulieren und deren Sohle eine gute Dämpfung des Fußes bietet.

Auch die Berufskleidung ist im Sommer mit Bedacht zu wählen. Hohe Temperaturen, direkte Sonne und lichtreflektierende Flächen heizen den Beschäftigten im wahrsten Sinne des Wortes ein und erschweren die Arbeit. Hinzu kommt, dass die UV-A- und UV-B-Strahlen der Sonne akute Hautschäden wie Sonnenbrand verursachen und langfristig das Hautkrebsrisiko erhöhen können.

Deshalb sieht die Technische Regel für Arbeitsstätten A5.1 der "BAuA" seit August 2025 vor, dass Arbeitgeber ab einem UV-Index von 3 geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen. Dazu zählen technische und organisatorische Lösungen wie Überdachungen oder veränderte Arbeitszeiten sowie persönliche Schutzmaßnahmen, zu denen Kühlwesten, Sonnenschutzmittel und Kleidung mit hohem UV-Schutzfaktor (50+) gehören.

>> Zum tagesaktuellen UV-Index des ­Bundesamts für ­Strahlenschutz

So wirken Schutzprodukte

Der UV-Schutzfaktor (UVP oder auch Lichtschutzfaktor LSF genannt) zeigt, wie stark Kleidung oder Sonnenschutzmittel die natürliche Eigenschutzzeit der Haut verlängern. Wie hoch der nötige Schutz sein muss, hängt vom Hauttyp und von der Dauer der Arbeit im Freien ab. Entscheidend ist daher, Schutzmaßnahmen nicht pauschal, sondern passend zur tatsächlichen Belastung auszuwählen. So ist beispielsweise für hellere Hauttypen ein besonders hoher Schutzfaktor wichtig, da die Eigenschutzzeit der Haut nur wenige Minuten umfasst. Wer bei der Arbeit ein Sonnenschutzprodukt mit einem UVP 50+ benutzt – sei es in Form eines Langarmshirts oder einer Sonnencreme –, ist entsprechend gut geschützt, weil die Aufenthaltsdauer dadurch um das Fünfzigfache verlängert werden kann.

Dauerhaft und integriert

Textilien bieten von Natur aus einen gewissen Schutz vor Sonnenstrahlung, der unter anderem von Faserart, Dichte, Farbe und Materialstärke abhängt. Durch spezielle Ausrüstungen lässt sich dieser Schutz dauerhaft verbessern, ohne dass der Tragekomfort leidet. Deshalb gibt es heute leichte Berufs- und Warnkleidung mit integriertem UV-Schutz. Orientierung über die Wirkung von Arbeitskleidung gegenüber Sonnenstrahlen geben verschiedene Normen und Prüfverfahren, darunter die DIN EN 13758-1 und -2 (Schutzeigenschaften gegen ultraviolette Sonnenstrahlung) oder der aus Australien stammende AS/NZS 4399. Besonders anspruchsvoll ist der UV Standard 801, weil das Material sowohl im Neuzustand als auch unter realitätsnahen Belastungen (gedehnt, nass, gealtert) geprüft wird.

Geförderte Prävention

Das von UV-Strahlen ausgehende Risiko trifft vor allem Unternehmen, die in der Bau Berufsgenossenschaft (BG Bau) versichert sind. Sie informiert auf ihrer Homepage umfassend über Sonnen- und Hitzeschutz und fördert in vielen Fällen die Anschaffung geeigneter persönlicher Schutzmaßnahmen. Bezuschusst werden unter anderem langärmelige UV-Funktions- und Warnshirts, außerdem Sonnenschutzbrillen, Kühlwesten, Kopfbedeckungen und Helmzubehör. Nicht gefördert wird dagegen gemietete UV-Schutzkleidung – obwohl im textilen Mietservice durch Pflege und Reparatur dafür gesorgt wird, dass die Workwear ihre volle Funktionalität behält. Abgesehen davon stellen zahlreiche textile Dienstleister auf Wunsch ihrer Kunden auch eine saisonal passende Arbeitskleidung bereit. Gerade deshalb erscheint der Ausschluss von Mietkleidung aus der Förderung widersprüchlich.

Mesh-Einsätze zur Belüftung

Bei körperlicher Arbeit entsteht zusätzliche Wärme, die im Sommer durch ungeeignete Kleidung schnell zu Hitzestau führen kann. Daher empfiehlt die "BAuA" atmungsaktive, leichte Bekleidung, die den Wärmeaustausch möglichst wenig behindert. Wo die Gefährdungsbeurteilung es zulässt, reichen unter Umständen Shorts, leichte Shirts oder Westen. Wenn mechanische Risiken das Tragen langer Hosen erforderlich machen, verbessern solche mit eingearbeiteten Lüftungs­zonen oder Mesh-Einsätzen das ­Trageklima. Je nach Hersteller werden solche Extras seitlich in den Hosenbeinen oder im hinteren Kniebereich eingearbeitet. Wer Kniepolster benutzt, sollte darauf achten, dass diese die Lüftungsfunktion nicht beeinträchtigen.

Konzepte für Situationen

Angesichts längerer Hitzephasen und höherer Schutzanforderungen der BG Bau bei Außenarbeiten werden durchdachte Kleidungskonzepte immer wichtiger. Sommer- und Winterkollektionen oder Mehrlagensysteme mit UV-Schutz-Funktionsshirts ermöglichen eine dem jeweiligen Klima angepasste Garderobe. Neben den Anschaffungskosten verursachen solche Lösungen einen höheren Lageraufwand, der weiter steigt, wenn Beschäftigte neben normaler Berufskleidung auch Warnkleidung benötigen. Mietservice-Modelle können hier eine praktikable Alternative sein: Sie erleichtern eine saisonale Anpassung bei einem gleichzeitig einheitlichen Auftreten der Mannschaft.